Europa heute / Archiv /

Reich und schön

In Griechenland boomt das Geschäft mit Schönheits-OPs

Von Rodothea Seralidou

Die Preise für Schönheits-OPs sind in Griechenland durch die Krise enorm gesunken.
Die Preise für Schönheits-OPs sind in Griechenland durch die Krise enorm gesunken. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Das griechische Gesundheitssystem leidet unter harten Sparmaßnahmen: Von einst 25 Milliarden Euro jährlich ist das Budget auf 15 Milliarden Euro geschrumpft. Doch während das öffentliche System kränkelt, boomt ein privater Zweig der Medizin: die Schönheits-Chirurgie.

Auf den Fluren des Krankenhauses Evangelismos, eines der größten und ältesten Krankenhäuser Athens, drängen sich die Patienten. Es sind vor allem ältere Menschen und Arbeitslose, die in dieses Krankenhaus kommen. Obwohl alle einen Termin haben, müssen sie stundenlang warten, bis sie an der Reihe sind. Jeder Patient muss eine Gebühr von fünf Euro bezahlen, dann kann die Untersuchung beginnen. Die 73-jährige Anastasia Karatsiovi muss immer noch warten:

"Das ist eine Odyssee, die wir hier durchmachen! Niemanden interessiert das! Ich bekomme 350 Euro Rente und so wie mir geht es immer mehr Menschen. Und was passiert? Es gibt immer weniger Ärzte und Krankenschwestern, es fehlen medizinische Geräte. Ich weiß nicht, wohin das Ganze führen wird!"

Das fragt sich auch der Arzt Ilias Sioras. Der Chef der kardiologischen Abteilung des Krankenhauses arbeitet schon seit über 30 Jahren in öffentlichen Krankenhäusern. So schlimm wie jetzt war es noch nie, sagt er:

"Viele Krankenhäuser haben keinen Vorrat an medizinischem Material wie Verbände, Spritzen oder Reagenzien für die Laboruntersuchungen. Es gibt Abteilungen, die haben 60 Patienten und nur zwei Krankenschwestern! Das kann man nicht schaffen! Viele Kollegen stehen vor einem Burn-out! Ich bin mir sicher, dass wir damit auch das Leben von Patienten gefährden!"

Ganz anders die Atmosphäre in dieser Schönheitsklinik im reichen Athener Süden. Probleme, mit denen das Krankenhaus Evangelismos zu kämpfen hat, sind hier unbekannt. Das Geschäft mit der Schönheit läuft gut, sagt der Leiter der Klinik, Athanassios Athanassiou - trotz oder gerade wegen der Krise:

"Gerade jetzt, in diesen Zeiten, wo die Menschen mit negativen Nachrichten bombardiert werden, brauchen sie etwas, damit sie sich besser fühlen! Deshalb haben die Schönheitsoperationen in letzter Zeit auch so zugenommen. Zu mir kommen besonders viele Frauen, die sich die Brust machen lassen und die Männer lassen sich vor allem die Nase richten."

Eine aktuelle Studie der Internationalen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie bestätigt diesen Trend. Demnach sollen in Griechenland allein im Jahre 2011, als die Krise schon längst ausgebrochen war, mehr als 140.000 Schönheitseingriffe durchgeführt worden sein! Wenn man diese Zahl auf die Einwohnerzahl Griechenlands überträgt, kommt das Land im internationalen Vergleich auf sage und schreibe Platz 2 direkt nach Südkorea! Wer noch Geld hat und eitel genug ist, sieht gerade jetzt die Chance, dem Traum von einem perfekten Aussehen ein bisschen näher zu kommen, erklärt Doktor Athanassiou:

"Die Preise sind durch die Krise enorm gesunken, ich würde sagen im Durchschnitt rund 30 bis 40 Prozent. Viele können sich also jetzt einen Eingriff leisten, der für sie früher unerschwinglich war. Eine Brust-Vergrößerung kostet mittlerweile rund 3.000 Euro, also die Hälfte dessen, was sie vor der Krise kostete - und eine Haarentfernung mit Laser ist pro Sitzung oft sogar billiger als eine Behandlung mit Wachs bei der Kosmetikerin."

Kardiologe Ilias Sioras vom Krankenhaus Evangelismos kann das nicht fassen . Er schüttelt den Kopf:

"Das ist so widersprüchlich! Einerseits die vielen kranken Menschen, die dringend einen Arzt brauchen und sich keinen leisten können und anderseits das! Diese Studie macht vor allem eins deutlich: Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird!"



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Europa heute

ZypernKeine Vereinigung in Sicht

Blick auf die Flagge Zyperns

Vor zehn Jahren scheiterte die Volksabstimmung zur Vereinigung der Insel Zypern. Die griechischen Zyprer EU-Bürger erhielten alle Rechte; die türkischen Zyprer blieben außen vor. Bis heute fühlen diese sich ungerecht behandelt. Kein guter Ausgangspunkt für erneute Verhandlungen.

KatalonienDie Konfrontation setzt sich fort

Ein Felsen im Meer vor der Küste Kataloniens, auf der eine katalanische Flagge im Wind weht. 

Spaniens Verfassung verbrieft zwar das Recht der Regionen auf Autonomie, spricht aber auch von einem unteilbaren Spanien. Das spanische Parlament hat deshalb Anfang April ein katalanisches Unabhängigkeitsreferendum abgelehnt. Doch Kataloniens Regierungschef Artur Mas beharrt auf dem Vorhaben.

GeorgienWunsch nach Assoziierungsabkommen

Die georgische Landesfahne (r) und die Fahne der EU, fotografiert am 24.04.2014 im Außenministerium in Tiflis in der Republik Georgien.

Georgien strebt eine Annäherung an die EU und die Aufnahme in die NATO an. Doch die Krise in der Ukraine schürt allerdings auch viele Ängste, denn russische Truppen sind bereits in den abtrünnigen Republiken Südossetien und Abchasien präsent. Doch der Wille zur Westintegration ist weit verbreitet.