• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteTag für TagDie Verbindung zwischen Menschen und Göttern20.02.2017

Rauch und ReligionenDie Verbindung zwischen Menschen und Göttern

Was haben Johann Sebastian Bach und Rastafari wie Bob Marley gemeinsam? Rauchen war für sie eine religiöse Handlung. Bach rauchte Tabak, die Rastas rauchen Cannabis. Damit stehen sie nicht alleine da, denn weltweit finden sich Beispiele dafür, wie das Rauchen in religiösen Zeremonien genutzt wird. Der Rauch verbindet die Lebenden mit Ahnen und Göttern.

Von Christian Röther

Ein Rastafari in Jamaika raucht einen Joint (imago)
Ein Rastafari in Jamaika raucht einen Joint (imago)
Mehr zum Thema

Bob Marley Berühmtester Rastafari vor 70 Jahren geboren

Rastafari-Religion Das Leben nehmen, wie es kommt

Die Reggae-Legende Bob Marley stellt man sich entweder mit einer Gitarre in der Hand vor … oder mit einem Joint. Bob Marley gehörte der Religion der Rastafari an – und da war und ist es weit verbreitet, Cannabis zu rauchen.

"Viele glauben, dass die Rastas Cannabis rauchen, um high zu werden und Spaß zu haben. Aber es ist bei Ihnen nicht erlaubt, Cannabis außerhalb von religiösen Zeremonien zu rauchen."

Sagt Adolph van der Walt. Er ist Theologe und Religionswissenschaftler. Er promoviert in Göttingen über das Rauchen, genauer: das Pfeiferauchen als religiöse Handlung. Cannabis wird nicht nur von den Rastas auf Jamaika geraucht, sondern zum Beispiel auch in Indien und Nepal, um den Gott Shiva zu ehren.

Rauch als Zugang zur Welt der Ahnen

Auch Tabak wird in religiösen Zeremonien verwendet. In Japan, Australien – und dort, wo der Tabak ursprünglich herkommt: Südamerika. Als die Europäer vor 500 Jahren nach Amerika kamen, hat sich der Tabak schnell über die ganze Welt verbreitet.

Der Religionswissenschaftler Adolph van der Walt raucht eine Tabakpfeife der südafrikanischen Xhosa (Deutschlandradio / Christian Röther)Der Religionswissenschaftler Adolph van der Walt raucht eine Tabakpfeife der südafrikanischen Xhosa (Deutschlandradio / Christian Röther)

"Die meisten Menschen rauchen die Sorte 'Nicotiana tabacum'. In religiösen Ritualen wird aber oft 'Nicotiana rustica' verwendet. Dieser Tabak enthält mehr Nikotin und ist viel stärker."

Auch in Südafrika, der Heimat von Adolph van der Walt, rauchen Menschen Tabak als religiöse Handlung. Der Forscher befasst sich vor allem mit den Xhosa, eine Volksgruppe von neun Millionen Menschen. Sie sind bekannt für die Klicklaute in ihrer Sprache. Auch Adolph van der Walt beherrscht sie.

"They are called the amaXhosa, quite famous for the click-sounds in their language."

Die Xhosa schnitzen sich längliche Pfeifen aus Holz. Adolph van der Walt hat einige mitgebracht nach Deutschland. Er breitet die Pfeifen auf seinem Küchentisch aus, neben einer Tabakpflanze, die in einem Blumentopf wächst. Die Pfeifen für die Männer messen etwa 20 Zentimeter, die für die Frauen sind etwas länger. Die Xhosa rauchen darin Tabak, um mit ihren toten Verwandten zu kommunizieren.

"Die Vorfahren sind in einer anderen Welt, aber haben noch Zugang zur Welt der Lebenden. Wenn Du die Pfeife rauchst, die zum Beispiel Dein Ur-Großvater geraucht hat, lädst Du ihn in die Welt der Lebenden ein. So kann er auf Dich aufpassen und Du besänftigst ihn."

"Auch Weihrauch wird eingeatmet"

Von Südafrika ins Orthodoxe Kloster Buchhagen in der Nähe von Hameln. Der Gottesdienst beginnt, das klimpernde Geräusch kommt vom Weihrauch-Gefäß. Der Abt schwenkt es, die Krypta füllt sich mit Rauch.

Ein Teil der Pfeifensammlung von Adolph van der Walt (Deutschlandradio / Christian Röther)Ein Teil der Pfeifensammlung von Adolph van der Walt (Deutschlandradio / Christian Röther)

"Der Unterschied ist natürlich, dass Weihrauch nicht geraucht wird. Aber man atmet den Rauch trotzdem ein. Die Idee ist beim Weihrauch ganz ähnlich wie beim Tabak: Der Rauch steigt nach oben. So entsteht das Gefühl, dass die Seelen nach oben steigen."

Weihrauch, der "heilige Rauch", wurde schon im alten Ägypten in Zeremonien verwendet – und bis heute von orthodoxen und katholischen Christen. Der Protestant Johann Sebastian Bach hingegen hielt sich lieber an den Tabak. Er hat sogar ein Lied darüber komponiert, erzählt Adolph van der Walt.

"One of my favorite examples is Johann Sebastian Bach. He wrote a song about his tobacco pipe. In the refrain he sings: Zu Land, zu Wasser und Zuhaus, steht mein Pfeifchen in Andacht aus."

Bach - "Sooft ich meine Tobackspfeife"

Sooft ich meine Tabakspfeife,
mit gutem Knaster angefüllt,
zur Lust und Zeitvertreib ergreife,
so gibt sie mir ein Trauerbild.

Die Pfeife als Symbol für Himmel und Hölle

"Er raucht, um an Gott zu denken. Die weiße Farbe der Pfeife erinnert ihn an die weißen Wände des Himmels. Und wenn er sich an der Pfeife verbrennt, erinnert ihn das an die Hölle und daran, ein anständigeres Leben zu führen."

Und füget diese Lehre bei,
dass ich derselben ähnlich sei.

Bach, gesungen vom französischen Opernsänger Gérard Souzay. Rauchen als religiöse Handlung. Ein Phänomen, das sich in vielen Kulturen auf der ganzen Welt findet. Und das so unterschiedliche Musiker verbindet wie Bob Marley und Johann Sebastian Bach. Und so kommen Zeitgenossen immer wieder auf die Idee, sich auf die Religionsfreiheit zu berufen, um Rauchverbote auszutricksen.

"Ein niederländischer Barkeeper hat behauptet, er gehöre zur 'Kirche des Rauchs' und seine Bar sei eine Kapelle. Deshalb sollte es aus religiösen Gründen erlaubt sein, dort zu rauchen. Er konnte sich damit aber nicht durchsetzen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk