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Reaktion auf Bertelsmann-StiftungÖkonom warnt vor Verallgemeinerung beim Armutsrisiko

Kinder stehen in einem Kindergarten in Hamburg. (dpa-Bildfunk / Christian Charisius)
Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge erhöht sich das Armutsrisiko von Familien mit jedem weiteren Kind. (dpa-Bildfunk / Christian Charisius)

Mit Blick auf die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung über das Armutsrisiko von Familien mit Kindern hat der Ökonom Steffen Roth vor Verallgemeinerungen gewarnt.

Man könne aus den Ergebnissen nicht unbedingt ableiten, dass sich die Situation aller Kinder in Deutschland verschlechtert habe, sagte der Wirtschaftswissenschaftler der Universität Köln im Deutschlandfunk. Die Statistiken seien zum Teil irritierend. Denn dort werde in erster Linie auf die Zahl der Empfänger von Transferleistungen geschaut. Unter den Begriff fielen sämtliche staatliche Leistungen an Personen ohne Gegenleistungen.

Roth betonte, es sei korrekt, dass es mehr arme Kinder in Deutschland gebe. Die Zahl von Transferempfängern nehme aber auch dadurch zu, dass neue Anspruchsberechtigte hinzukämen, beispielsweise durch die Zuwanderung minderjähriger Flüchtlinge. Und das sei in dem Zeitraum, der von der Studie der Bertelsmann-Stiftung erfasst worden sei, der Fall, erläuterte Roth.

Nehme man die einzelnen Gruppen auseinander, gebe es bei Kindern mit einem deutschsprachigen Hintergrund sogar eine Verbesserung, also ein etwas geringeres Armutsrisiko. Bei den in Deutschland geborenen Migrantenkindern gebe es keine Veränderung. Ein Anstieg sei allein bei der Gruppe der Jugendlichen und Kindern verzeichnet worden, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland zugewandert seien. Roth forderte deshalb, man müsse über die Kausalzusammenhänge der Veränderungen sprechen.

Roth bezeichnete es als generell problematisch, die Zahl der Empfänger von Transferleistungen als Maß für Armut zu nehmen. Die Transfersysteme seien dazu da, Menschen aus der Notlage herauszuholen. Werde vielen Menschen geholfen, sei das zunächst einmal kein Zeichen dafür, dass die Gesellschaftspolitik versage - sondern im Gegenteil, dass sie vielen Menschen in Notlagen Hilfestellungen biete.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung war zu dem Schluss gekommen, dass das Armutsrisiko von Familien größer ist als bisher angenommen. Wissenschaftler der Universität Bochum berechneten dazu neu, welche zusätzlichen Kosten durch Kinder je nach Familientyp und Einkommenssituation entstehen. Demnach liegt die Risikoquote bei Alleinerziehenden bei 68 Prozent und damit mehr als 20 Prozentpunkte höher als in bisherigen Berechnungen.

Diese Nachricht wurde am 13.02.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.