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Reisetagebuch Tag 4

Der schönste Garten der Welt

Von Dagmar Röhrlich

Ein leuchtender Jacaranda-Baum steht über der Station der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in Seronera.
Ein leuchtender Jacaranda-Baum steht über der Station der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in Seronera. (Holger Kroker)

Eine große lila Wolke ist das erste, was man von der Seronera-Station der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft sieht. Ein stattlicher Jacaranda-Baum überragt die ein- und zweistöckigen Flachbauten. Jetzt in der Trockenzeit steht er in voller Blüte und hebt sich leuchtend vom Staubgrau der umgebenden Büsche ab.

Markus Borner, Leiter des Afrika-Programms bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, im Interview mit Dagmar RöhrlichMarkus Borner, Leiter des Afrika-Programms bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, im Interview mit Dagmar Röhrlich (Holger Kroker)Eigentlich gehört der Jacaranda nach Brasilien und müsste deshalb in einem strikten Naturschutzgebiet wie der Serengeti gefällt werden, aber glücklicherweise hat die Parkverwaltung Mitleid mit ihm. Da er sich nicht aussäen kann, darf er bleiben, erzählt uns Markus Borner, Grzimeks Nachfolger als Leiter des Serengeti-Projektes. Markus ist klein und quirlig, mit weißem Wuschelkopf, Ohrring gegen den Bösen Blick und zahllosen Lachfältchen um die Augen. Für eine Woche sind wir seine Gäste und haben ein eigenes Häuschen. Wenn Markus mit gepflegtem Schweizer Akzent über seine Serengeti erzählt, wirkt seine Begeisterung ansteckend. Seit 23 Jahren ist er hier in Seronera und als wir auf seiner Veranda stehen, begreifen wir auch, warum er hier nicht weg will.

Es ist der schönste Garten der Welt, auch wenn man eigentlich nur auf ein Stück kurz gehaltener Savanne mit einem künstlichen Wasserloch blickt. Tagsüber lärmen in den Akazien ringsum die Vögel und man sieht winzige Feldratten den Boden nach Samen absuchen. Ab und zu wuseln die ortsansässigen Zwerg- und Zebramangustenfamilien über das Gras, und die kleinen Thompson-Gazellen oder ein paar größere Topis nehmen einen Schluck. Aber wenn es Abend wird, geht die große Show los. Dieses Wasserloch zieht die Wildtiere ganz unwiderstehlich an – und damit man die Gäste besser sehen kann, hat Markus einen Scheinwerfer an die Hauswand montiert.

DLF-Autorin Dagmar Röhrlich bei der Arbeit in Seronera.DLF-Autorin Dagmar Röhrlich bei der Arbeit in Seronera. (Holger Kroker)Wenn es um 18:00 Uhr dämmert, beginnt die Parade: An unserem ersten Abend lernen wir den ergrauten Altherrenclub der Kaffernbüffel kennen. Wenn die Stiere aufs Altenteil wechseln, werden sie von den Herden ausgeschlossen und tun sich dann zu kleinen Gruppen zusammen. Das schreckt die Löwen ab, denn auch wenn die Büffel wesentlich massiger sind als unsere Rinder, kann ein entschlossenes Löwenrudel sie zur Strecke bringen. Mit drei oder vier wutentbrannten Büffelsenioren nimmt es allerdings kein Löwenrudel auf.

Erst recht Hyänen halten respektvollen Abstand zu den drei Herren und warten, bis die Büffel sich satt getrunken haben und weitergezogen sind. Fünf oder sechs Hyänen sind jeden Abend zu Gast. Doch sie sind stets auf der Hut. Wenn die Büffel abgezogen sind, dauert es nämlich gar nicht lange und zwei Flusspferde tauchen auf. Das Wasserloch ist für sie in der Trockenzeit eine willkommene Tränke. Das Wasser des Seronera-Flusses, in dem sie den ganzen Tag herumliegen, ist inzwischen von all dem Flusspferdkot und –urin ziemlich ungenießbar geworden, deshalb kommen die massigen Tiere hierher. Flusspferde sind aber noch unleidlicher als Kaffernbüffel, deshalb verschwinden die Hyänen im hohen Gras sobald sich die massigen Tiere ankündigen.


