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StartseiteVerbrauchertippWenn die Versicherung nicht zahlen will14.03.2016

RechtsschutzWenn die Versicherung nicht zahlen will

"Einfach gut versichert" – so werben Versicherer um neue Kunden. Im Schadensfall zahlen sie aber nicht immer: Rund 18.000 Beschwerden gehen jedes Jahr beim Versicherungsombudsmann ein, dem zuständigen Schlichter. Wie wehren sich Verbraucher richtig – und wann sollten sie Verbände, Ombudsmann oder einen Anwalt einschalten?

Von Silke Offergeld

Ein 500-Euro-Geldschein. (dpa/picture-alliance/Hans-Jürgen Wiedl)
Im Schadensfall kommt es häufig zum Streit zwischen Versicherten und Versicherungen (dpa/picture-alliance/Hans-Jürgen Wiedl)
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"Ja, das ist so: Die Leute kommen zu mir und sagen, ich bin da seit 30 Jahren versichert, jetzt hab ich einmal einen Schadensfall, jetzt zahlt der Versicherer nicht – damit beginnt jedes zweite Beratungsgespräch. Und da muss man einfach sagen: Kulanz ist nicht versichert…"

Susanne Punsmann berät als Rechtsanwältin für die Verbraucherzentrale Menschen, die Ärger mit ihrer Versicherung haben. Ihr wichtigster Tipp: In der Police prüfen, was genau versichert ist. Denn: Der Kunde muss beweisen, dass tatsächlich ein Versicherungsfall eingetreten ist, sagt Günter Hirsch, der als Ombudsmann zwischen Verbrauchern und Versicherungen vermittelt:

"Das ist eine allgemeine zivilprozessuale Regel: wer etwas von einem anderen haben will, muss die Voraussetzungen beweisen, dass der andere ihm das geben muss."

Und dabei ist Akribie gefragt,  sagt Susanne Punsmann:

"Einer der Fehler, die Verbraucher häufig machen, ist die eher schlampige Bearbeitung der Unterlagen – sie meinen halt, weil sie dort versichert sind muss der Versicherer auf jeden Fall bezahlen und reichen dann die erforderlichen Unterlagen nicht ein…"

Das sollten sie aber – am besten per Einschreiben. Wenn die Versicherung stur bleibt, gibt es Unterstützung am günstigsten bei den Verbraucherzentralen: Eine halbe Stunde Beratung kostet 40 Euro, ein Schreiben vom Anwalt noch einmal das Gleiche.

Die Kosten für einen freien Anwalt richten sich nach dem Wert, um den gestritten wird. Bei bis zu 5000 Euro sind es etwa 500 Euro für Beratung und Korrespondenz, ist der Fall schwierig oder geht vor Gericht, wird es teurer. Ein unabhängiger Versicherungsberater nimmt zwischen 100 und 180 Euro pro Stunde.

Kostenlos berät der Bund der Versicherten – allerdings nur Mitglieder. Sie zahlen regulär 60 Euro im Jahr. Völlig kostenlos prüft Versicherungsombudsmann Günter Hirsch die Rechtslage. Er kann per Online-Formular beauftragt werden – und bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro die Unternehmen zur Leistung zwingen. Seine Mission lautet aber: Schlichten statt Streiten.

"Es gibt häufig Zweifelsfragen, die ich mit meinen Möglichkeiten nicht klären kann, und in diesen Fällen ist eigentlich der Bereich eröffnet, in dem ich versuche, gütlich zu schlichten."

Hirsch kann zum Beispiel keine Zeugen hören. Er sucht deshalb in vertrackten Fällen nach einem Kompromiss. So bekommen Verbraucher wenigstens etwas – ohne das finanzielle Risiko eines Gerichtsverfahrens:

"Das ist die typische Konstellation, dass jeder sagt: was weiß ich, wie ein Verfahren vor Gericht ausgeht, da ist mir der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach."

Als Kunde muss man das Ergebnis des Schlichtungsverfahrens nicht akzeptieren – man kann immer noch klagen. Die Gerichte orientieren sich aber oft am Ombudsmann – und kommt es vor Gericht doch zu einem Vergleich, werden die Kosten des Verfahrens aufgeteilt, warnt Anwältin Susanne Punsmann:

"Da muss man sich halt vorher überlegen oder abwägen, ab wann macht es überhaupt Sinn, zu klagen und wann ist denn doch das Kostenrisiko höher als das, was unterm Strich rauskommen kann."

Immerhin: Eine Rechtsschutzversicherung muss auch gegen andere Versicherungen eintreten. Und noch eine gute Nachricht: Für den Streit mit der Versicherung bleibt Zeit. Es gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren:

"Das heißt, wenn ein Schadensfall jetzt Anfang 2016 eintritt und der Versicherer lehnt im März 2016 ab, dann beginnt die dreijährige Verjährungsfrist zum Jahresende und endet dann am 31. Dezember 2019."

Wichtig ist allerdings:  Die erste Schadensmeldung muss in der Regel so zügig wie möglich erfolgen. Sonst wird der Streit schwierig.

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