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StartseiteEuropa heuteRechtsextreme erteilen Griechen nationalen Unterricht02.04.2013

Rechtsextreme erteilen Griechen nationalen Unterricht

Wie die Partei Goldene Morgenröte auf Wählerfang geht

In Griechenland wollen sich Extremisten eine dauerhafte Basis verschaffen. Die rechtsradikale Partei Goldene Morgenröte geht dabei besonders geschickt vor: Sie präsentiert der jungen Generation einfache Feindbilder aus der Geschichte.

Von Rodothea Seralidou

Die Partei Goldene Morgenröte versucht mit Ressentiments auf Wählerfang zu gehen.  (AP)
Die Partei Goldene Morgenröte versucht mit Ressentiments auf Wählerfang zu gehen. (AP)

Hoch emotional hält der umstrittene Parteisprecher der Goldenen Morgenröte, Ilias Kasidiaris, seine Rede über den griechischen Freiheitskampf gegen die Osmanen: über tapfere griechische Helden, brutale Türken und ihre furchtbaren Massaker an der griechischen Bevölkerung.

Die nationalistische Geschichtsstunde der rechtsradikalen Partei findet nicht in einem Hinterzimmer statt, sondern im feinen Konferenz-Saal eines Athener 4-Sterne-Hotels. Im Publikum sitzen Menschen mittleren Alters und Rentner, aber auch Familien mit ihren Kindern, und Jugendliche. Die 13-jährige Petrina hat zusammen mit ihrem Bruder in der ersten Reihe platzgenommen.

Petrina:
"Ich bin hier, weil ich wissen will, was uns Chrysi Avgi zu sagen hat. In der Schule haben wir dieses Kapitel ja anders gelernt, vieles wurde anders dargestellt oder wurde einfach nicht erwähnt."

Das hat seinen Grund. Denn ein Großteil der Fakten, die hier präsentiert werden, sei wissenschaftlich nicht haltbar, sagt Andonis Liakos, Professor für neugriechische Geschichte an der Universität Athen.

Andonis Liakos:
"Man muss zwischen der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung und den verschiedenen nationalen Mythen unterscheiden. Chryssi Avgi hält an diesen nationalen Mythen fest, wie es in der Vergangenheit auch andere konservative, nationalistische Kreise getan haben und auch die Kirche. Seit einigen Jahren stellen die Schulbücher solche Mythen infrage und das hat heftige Reaktionen ausgelöst."

Reaktionen auch von Chrysi Avgi, die von einer modernen Geschichtsschreibung nichts wissen will. So stellt Chryssi Avgi in ihrem Geschichtsunterricht die 400 Jahre der osmanischen Herrschaft immer noch als "Knechtschaft" dar, in der die griechische Bevölkerung kontinuierlich verfolgt und gefoltert wurde. Angeblich konnten die Griechen ihre Identität nur dank der so genannten "krifa scholia" bewahren: der geheimen Schulen, in denen angeblich orthodoxe Geistliche den versklavten griechischen Kindern das Lesen und Schreiben beibrachten. Der Geschichtsprofessor Andonis Liakos schüttelt den Kopf:

Andonis Liakos:
"Es gab definitiv keine geheimen Schulen! Das osmanische Reich kümmerte sich nicht um die Bildung der Christen, es verbot sie aber auch nicht. Es gab also große Schulen, kirchliche Schulen zur Ausbildung der orthodoxen Pfarrer, und bürgerliche Schulen, die reiche Händler gründeten! Chrysi Avgi aber will, dass ihre Thesen die Schulbildung beherrschen und nicht die, die objektiv sind."

Und damit sie ihre Thesen weiter verbreiten kann, will Chrysi Avgi in ihren Büros jetzt sogar Geschichtsunterricht speziell für Schüler anbieten. Viele Lehrer sind deshalb besorgt. Lampros Nikolaras, Vorstandsmitglied im griechischen Lehrerverband:

Lampros Nikolaras:
"Der Unterricht ist doch nur ein Vorwand für Chrysi Avgi! Sie versuchen dadurch schon die ganz Kleinen zu indoktrinieren, eine Taktik, die alle faschistischen Regimes praktiziert haben, in Deutschland die Nationalsozialisten, aber auch Mussolinis Faschisten in Italien."

Wohin der Einfluss der Rechtsextremen führt, bekommen seine Kollegen bereits zu spüren, sagt Nikolaras:

Nikolaras:
"In der Oberstufe gibt es mittlerweile Angriffe auf ausländische Schüler und auf Lehrer, die gegen die Ideologie der Chrysi Avgi sind. Schon in der Grundschule stellen Schüler immer häufiger bestimmte historische Ereignisse infrage - zum Beispiel wenn es um die Militärjunta zwischen 1967 und 1973 geht. "

Chryssi Avgi - Anführer sind bekennende Anhänger der Militärjunta - und fühlen sich auch sonst dem griechischen Militär besonders verbunden.

Da scheint der militärische Befehl nach drei Stunden Indoktrination fast schon normal. Alle stehen auf. Auch die 13-jährige Petrina und ihr Bruder. Es ist Zeit für die Nationalhymne. So enden alle Veranstaltungen von Chrysi Avgi, auch der Geschichtsunterricht.

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