Samstag, 21.04.2018
 
Seit 11:05 Uhr Gesichter Europas
StartseiteDlf-MagazinWas deutsche und polnische Neonazis eint12.04.2018

Rechtsrock-Festival in SachsenWas deutsche und polnische Neonazis eint

Zum Rechtsrock-Festival im sächsischen Ostritz werden auch polnische Neonazis erwartet. In der rechten Szene gebe es gute Kontakte zwischen Deutschland und Polen, sagte Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen im Dlf. Ihr gemeinsamer Feind: der Islam und die Zuwanderer.

Danilo Starosta im Gespräch mit Johanna Herzing

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Glatzköpfiger Besucher eines Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar trägt eine Bomberjacke mit "Deutschland-"Aufdruck  (Imago)
Unter dem Motto "Rock gegen Überfremdung" zog im vergangenen Sommer ein Rechtsrock-Konzert Tausende ins thüringische Themar. Jetzt planen Neonazis aus Polen und Deutschland ein Festival in Sachsen (Imago)
Mehr zum Thema

Rechtes Rockfestival in Thüringen Der schwierige Umgang mit "Hass und Kommerz"

Thüringen rechtsaußen Neonazis erobern ein Dorf

Rechtsrockkonzerte Musikfestivals locken Neonazis nach Thüringen

Thüringen Hochburg der Rechtsrock-Szene

Vom Rechtsrock zum Mainstream? "Die Böhsen Onkelz sind keine rechte Band mehr"

Das sogenannte Schild-und-Schwert-Festival soll am 20. April, dem Geburtstag von Adolf Hitler, in Ostritz in Sachsen beginnen. Anreisen werden dabei wohl auch etliche Rechtsextreme aus dem Nachbarland Polen. Das könnte man befremdlich finden, fordern doch deutsche Neonazis regelmäßig ein Deutschland in den Grenzen vor 1938. Doch insbesondere die sehr aktive polnische Division der in Deutschland verbotenen Neonazi-Gruppierung "Blood and Honour" habe "keine Berührungsängste mit deutschen Nazis", sagte Starosta.

Polnische und deutsche Nationalisten hätten einen gemeinsamen Feind identifiziert: den Islam und die vermeintliche Bedrohung Europas durch islamische Einwanderung. Ziel der Blood-and-Honour-Bewegung sei die Existenzsicherung der weißen Rasse und der Kampf für eine angebliche arische Kulturtradition. 

Grenzüberschreitendes Musikgeschäft

Darüber hinaus gehe es auch immer um subkulturelle Elemente, um einen bestimmten Lifestyle, der sich auch in der gemeinsamen Vorliebe für Musik mit nationalistischen, rassistisch-hetzerischen Inhalten ausdrücke. Hier seien auch die wirtschaftlichen Interessen deutscher Rechtsrock-Labels wie Opos Records von Bedeutung, erklärte Starosta: In Polen könne man Musik häufig einfacher und schneller produzieren als in Deutschland. "Man kann sozusagen ungefragt Studios nutzen, während das in Deutschland für die Opos-Betreiber unter Umständen gar nicht mehr so einfach ist."

Als Gegenveranstaltung zu den Rechtsrock-Konzerten haben Bürgermeister aus der Region zu einem Friedensfest aufgerufen, an dem auch das Kulturbüro Sachsen teilnehmen wird. "Es ist eine Frage des Anstands und demokratischer Gegenwehr, so ein Festival nicht unwidersprochen zuzulassen", betonte Starosta.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk