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StartseiteCampus & KarriereRecht auf Master05.05.2011

Recht auf Master

Studierendenvertreter fordern gesetzliche Regelung

Bei der Nationalen Bologna-Konferenz am 6. Mai in Berlin will Florian Pranghe vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften unter anderem einfordern, dass jeder Bachelor-Absolvent auch einen Masterstudienplatz bekommen kann.

Florian Pranghe im Gespräch mit Sandra Pfister

Beim Bildungsstreik im vergangenen Jahr kam die Studiengangsreform nicht gut weg. (AP)
Beim Bildungsstreik im vergangenen Jahr kam die Studiengangsreform nicht gut weg. (AP)

Sandra Pfister: Wie kann repariert werden, was bei der verkorksten Einführung der kurzen Bachelorstudiengänge schiefgelaufen ist? Das war eine der zentralen Fragen beim vergangenen Studentenstreik vor eineinhalb Jahren. Die Bundesbildungsministerin versuchte zu beschwichtigen, indem sie zur Bologna-Konferenz nach Berlin bat. Doch am Ende verhedderten sich alle in Nebenschauplätzen und Schuldzuweisungen, und Anette Schavan und der linke Studierendenvertreter gerieten ordentlich miteinander in die Wolle. Florian Pranghe, Sie werden diesmal als Vertreter der Studierenden mit dabei sein, das ist die größte Betroffenengruppe. Sie vertreten nämlich den FZS, den Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften, den Dachverband der deutschen Studierendenschaften. Beim vergangenen Mal war Schavan deutlich genervt von den Einwürfen der Studierenden. Warum sollte sie Sie diesmal ernster nehmen?

Florian Pranghe: Das ist eine gute Frage. Dass sie deutlich genervt ist, das merkte man jetzt ein wenig in der Vorbereitung der Bologna-Konferenz. Im letzten Jahr gab es sehr viele Absprachen, auch zwischen dem FZS und den verschiedenen anderen Studierendengruppen und dem BMBF, und in diesem Jahr kam irgendwann einfach mal eine Einladung und dann hieß es: So ist es jetzt, und keine große vorige Absprache. Ich sehe es aber als einen Erfolg, dass Frau Schavan da etwas genervt war, da ja anscheinend die Probleme richtig angesprochen wurden.

Pfister: Na ja, Schavan sagt jetzt im Moment natürlich, alles ist prima. Die Zwischenbilanz des Bachelor ist gut, vielerorts wurde er entschlackt. Dadurch entsteht dann weniger Prüfungsdruck. Was halten Sie ihr denn entgegen?

Pranghe: Ja, es ist richtig gesagt. Vielerorts ist es entschlackt worden. Es gibt aber noch vielerorts, wo es nicht entschlackt wurde, wo einfach nichts gemacht wurde, und auch da, wo was gemacht wurde, ist halt die Frage: Was wurde gemacht? War das mehr irgendwie jetzt Kosmetik-Politik? Wurden da einfach zwei Klausuren, die früher irgendwie Teilklausuren waren, jetzt einfach zusammengelegt? Was jetzt auch nicht wirklich die Prüfungslast wegnimmt, da ja immer noch das Gleiche gelernt werden muss für diese eine Klausur. Aus unserer Sicht wäre es irgendwie sehr positiv, wenn auch mal darüber nachgedacht würde, andere Prüfungsformen zu nutzen - Stichwort "students end up learning", was langsam über den europäischen Einfluss kommt.

Pfister: Was ist das?

Pranghe: Das ist halt, dass es nicht mehr darum geht: Was wird den Studierenden jetzt eigentlich genau eins zu eins vermittelt? Sondern darum: Was haben die Studierenden am Schluss gelernt?

