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StartseiteCampus & Karriere"Mathematik hat ein Imageproblem"06.12.2016

Rechnen in der Schule"Mathematik hat ein Imageproblem"

Für viele Schüler ist Mathe ein Horrorfach. Auch bei Erwachsenen hat das Fach oft keinen guten Ruf. Zu Unrecht, meint Claudia Abjörnson von der Stiftung Rechnen. Im Hinblick auf Mathematik müssten dringend Ängste und Barrieren abgebaut werden, sagte Abjörnsen im DLF.

Claudia Abjörnson im Gespräch mit Markus Dichmann

Eine junge Lehrerin schreibt am 17.08.2016 an eine Schultafel im Mathematikunterricht einer 8. Klasse an einer Integrierten Gesamtschule in Hannover (Niedersachsen).  (dpa/ picture alliance/ Julian Stratenschulte)
Der Matheunterricht zählt bei vielen Schülern nicht zu den Lieblingsfächern.. (dpa/ picture alliance/ Julian Stratenschulte)
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Markus Dichmann: In Singapur alles ganz vorbildlich, in Schweden hingegen größere Probleme zeigt und die aktuelle PISA-Studie, heute ist sie erschienen, "Campus & Karriere" hier. Probleme, die attestiert PISA auch hierzulande, und damit kommen wir zurück nach Deutschland und wollen zum Ende der Sendung auch die vielen Bildungsbemühungen, die es ja hierzulande längst gibt, nicht unter den Tisch fallen lassen.

Und daher stellen wir noch ein Projekt vor, das anpackt bei einem der vermeintlichen Problemfächer der deutschen Schüler, nämlich bei der Mathematik. Wir sprechen mit und von der Stiftung Rechnen und über ihren Online-Rechentag, der heute erstmals in vielen deutschen Schulen im ganzen Land stattgefunden hat. Am Telefon ist jetzt Stiftungsmanagerin Claudia Abjörnson. Ich grüße Sie!

Claudia Abjörnson: Hallo, Herr Dichmann, ich freue mich, dass ich sie höre.

Dichmann: Vielleicht können Sie uns ja jetzt erst noch mal grob skizzieren, worum es beim Online-Rechentag ging.

Abjörnson: Mit dem innovativen Schülerwettbewerb und Online-Rechentag wollen die Stiftung Rechnen und der Ernst-Klett-Verlag zeigen, wie wichtig Mathematik im Alltag ist, und dass man sie halt überall findet. So wird Mathe begreifbar und mit Spaß vermittelt. Und Ziel ist es, die Rechenkompetenz von Schülerinnen und Schülern frühzeitig und nachhaltig zu stärken, weil gute Rechner einfach wichtig sind. Die brauchen Sie im Alltag und auch im späteren Berufsleben.

Dichmann: Und wie genau haben Sie das jetzt in dem Fall versucht, auf die Beine zu stellen?

Abjörnson: Wir haben dazu aufgerufen im Sommer und haben an über 20.000 Schulen im Land eine Ausschreibung geschickt, und die Schülerinnen und Schüler gebeten, uns ihre Matheaufgaben aus der Lebenswelt, aus ihrer Lebenswelt, aus ihrer Umwelt einzusenden, und diese wurden dann gesucht. Und wir haben dann mit einer Jury die fünf Gewinneraufgaben ausgelost.

Dichmann: Und die wurden heute quasi bundesweit zusammengerechnet.

Abjörnson: Genau. Über 400 spannende Mathematikaufgaben wurden eingereicht. Und eine Jury hat fünf Einreichungen ausgewählt, die heute Morgen im Rahmen des ersten Online-Rechentags live an einer Berliner Schule auch mit über 100 Schülern gerechnet wurden.

"Mathematik hört ja nicht am Schultor auf"

Dichmann: Das heißt aber auch, wenn Sie solche Aktionen veranstalten, dass Sie den Matheunterricht etwas alltagstauglicher machen wollen, ihn etwas kreativer machen wollen. Heißt das auch, dass Sie den Befund der PISA-Studie in Sachen Mathematik könne man gern noch eine Schippe drauf legen, so auch teilen?

Abjörnson: Absolut. Also unsere Mission ist "Mehr vom Leben durch Freude am Rechnen". Das ist die Mission der Stiftung Rechnen. Nach der arbeiten wir auch. All unsere Projekte und Programme haben einen sehr hohen Alltagsbezug, einen Lebensweltbezug. Wir wollen für die Schülerinnen und Schüler die Frage beantworten, wozu lerne ich das eigentlich. Mathematik hört ja nicht am Schultor auf, das wird sie ein Leben lang begleiten. Und das Zahlenverständnis, Umgang mit Zahlen, Umgang mit Geld am Ende auch, Problemlösen, das alles hilft im Alltag und bedeutet auch Schutz vor Manipulation und Betrug.

Dichmann: Jetzt ist es laut PISA aber auch so, Frau Abjörnson, dass die Ergebnisse im Bereich Mathematik dieses Jahr wieder leicht schlechter ausfallen als in den vorherigen Erhebungen. Auf jeden Fall fallen sie nicht besser aus. Und das trotz Ihrer Bemühungen und auch vieler anderer Bemühungen aus anderen MINT-Initiativen. Wo liegt das Problem?

Abjörnson: Ja, wenn wir das so genau wüssten, würden wir da schon ansetzen und hätten gar nicht über 200.000 unbesetzte MINT-Stellen. Wir setzen da natürlich auch beim Zugang an, beim Zugang zur Mathematik. Wir holen über positive Mathematikerlebnisse und -initiativen Mathematik aus der isolierten Wissenschaft rein in den Alltag.

Da versuchen wir eben für die Schülerinnen und Schüler einen Bezug herzustellen, dass wir da auch Barrieren abbauen, Ängste abbauen, weil nach wie vor auch Mathematik ein Imageproblem hat. Da haben Schülerinnen und Schüler auch noch immer Ängste vor diesem Fach, und das versuchen wir abzubauen durch positive Mathematikerlebnisse, um da einen Beitrag zu leisten, auch am Ende für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland.

"Schon im Elternhaus wird dafür ein Grundstein gelegt"

Dichmann: Auf der anderen Seite haben Sie ja über Ihre Stiftung viel mit Schülerinnen und Schülern zu tun, und daher auch mal die Frage, ob Sie dieses – man könnte es ja manchmal fast Bashing nennen, das da betrieben wird, durch PISA oder auch die letzte TIMMS-Studie aus der vergangenen Woche, diese schlechten Ergebnisse zu den schulischen Leistungen, ob Sie das eigentlich gerechtfertigt finden?

Abjörnson: Gerechtfertigt finde ich es nicht, weil mein Herz natürlich für dieses Thema schlägt, wenn Sie mich persönlich fragen. Aber nach wie vor stellen wir fest, dass auch gebildete, erwachsene Menschen immer wieder mit ihrer mathematischen Unkenntnis sich brüsten und sich auch gern hinstellen vor Publikum und sagen, ach, Mathe brauchte ich auch nie, das brauchte ich nicht, brauchst du heute auch nicht lernen, mein Sohn oder meine Tochter. Und schon im Elternhaus wird dafür ein Grundstein gelegt, und da versuchen wir natürlich auch anzusetzen und da auch eine Bewusstseinsschärfung einfach auch herzustellen und da ein Bewusstsein herzustellen, wie wichtig Mathematik im Leben ist.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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