Interview / Archiv /

 

Regensburger Bischof: Priesterweihen der Pius-Brüder sind illegal

Bischof Müller sieht Pius-Bruderschaft außerhalb der katholischen Kirche

Gerhard Ludwig Müller im Gespräch mit Jürgen Zurheide

Die Priesterweihen der Pius-Brüder seien illegal, erklärte Bischof Müller.
Die Priesterweihen der Pius-Brüder seien illegal, erklärte Bischof Müller. (AP)

Die umstrittene Pius-Bruderschaft will im bayerischen Zaitzkofen trotz eines Verbots des Vatikans drei Priester weihen. Der zuständige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nannte das Vorhaben "illegal". Er hätte als zuständiger Kirchenvertreter gefragt werden müssen. Die Pius-Brüder stellten sich damit gegen die Autorität des Papstes und demonstrierten so, dass sie nicht zur katholischen Kirche gehören.

Jürgen Zurheide: Im bayerischen Zaitzkofen wird es heute richtig Ärger geben: Die Pius-Bruderschaft wird dort einige Priester weihen und das ist illegal, zumindest sagt das die katholische Kirche und darüber wird es heftigen Streit geben. (…) Notstand in der katholischen Kirche - kann man das wirklich so formulieren? Wir wollen reden mit Gerhard Ludwig Müller, dem Bischof von Regensburg, dem zuständigen Bischof. Einen schönen guten Morgen!

Gerhard Ludwig Müller: Guten Morgen und grüß Gott!

Zurheide: Zunächst einmal: Gehen Sie davon aus, dass diese Weihe heute stattfinden wird?

Müller: Ja, es ist ja angekündigt worden mit großem Geräusch und ich nehme auch an, dass sie dann stattfinden wird.

Zurheide: Was heißt das für Sie? Sie haben sich außerordentlich kritisch geäußert, Sie hätten es gerne verhindern wollen, aber Sie können es nicht, warum?

Müller: Ja, ich bin eben der zuständige Ratsbischof, und wenn man die Verfassung der katholischen Kirche anerkennt, dann muss man auch anerkennen, dass eben der Bischof von Regensburg hier für Zaitzkofen zuständig ist, und ich bin nicht gefragt worden, weder von dem weihenden Bischof noch von den Weihekandidaten, und das sieht ja das Kirchenrecht eben vor, dass kein Bischof außerhalb seiner eigenen Diözese, und das sind illegitime Bischöfe, eine Weihe vornehmen kann, ohne die Erlaubnis zu haben vom Ortsbischof und auch die Weihekandidaten haben nicht von ihrem Heimatbischof ein sogenanntes Weiheentlassschreiben vorliegen. Und mit mir ist in dieser Hinsicht auch in keiner Weise Kontakt aufgenommen worden.

Und deshalb sind diese Weihen, wie auch in Rom das erklärt worden ist, eben illegal und unerlaubt, wenn man dort auch vielleicht irgendwie so spitzfindig konstruiert, dass unerlaubt nicht verboten sei. Aber das kann man, glaube ich, nicht durchgehen lassen.

Zurheide: Jetzt können Sie als Bischof das sagen, was Sie uns gerade hier heute Morgen erklären. Haben Sie andere Möglichkeiten einzugreifen, irgendetwas zu tun, oder müssen Sie mehr oder weniger tatenlos zusehen, was da heute passieren wird?

Müller: Ja, die Kirche ist eine Gemeinschaft, die auf der Freiwilligkeit ihrer Mitglieder aufbaut. Und wir haben ja nicht wie im Staat eben die Möglichkeit, sozusagen mit Polizeigewalt oder mit richterlicher Gewalt unsere Vorstellungen durchzusetzen. Wenn man eben vonseiten dieser sogenannten Pius-Bruderschaft, Priester-Bruderschaft, Pius der Zehnte genannt, man sich eben weigert, bringt man eben zum Ausdruck, dass man dann eben nicht zur katholischen Kirche gehört, wenn man sich der Autorität des Papstes und der Autorität des zuständigen Ortsbischofs widersetzt. Insofern habe ich eben die Möglichkeit, aber eben auch die Pflicht, zu erklären, dass dieses Handeln kirchenschädlich ist und der Kirche zuwider läuft und dass sie betreffenden Leute damit zum Ausdruck bringen, dass sie eben nicht so, wie es sein muss, wirklich katholisch sind und zur katholischen Kirche zugehörig fühlen dürfen.

Zurheide: Sie haben das jetzt klar erklärt, die katholische Bischofkonferenz hat es ähnlich erklärt. Erzbischof Zollitsch hat sich so ähnlich geäußert wie Sie, von einer Provokation gesprochen. Wenn Sie in Deutschland kaum Möglichkeiten, darüber hinaus etwas zu tun, was erwarten Sie von Rom? Denn die Pius-Bruderschaft hat ja so ganz interessante Erklärungen und meint, in Rom gäbe es Verständnis für diese Weihen. Haben Sie so ein Verständnis in Rom bisher erkennen können?