Klippschliefer oder Pimbis sind entgegen ihres mürrischen Aussehens gute Haustiere.Klippschliefer oder Pimbis sind trotz ihres mürrischen Aussehens gute Haustiere. (Holger Kroker)Unser Gästehaus hat eine eigene Veranda mit Blick auf das Wasserloch und die Savanne dahinter. Links neben uns ist ein Kopje. Das sind schön abgerundete Felsen, die einfach so aus der flachen Landschaft herausragen und oft aussehen wie ein nachlässig arrangierter Haufen von riesigen Boccia-Kugeln. Es sind die Spitzen alter Berge, die von den zahllosen Vulkanausbrüchen der Gegend mit dicken Ascheschichten zugedeckt wurden. Unser Kopje wird jedenfalls von einer großen Klippschlieferkolonie bewohnt. Eines der kuscheligen Tiere ist auch im Gästehaus eingezogen und wohnt dort irgendwo zwischen dem Wellblechdach und den Gipsplatten der Zimmerdecken. Es betrachtet sich offenbar als rechtmäßigen Eigentümer und uns als aufdringliche Besucher, denn wann immer wir aus dem Haus treten, sitzt auf der Begrenzungsmauer ein Klippschliefer und blickt ziemlich verdrossen drein.


Hinweis: Das Hörfunkfeature "Grzimeks bedrohtes Erbe" können hier nachlesen.

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Serengeti-Tagebuch

Reisetagebuch: Tag 10

Der Oldoinyo Lengai, der Berg Gottes, ist der heilige Berg der Massai.

Unsere letzten Tage im Norden Tansanias verbringen wir in Massailand, immer im Angesicht ihres heiligen Berges, des Oldoinyo Lengai. Es ist der letzte aktive Vulkan in der Gegend, die vor Kratern nur so wimmelt, und es ist der einzige Karbonatitvulkan der Erde. Seine Lava ist dünn wie Wasser und, obwohl wesentlich kälter als sonst üblich, mit 590 Grad immer noch scheußlich heiß. Seit dem Sommer ist der Vulkan wieder aktiv und auch als wir ihn zum ersten Mal sehen, steht eine große Rauchwolke über seinem Gipfel.

Reisetagebuch Tag 9

Pete Morkel zeigt Deutschlandfunk-Autorin Dagmar Röhrlich die Wrackteile des Grzimek-Flugzeugs.

„Ngorongoro“, das hat genauso viel Magie wie „Serengeti“, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Der Krater wird auch als achtes Weltwunder bezeichnet. Ich stelle mir vor, wie das Zebraflugzeug von Michael Grzimek über den Kraterrand fliegt und Kurs auf große Gnu- und Zebraherden unten auf dem 500 Meter tiefer gelegenen Kraterboden nimmt. Die Realität ist weniger magisch: Die Ebenen rings um den Krater sind staubig und öde, der Krater selbst ist überfüllt mit Touristen.

Reisetagebuch Tag 8

Ingela Jansson und Dagmar Röhrlich im Auto des Löwenforschungsprojektes.

Geradezu ohrenbetäubender Lärm hebt an, als Ingela Jansson den Motor ihres Jeeps startet. Das Auto hört sich an wie ein Riesentraktor aus vorsintflutlicher Zeit. Wir sitzen ziemlich beengt, denn das Auto ist vollgestopft mit Geräten. Ingela ist Mitarbeiterin von „Lionresearch“, dem Löwenforschungsprojekt, oder auf Suahili „Utafiti wa Simba“ und führt in der Gegend von Seronera eine Langzeitbeobachtung der Löwen durch.