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StartseiteForschung aktuellDie gefürchtete Lumpy Skin Disease 14.12.2017

Reihe: Von Viren und TierenDie gefürchtete Lumpy Skin Disease

Viele Tierkrankheiten haben sich in den letzten Jahren auf den Weg nach Europa gemacht. Durch die Globalisierung und den internationalen Handel stehen Krankheiten plötzlich in unserem Hinterhof, die früher nicht in Europa auftauchten. Ein Beispiel dafür ist die Lumpy Skin Disease. 2015 gab es die ersten Fälle in Griechenland.

Von Sophia Wagner

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Auf den Sundischen Wiesen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bei Zingst (Mecklenburg-Vorpommern) stehen Färsen am 06.09.2013 am Barther Bodden. Der Biobetrieb Gut Darß bewirtschaftet 4.500 Hektar Grünland, davon über 2.000 Hektar Nationalparkfläche mit rund 4.300 Rindern, aber auch mit Wasserbüffeln und Schafen. (dpa / Bernd Wüstneck)
Nach der Lebendimpfung kann Blut geimpften Viehs nicht mehr von kranken unterscheiden werden. (dpa / Bernd Wüstneck)
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"Spätestens seit sie in der Türkei dann auch wirklich endemisch, also in Anführungsstrichen 'sesshaft' geworden ist, war dann auch wirklich klar, dass sie eine Gefährdung für die EU darstellt."

Klaas Dietze reist den Seuchen hinterher. Der Epidemiologe vom Friedrich Löffler Institut bei Greifswald untersucht, wie sich Tierkrankheiten ausbreiten. Letztes Jahr war er zum Beispiel auf dem Balkan. Dort haben Rinderzüchter seit 2015 immer wieder mit Fälle einer neu eingeschleppten Krankheit zu kämpfen: der Lumpy Skin Disease. 

FAKTENBOX Lumpy Skin Disease
Erreger: DNA Virus
Befällt: Rinder
Symptome: grippeähnlich, in schweren Fälle beulenartige Schwellungen auf Haut und Schleimhäuten
Ansteckung: niedrig.
Todesrate: niedrig, oft nur einzelne Tiere
Bekämpfung: Lebendimpfstoff. Isolation und Tötung.
Status: Langsame Ausbreitung aus Afrika über den Nahen Osten und die Türkei. Seit 2015 in Griechenland, Bulgarien, Mazedonien und Serbien.

2013 wurde offiziell bestätigt, dass es Fälle von Lumpy Skin bei Rindern im asiatischen Teil der Türkei gibt. Die Seuche ist gefürchtete. Sie endet zwar nur selten tödlich, aber die Knötchen und Beulen, die sie entstehen lässt, machen die Haut als Leder dauerhaft unbrauchbar. Bevor sie in der Türkei aufgetaucht ist, sah man die Lumpy Skin Disease hauptsächlich als ein afrikanisches Problem. Mit dem Sprung in die Türkei war die Krankheit den EU-Außengrenzen dann aber schlagartig näher gekommen. Um die Krankheit aus dem eigenen Gebiet fern zu halten, hat die EU die Türkei deshalb bei der Seuchenbekämpfung unterstützt.

"Das hat bei der Lumpy Skin Disease ja wie man merkt nicht ganz so optimal geklappt. "

Unbekannte Übertragung

Das liegt auch an Wissenslücken. Man weiß nämlich bisher nicht, wie diese Krankheit überhaupt übertragen wird. Man geht davon aus, dass das Virus von Insekten übertragen wird, vielleicht von Mücken. Es könnte aber auch sein, dass sich die Tiere durch verunreinigtes Futter infizieren. 

"So richtig bewiesen ist das nicht, aber wenn sie in die Literatur schauen, werden sie das immer wieder finden, dass das so ne potentielle Infektionsquelle ist. Aus den Tierversuchen wissen wir, dass der direkte Kontakt zwischen den Tieren nicht der Hauptweg ist. Ist in der Form einfach nicht beschrieben."