Müller: Ich hab bisher keins erkennen können. Man beruft sich ja bei der Pius-Bruderschaft immer auf eine Art geheimes Einverständnis, sogar des Papstes selber oder irgendwelcher Stellen und Personen in Rom, deren Namen aber eben nie genannt werden, und glaube, dass es auch schon ein bezeichnendes Licht wirft auf die Einstellung dieser Gruppierung, dass man sozusagen irgendwie ein geheimes Einverständnis signalisiert und einfach das nicht zur Kenntnis nehmen will, dass eben der Pressesaal in Rom des Heiligen Stuhls ganz klar erklärt hat, dass diese Weihen illegitim sind. Und daran muss man sich eben halten, wenn man katholisch sein will.

Die Pius-Bruderschaft hat ja, damit es überhaupt zur Aufhebung der Exkommunikation kommen konnte, dem Papst gegenüber erklärt, dass man sich voll und ganz der Autorität des Papstes unterstellt, und da muss man sich eben auch der Autorität des Papstes unterstellen, wo das nicht in das eigene Konzept hineinpasst. Das ist ja eben dann die Nagelprobe darauf, ob man das wirklich ernst meint oder ob man seine eigenen Vorstellungen meint durchsetzen zu können, die Aufhebung der Exkommunikation, also ein Zeichen der Schwäche, vonseiten des Papstes interpretiert, ich glaube, dass das moralisch nicht gerechtfertigt ist, dieses Weiter-Entgegenkommen des Papstes, in dieser Weise für die eigenen Fehler auszunutzen.

Ich hätte eigentlich erwartet, dass man wirklich dort etwas demütig und beschämt sagt, wenn der Papst schon so großzügig ist, da wollen wir uns doch wenigstens auf den Boden der katholischen Kirchenverfassung stellen und eben dann diese Weihen verschieben, bis das Verhältnis dieser Pius-Bruderschaft zur katholischen Kirche geklärt ist.

Zurheide: Jetzt haben Sie genau angesprochen, was im Moment passiert. Der Papst hat diese Geste gemacht, sie ist ja auch heftig kritisiert worden von anderer Seite. Die Pius-Bruderschaft interpretiert es so, wie Sie es gerade zutreffend geschildert haben. Müsste dann nicht jetzt auch eine Reaktion aus Rom kommen, eben möglicherweise auch vom Papst persönlich, um das ganz klarzustellen, oder wer in Rom sollte reagieren? Denn Sie haben gesagt, wir als deutsche Bischöfe können nicht mehr tun als protestieren oder zu sagen, dass wir das nicht wollen, und das haben wir getan.

Müller: Ja, gut, in Rom ist eigentlich das gesagt worden, was zu sagen ist von römischer Warte aus. Aber hier habe ich eben nämlich die Verantwortung, und da muss ich eben als Ortsbischof reagieren, und zwar gemäß den Prinzipien der katholischen Lehre. Und die katholische Kirche besteht in und aus den Ortskirchen, und die katholische Kirche vor Ort, das ist eben die Ortskirche von Regensburg, deren Bischof ich bin, und deshalb können die Pius-Brüder sich nicht irgendwie auf irgendwelche anonymen Stellen und Äußerungen im Vatikan berufen und sagen, ja, in Rom, da finden wir Einverständnis oder so Signale, dass es dann doch nicht so schlimm gewertet wird.

Nur vor Ort haben wir die Schwierigkeiten, hier vor Ort ist eben der Bischof der Vertreter der katholischen Kirche. Und diese Pius-Brüder haben mir gegenüber ja erklärt, dass sie auch in Zaitzkofen, also im Bereich des Bistums Regensburg, in der Eucharistiefeier beten in Gemeinschaft mit Papst Benedikt und dem Bischof Gerhard Ludwig. Dann frage ich mich, wenn man das im Gebet dann richtig sagt, wie kann man dann in der Praxis sich anders und sogar gegenteilig verhalten? Wie beurteilt man so etwas, wenn das Sprechen und das Bekennen und das Handeln meilenweit auseinandergehen. Ich weiß nicht, ob dann die theologischen Kategorien alleine ausreichen, um so etwas wie Zwiespalt und Diskrepanz in Worte zu fassen.

Zurheide: Jetzt haben Sie schon angesprochen, es gab eine Exkommunikation. Angesichts dieses Verhaltens müsste man nicht drüber nachdenken und sagen: Ja, also wir haben die Hand gereicht, ihr habt die Hand ausgeschlagen, also kehren wir zurück zum alten Status, ihr werdet exkommuniziert? Die Kirche tut das in anderen Fällen und das wird ja manchmal auch verglichen.

