Campus & Karriere / Archiv /

 

Rechtslastige Studenten an deutschen Unis auf dem Vormarsch

Studie der Uni Konstanz: 13 bis 15 Prozent dulden oder unterstützen rechtes Gedankengut

An Deutschlands Unis gibt es immer mehr Studenten mit nationalistischen und fremdenfeindlichen Ansichten. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie an der Universität Konstanz. Federführend ist der Soziologe Tino Bargel vom Fachbereich Soziologie der Uni Konstanz. In regelmäßigen Erhebungen befragen Forscher der Konstanzer AG Hochschulforschung seit 1982 alle zwei bis drei Jahre etwa 8000 Studierende zu ihrer Studiensituation und auch zu ihrer politischen Orientierung. Im Vergleich zu der Zeit zwischen 1992 und 1995 fand man jetzt für die Jahre 1995 bis 1998 eine deutliche Zunahme bezüglich der Unterstützung nationalkonservativen Gedankenguts und der Zustimmung zu fremdenfeindlichen Äußerungen. "Bei einer Gruppe von Studierenden, die man natürlich wieder differenzieren muss, gibt es einige, die sich sowohl in ihrer Grundrichtung wie auch in einzelnen Indikatoren deutlich als Anhänger nationalkonservativer Grundrichtungen zeigen", berichtet Tino Bargel im Deutschlandfunk. Es gebe neben einem Kreis von Sympathisanten aber auch einen zunehmend größeren Kreis von "neutralen Duldern", so Bargel: "Im Augenblick, wenn man 1998 als einigermaßen aktuell annimmt, sind es etwa zwei bis drei Prozent, die deutliche Anhänger sind und in starkem Maße dafür eintreten, dass Ausländer nicht in Deutschland sind, die sich gegen die 'kulturelle Überfremdung' einsetzen, wie sie es sehen." Dieser Anteil habe auch Probleme mit den demokratischen Grundprinzipien der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit und insbesondere mit dem Verzicht auf Gewaltanwendung. Er baue zudem schneller Feindbilder auf und habe eine gewisse anti-europäische Haltung, erklärt Bargel: "Der Kreis der Sympathisanten liegt bei rund drei bis vier Prozent, der Kreis der Dulder bei sechs bis acht Prozent." Anfällig oder duldsam gegenüber rechtem Gedankengut sind heute somit 13 bis 15 Prozent, während es vorher höchstens 10 Prozent waren. Diese Zahlen sind Gesamtwerte für ganz Deutschland und werden statistisch vor allem durch die westdeutschen Hochschulen geprägt. Bargel betont daher: "Beachtenswert sind Bündelungen oder Schwerpunkte in einzelnen Regionen und Fächern."

Auf keinen Fall will Bargel jedoch die Ergebnisse als einen Rechtsruck innerhalb der deutschen Studentenschaft interpretieren. Die weit überwiegende Mehrzahl der Studierenden seien sattelfeste Demokraten. Gleichzeitig geht aber der Widerstand gegen Rechts zurück. Das hänge mit der gesamten Entwicklung der politischen Orientierung zusammen, so Bargel, die durch drei Phänomene gekennzeichnet ist: "Einerseits ein abnehmendes Engagement, sozusagen eine sich verbreiternde Gleichgültigkeit. Dann deutlich mehr Orientierung am eigenen Vorteil, an Konkurrenz, am Wettbewerb und damit verbunden auch weniger Solidarität mit Personen, die in problematischen Situationen sind."

Related Links

Tino Bargel ist an der Universität Konstanz Mitglied der AG Hochschulforschung, die seit 1982 den "Studierendensurvey" durchführt, eine Langzeitstudie über Studienorganisation und studentische Orientierung.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Campus & Karriere

Lehrer, Coach, FamilienersatzEin "Werkstattgespräch" mit betrieblichen Ausbildern

Ein Meister  (links) erklärt einem "Azubi" das Feilen an einem Metallteil.   (dpa / picture alliance / Patrick Seeger)

Deutsche Unternehmen bilden so wenig Nachwuchs aus wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das hat kürzlich erst der Berufsbildungsbericht bestätigt. Inzwischen finden viele Betriebe keine geeigneten Bewerber mehr, oder die Ausbildung ist ihnen zu anstrengend geworden. Viele Kleinbetriebe ziehen sich resigniert aus der Ausbildung zurück.

Anforderungen an Ausbilder Zwischen Chef und persönlichem Lebensberater

Vorschlag EinheitsabiturEin Vorstoß aus dem Osten

Ein Laken mit der Aufschrift "Allen Abiturienten viel Glück" (picture alliance / dpa / Christine Koenig)

In Sachsen beginnen die Abiturprüfungen. Im Nachbarland Thüringen finden sie erst ein paar Tage später statt. Ein buntes Wirrwarr, wie so oft in der Schulpolitik. Da hört sich ein Vorschlag von verschiedenen Industrie- und Handelskammern so einfach an. Alle Schüler in Deutschland sollen das gleiche Abitur machen. In der Berufsausbildung funktioniere das ja auch.