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StartseiteCampus & KarriereWahlfreiheit und Nachwuchssorgen16.01.2016

Reform der PflegeausbildungWahlfreiheit und Nachwuchssorgen

Zwischen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger wird in der Ausbildung jetzt nicht mehr unterschieden. Nachdem die Bundesregierung die Reform der Pflegeausbildung beschlossen hat, jubeln nicht alle in der Branche.

Von Axel Schröder

Eine Krankenschwester im Flur des Klinikums Carl Gustav Carus in Dresden neben einem Patienten im Rollstuhl. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Die Ausbildung der Pflegeberufe soll reformiert werden. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
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Ganze Schulklassen sind gekommen, um sich schlau zu machen über die Berufschancen, die ihnen Alten- und Pflegeheime oder Krankenhäuser bieten. Die Schülerinnen und Schüler decken sich ein mit Broschüren, fragen nach bei den Experten an den Ständen der Hamburger "Let's Care"-Messe. Das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband, Krankenhaus- und Altenheimbetreiber informieren über ihre Stellenangebote. Denn die meisten noch jugendlichen Besucher haben bisher nur vage Vorstellungen davon, was sie in einem Pflegeberuf erwarten könnte, was sie daran begeistert.

"Was mich am meisten daran fasziniert ist, dass es ein sinngebender Beruf ist! Dass ich das Gefühl habe, dass ich, wenn ich arbeite, etwas sinnvolles tue."

"Menschen zu helfen, damit nicht so auf sich allein gestellt sind. Und wenn, dann Kinderkrankenpflege!"

Meinungen gehen weit auseinander

Was die gerade vom Kabinett beschlossene Reform der Pflegeausbildung bringen wird, darüber machen sich die zukünftigen Pflegekräfte noch keine Gedanken; kaum jemand unter ihnen hat davon überhaupt schon etwas gehört. Anders die Aussteller: Sie sind informiert über die Pläne, die Ausbildungen von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegern zusammenzufassen. Und die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Angelika Christ, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband zuständig für Altenhilfe und Pflege, sieht durchaus Vorteile durch die Zusammenfassung der drei Ausbildungsgänge:

"Die Vorteile sind einmal die Anschlussfähigkeit an das europäische Niveau, die wir bisher nicht haben. Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass ein einheitliches Pflegeverständnis entwickelt wird. Und dass die Pflegekräfte natürlich mehr Auswahlmöglichkeiten haben im Beruf, weil sie für alle Bereiche ausgebildet sind und nicht für bestimmte Lebensalter.

Grundlegende Unterschiede

Aber gerade diese Generalisierung, kritisieren andere, führe zu einer Verflachung der Ausbildung, wichtiges Spezialwissen müsse danach durch Zusatzausbildungen vermittelt werden. Das Argument: Wer in der dreijährigen Ausbildung für alle drei Einsatzgebiete - für die Alten-, die Kranken- und die Kinderkrankenpflege - ausgebildet werde, der könne einzelne Bereiche weniger vertiefen.

Diaz Lidicke, Direktor der Senioreneinrichtung "Alster-Domizil", erklärt die grundlegenden Unterschiede zwischen einzelnen Fachrichtungen: "Der Schwerpunkt in der Krankenpflegerausbildung geht auf die Heilung und auf die Therapiemöglichkeiten und hat eben nicht den Schwerpunkt des selbstbestimmten Lebens. Und dafür zu sorgen, dass einem Menschen nicht nur körperlich gut geht, sondern dass er auch eine Form von Zufriedenheit findet."

Probleme für unpopuläre Pflegebereiche

Und zum anderen, befürchtet der Altenheim-Direktor, könnte es nach der Reform für seine Branche noch schwieriger werden, den dringend benötigten Nachwuchs zu rekrutieren: "Es gibt ja sehr populäre Pflegebereiche, die einen guten Ruf genießen und dann gibt es eben nicht ganz so populäre Bereiche. Und ich denke, dass die Bereiche Psychiatrie, Geronto-Psychiatrie, Altenhilfe dann wahrscheinlich nicht so gut bedient werden."

Dass sich durch die Reform gerade die Altenpflege verstärkt um Nachwuchs kümmern muss, glaubt auch Angelika Christ vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Bisher werden Altenpfleger zum Teil schlechter bezahlt als Krankenpflegekräfte. Und das wird die Ausbildung nicht lösen. Da muss man als Träger von Altenpflegeeinrichtungen dran arbeiten." Und am Ende müssten dann die Löhne in allen drei Bereichen angeglichen werden.

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