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Seit 10:00 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheFranziskus ist ein politischer Papst28.04.2017

Reise nach ÄgyptenFranziskus ist ein politischer Papst

Papst Franziskus fahre dahin, wo es wehtut, wo die Armen leben, wo soziale, religiöse und politische Konflikte existenziell seien, kommentiert Christiane Florin. Manchmal könne Franziskus vollbringen, woran irdische Machthaber bis dato scheiterten. Gerade weilt er in Ägypten und es steht wieder ein Friedensgebet auf der Agenda.

Von Christiane Florin

Papst Franziskus (r) begrüßt am 28.04.2017 in Kairo (Ägypten) Imam Ahmad Mohammad al-Tayyeb. (dpa /picture alliance /AP /Gregorio Borgia)
Franziskus zeige mit seinem Besuch Solidarität mit den Christen der Region, über die Konfessionsgrenzen hinweg, kommentiert Christiane Florin. (dpa /picture alliance /AP /Gregorio Borgia)
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Franziskus redet nicht so, als hätten 25 Stabsstellen zur Optimierung pontifikaler Verbalemission seine Äußerungen gefiltert. Spontifex wird er deshalb von einigen genannt, und das ist abwertend gemeint. Gerade wenn Franziskus zu Auslandsreisen unterwegs ist und über den Wolken mit Journalisten spricht, erreichen seine Formulierungen nicht die Flughöhe lehramtlicher Einlassungen. Aber sie erreichen Menschen. Betrachtet man den päpstlichen Reiseplan der vergangenen vier Jahre, löst sich das Wort vom Spontifex ohnehin in Luft auf.

Ein Plan ist klar erkennbar: Franziskus fährt dahin, wo es wehtut, wo die Armen leben, wo soziale, religiöse und politische Konflikte existenziell sind. Seine erste Reise führte ihn 2013 nach Lampedusa, gerade weilt er in Ägypten.  Die Komfortzone eines Luther-Jubiliäumslandes reizt ihn nicht so.

Franziskus ist ein politischer Papst. Manchmal – wie bei der Vermittlung zwischen den USA und Kuba – kann er vollbringen, woran rein irdische Machthaber bis dato gescheitert sind. Aber meistens schafft es auch ein Stellvertreter Christi nicht, den Frieden dorthin zu bringen, wo das Schwert regiert. An Pfingsten 2014 beteten Palästinenserpräsident Abbas und Israels Staatschef Peres gemeinsam mit Franziskus im Vatikan. Ohne messbare Folgen. Jetzt stand in Ägypten wieder ein Friedensgebet auf der Agenda. Aber was soll das Reisen und Reden und Beten?

Ökumene wird in Ägypten zur lebenswichtigen Hoffnung

Zunächst einmal zeigt Franziskus mit seinem Besuch Solidarität mit den Christen der Region, über die Konfessionsgrenzen hinweg. Die Kopten haben zwar ihren eigenen Papst, aber sie empfinden Franziskus gerade jetzt, wenige Wochen nach den Anschlägen von Palmsonntag auf koptische Kirchen, als ihren Schutzpatron. Ökumene - ein in Deutschland oft gelangweilt dahingeseufztes Wort – wird in Ägypten zur lebenswichtigen Hoffnung.

Franziskus traf unter anderem den Großimam der Al-Azhar-Universität, eine islamische Instanz. Nach der Regensburger Rede seines Vorgängers Benedikt vor elf Jahren war das Verhältnis zwischen dieser Lehrautorität und dem Vatikan auf einem Tiefpunkt. Der Besuch dort ist also keineswegs interreligiöse Dialogträumerei, sondern handfeste Diplomatie. Zugleich macht Franziskus deutlich, dass der Einsatz für Christen im Nahen Osten nicht – wie stellenweise in der katholischen Kirche üblich - mit Islamfeindlichkeit einhergehen muss. Dieser Papst kritisiert lieber den Waffenhandel als den Islam.

Franziskus wird mit Worten und Zeichen kein Wunder vollbringen. Er wird auch nicht die Schweizer Garde als Schutztruppe der Christen einsetzen. Einer wie er glaubt daran, dass es immer eine andere Möglichkeit gibt als Bomben und Hass. Und zwar gerade dann, wenn niemand mehr daran glaubt. Das ist nicht sponti, das hat System. Und das hat was mit Religion zu tun.

Dr. Christiane Florin ( Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Dr. Christiane Florin ( Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Christiane Florin, Jahrgang 1968, ist Redakteurin für "Religion und Gesellschaft" beim Deutschlandfunk. Bis 2015 leitete sie die Redaktion von Christ&Welt in der Wochenzeitung "Die ZEIT". Ihre Erfahrungen als Lehrbeauftragte für Politikwissenschaft an der Universität Bonn verarbeitete sie in dem Essay "Warum unsere Studenten so angepasst sind" (Rowohlt 2014). Im Frühjahr 2016 veröffentlichte sie das Buch "Die Ehe. Ein riskantes Sakrament" (Kösel).

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