Pfister: Das sind natürlich echt Feinheiten. So weit wird es wahrscheinlich auf der Konferenz überhaupt gar nicht kommen, sondern Schavan wird Ihnen wahrscheinlich an einem Punkt, wenn es so in die Feinheiten geht, dazwischen gehen und sagen: So schlecht kann der Bachelor gar nicht sein, der kommt bei der Wirtschaft gut an. Dazu hat sie ja extra vorgestern noch zwei Studien bemüht, nach denen Bachelor in der Wirtschaft sehr zufrieden sind mit ihren ersten Jobs, und die Wirtschaft sagt: Passt alles. Was sagen Sie?

Pranghe: Schließt sich ja nicht aus. Also, Problem Studium und späteren Jobmöglichkeiten ... es ist ja sogar eigentlich positiv, dass Studierende schon mit einem Bachelor-Abschluss in die Wirtschaft gehen können, während man früher zum Beispiel, wenn man nach dem Vordiplom merkte, hm, Studium ist doch nichts für mich, dann irgendwie das Studium abbrechen müsste und dann ohne irgendwas auf der Straße stand. Was aber trotzdem natürlich bleiben muss, ist, dass Studierende trotzdem die Chance haben, einen Masterstudiengang zu machen, und Stichwort ist auch natürlich, dass Leute, die schon mit dem Bachelor dann in den Beruf gegangen sind, dass die dann natürlich später auch die Möglichkeit haben, wieder einen Masterstudiengang anzufangen. Dann wird es gerade, wenn es wirtschaftsmäßig wieder mal kriselt, wahrscheinlich dazu kommen, dass hier viele wieder an die Unis gehen, bevor sie entlassen werden.

Pfister: Das heißt, das wird der Punkt sein, an dem Sie erwarten, dass Sie sich am meisten kloppen, nämlich der Frage, ob es einen Master für alle gibt. Sozusagen, ein Recht auf einen Master.

Pranghe: Richtig. Das wird natürlich von Seiten Frau Schavan vehement abgelehnt werden, dass es ein Recht geben sollte. Wir fordern das aber trotzdem ein. Da haben wir auch vor Kurzem eine Petition gestartet mit verschiedenen anderen Verbänden, und hoffen da doch mal irgendwie auf einen Rechtsanspruch. Die GEW hat auch ein Gutachten dazu erstellt, ob es ein bundesweites Zulassungsgesetz geben könnte, was gesagt hat: Ja, das ist möglich, und da hoffen wir doch darauf, dass es noch ein Gesetz gibt.

Pfister: Wie sehr qualifiziert der Bachelor tatsächlich für einen Beruf?

Pranghe: Das ist wirklich eine sehr gute Frage. Ich denke aus meiner persönlichen Erfahrung, dass es auch ein bisschen fächerabhängig ist. Ich glaube, es gibt Fächer, wo das wesentlich einfacher ist, schon nach dem Bachelor in den Beruf zu gehen und durchaus auch in die Naturwissenschaften, wo man immer sagt, ja, da braucht man ja eine Doktorarbeit, um in den Beruf zu gehen - was natürlich richtig ist, das sind dann die Leute, die dann eher die Führungspositionen später einnehmen werden. Aber auch mit dem Bachelor wird es da sicherlich gute Jobs geben in der Wirtschaft.

Pfister: Warum ist es Ihnen dann so wichtig, dass der Master für alle erreichbar sein sollte?

Pranghe: Es sollte jeder - gerade auch im Rahmen des lebenslangen Lernens - halt die Möglichkeit haben, sich weiterbilden zu können.

Pfister: Die GEW haben Sie gerade erwähnt. Wann immer sich sonst linke Studierendenvertreter zu Wort melden, laufen sie Gefahr, dass sie als Fundamentalkritiker abgebügelt werden. Wo sind eigentlich sonst ihre Verbündeten?

Pranghe: Zum einen in der GEW, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften, den anderen Gewerkschaften, als auch durchaus auch Kontakt zu Leuten in der Wirtschaft, die ja auch durchaus nicht immer unseren Vorschlägen abgeneigt sind.

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