Müller: Ja, das ist halt nicht ganz so einfach, weil im Kirchenrecht eben als Tatstrafe für die Weihe eines Bischofs, unerlaubte Weihe eines Bischofs steht, ist die Strafe der Exkommunikation festgesetzt. Bei der unerlaubten Weihe von Priestern ist die Suspension als Strafe festgesetzt. Diese Strafe besteht ja jetzt schon aufgrund der vorangegangenen Weisen des Fehlverhaltens. Und wenn das jetzt eben noch dazukommt, kann die Kirche jetzt nicht noch mal eine andere Strafe verhängen. Also wenn natürlich die Pius-Brüder zu einer unerlaubten Bischofsweihe schreiten würden, würde ja automatisch dann wieder die Exkommunikation in Kraft treten.

Aber es muss irgendwie einen Einfluss haben jetzt auf die angesagten Gespräche. Ich glaube, dass muss den Pius-Brüdern schon in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass sie hier ihre Kompetenzen überschritten haben und dass diese Argumentation, die sie ja dann vorbringen - sie befänden sich in einem Notstand und deshalb käme es in erster Linie darauf an, durch die Priesterweihen ihre eigene Gemeinschaft zu erhalten und weiterleben zu lassen -, das ist ja doch auch eine Argumentation, die jedem, der bisschen was von katholischer Theologie versteht, in keinster Weile einleuchten kann. Denn die Priesterweihe ist ja von Christus eingesetzt, damit die Kirche dann ihre Diener hat und nicht, dass einzeln abgespaltene Gemeinschaften sich dadurch erhalten können.

Und da fehlt einfach die Dimension der Kirchlichkeit des Denkens, auf die man sich sonst so beruft, und sieht es als den großen Hüter der katholischen Tradition, handelt aber dagegen. Und wenn man dann meint, man müsste die Kirche reformieren von der Seite der Pius-Bruderschaft, da glaube ich, dass durch ein solches gegenläufiges Verhalten man nicht ein gutes Beispiel gibt für die Kirchlichkeit des Denkens und Verhaltens der Mitglieder der katholischen Kirche.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Interview

Luftangriffe in Syrien"Wirklicher Erfolg in der Bekämpfung des islamistischen Terrors"

Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs spricht am 19.12.2013 in Berlin bei der 6. Sitzung des Bundestags in der 18. Legislaturperiode

Die Amerikaner hätten überhaupt keine andere Wahl gehabt, als ihre Luftangriffe gegen die Terrormiliz IS auszuweiten, sagte der Türkei-Experte Johannes Kahrs (SPD) im Deutschlandfunk. Die Beteiligung mehrerer arabischer Partner an dem Einsatz sei ein großer Erfolg in der Bekämpfung gewesen.

Tag der deutschen Industrie"Wir müssen mehr investieren"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD/2.v.l.) und BDI-Präsident Ulrich Grillo (l).

Der BDI hat von der Bundesregierung eine Innovations- und Wachstums-Initiative verlangt. Vor allem die Infrastruktur müsse ausgebaut werden, sagte Verbandspräsident Grillo im DLF. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation Frankreichs sagte er, die Regierung müsse ihre angekündigten Maßnahmen nun auch konsequent umsetzen.

UNO-Klimakonferenz"Dieser Gipfel wird Erfolge haben"

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth sitzt am 27.09.2013 bei der Vorstellung des 5. Weltklimaberichtes des Weltklimarates (IPCC) in der Bundespressekonferenz in Berlin.

Deutschland will eine klimapolitische Vorreiterrolle in Europa einnehmen. "Wir können es auch als starker Industriestaat", sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth vor dem Klimagipfel in New York im DLF. Vor allem osteuropäische Staaten müssten aber noch überzeugt werden.

 

Interview der Woche

Bayerns Finanzminister Söder"Der Länderfinanzausgleich belohnt das Nichtstun"

Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU), aufgenommen am 05.12.2013 auf einer Pressekonferenz in München.

Ähnlich wie für Griechenland in der Eurokrise müsse es für schwache Bundesländer in Deutschland Anreize und Druck geben, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen und Strukturreformen anzustoßen, forderte Bayerns Finanzminister Markus Söder im Interview der Woche des DLF. Das bisherige System schädige starke wie schwache Länder.

McAllister über Schottland-Referendum"Das ist eine sehr emotionale Debatte"

David McAllister, CDU-Abgeordneter im Europäischen Parlament

Der CDU-Europaabgeordnete David McAllister ist Sohn eines schottischen Vaters. Das bevorstehende Unabhängigkeitsreferendum habe in der schottischen Gesellschaft zu tiefen Rissen geführt, sagte McAllister im DLF. Nach der Abstimmung sei es enorm wichtig, wieder Brücken zwischen den Lagern zu bauen.

EZB"Die niedrigen Zinsen sind gerechtfertigt"

Sabine Lautenschläger, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank.

Der Leitzins in der Eurozone ist auf einem neuen Rekordtief - und das zurecht, meint Sabine Lautenschläger im Interview der Woche im Deutschlandfunk. Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank verwies auf die langfristige Verantwortung der EZB. Die Bank wolle keine Sparer ärgern, sondern die Wirtschaft ankurbeln.