So viele offene Fragen machen die Prävention nicht leichter und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Krankheit nach der Türkei auch auf den europäischen Kontinent kam. 2015 gab es die ersten Fälle in Griechenland. 2016 folgten Ausbrüchen in Serbien, Bulgarien und Mazedonien. Um ihre Bestände zu schützen haben die betroffenen Länder flächendeckende Impfungen durchgeführt. 

"Die Impfung ist tatsächlich das, was ganz offensichtlich die wesentliche Komponente bei der Kontrolle dieser Seuche ist."

Das Problem: Es ist eine Lebendimpfung, also eine Impfung mit abgeschwächtem Virus. Sie schützt die Tiere zwar wirksam, man kann das Blut des geimpften Viehs aber nicht mehr von kranken Tieren unterscheiden. Denn auch geimpfte Tiere sind nach der Behandlung mit dem abgeschwächten Virus Träger des Erregers.

"Es ist eben so, dass die Lumpy Skin Disease lange als ein afrikanisches Problem dagestanden hat. Und weil die meisten Veterinärbehörden in Afrika kein Problem damit haben, diesen Lebendimpfstoff einzusetzen, die Afrikaner ja auch sehr gut mit dieser Tierseuche leben können. Und jetzt ist man so ein bisschen in dieser doofen Situation, dass man so denkt: Oh, das afrikanische Setting ist aber grade mit dieser Art von Impfstoff für uns nicht so wünschenswert."

Notschlachten, Quarantäne, Importverbote

Denn die EU hat andere Richtlinien. Wegen des Binnenhandels will man genau wissen, ob Tiere nun infiziert sind, oder nur geimpft. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern greift man deshalb auf die klassischen Mittel zurück: Notschlachten, Quarantäne, Importverbote für Rindfleisch aus den betroffenen Ländern. Durch Handel soll es die Krankheit nicht nach Norden schaffen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht trotzdem kommt.

"Ich sehe die größte Gefahr tatsächlich so, und deswegen haben wir auch tatsächlich noch ein bisschen Zeit wenn es so eintritt, dass sich die Krankheit einfach sukzessive jetzt noch weiter ausbreitet, in Südosteuropa. Und dann quasi näher an Deutschland ran rückt."

Denn wenn es tatsächlich ein Insekt gibt, durch das die Krankheit übertragen wird, kann man sich vor einer natürlichen Ausbreitung kaum schützen. Vor allem wenn man nicht weiß um welches Insekt es sich handeln könnte. Bleibt die Frage, wie unserer rinderdichten Gebiete in Deutschland auf die Lumpy Skin Disease reagieren würden. 

"Die Erfahrungen aus Israel haben gezeigt, dass die klinischen Symptome im Milchviehsektor doch relativ heftig sind, verglichen mit den Fleischrindern, die da etwas robuster daherkommen. Naja, das ist natürlich dann in den Gegenden in Deutschland, wo der Milchviehbestand hoch ist, sicherlich ne Seuche die spürbare Verluste, nicht nur monetärer Art sondern auch bei den Tieren, hervorrufen würde."

Ob man sich in Deutschland dann für oder gegen eine Impfung entscheidet, wird sich zeigen. Denn trotz der flächendeckenden Behandlung gab es auf dem Balkan auch in diesem Jahr schon wieder vereinzelte Fälle von Lumpy Skin Disease. Das war allerdings zu erwarten, meint Klaas Dietze:

"Spannend wird es eben zu beobachten, ob im Laufe des Sommers sich eine weitere Ausbreitungstendenz zeigt, auch wenn es nur einzelnen Fälle sind. Aber wenn sich das irgendwie bewahrheitet, dann merken wir eben, dass wir sehr wahrscheinlich in den Kontrollmaßnahmen noch hinterherhinken. Und das ist Gott sei Dank bisher noch nicht passiert. Ob es dabei bleibt - wir werden es erleben."

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