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Seit 21:05 Uhr JazzFacts
StartseiteKommentare und Themen der WocheMillionen Kinder ernähren - oder Neymar kaufen04.08.2017

RekordtransferMillionen Kinder ernähren - oder Neymar kaufen

Der Wechsel des brasilianischen Fußballers Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain ist perfekt. Für 222 Millionen Euro aus Katar hat sich der 25-Jährige aus seinem Vertrag herausgekauft. Mit dieser Summe hätte viel Gutes getan werden können, meint Andrea Schültke.

Von Andrea Schültke

Der brasilianische Superstar Neymar spielt mit Kindern bei einem Besuch in Japan Fußball. (imago sportfotodienst)
Der brasilianische Superstar Neymar spielt mit Kindern bei einem Besuch in Japan Fußball. (imago sportfotodienst)

Mit 220 Millionen Euro könnten Hilfsorganisationen Nahrung kaufen für dreieinhalb Millionen schwer unterernährte Kinder im Jemen , 26 Millionen Menschen in Nepal mit sauberem Trinkwasser versorgen oder zehn Millionen Familien in Ostafrika mit dürresicherem Saatgut.

Es gibt aber auch viele weitere Möglichkeiten, 220 Millionen Euro zu investieren. Zum Beispiel: Neymar kaufen.

Der teuerste Fußballtransfer der Geschichte. Weitere kostenintensivere werden wohl folgen und Regeln werden umgangen werden. Wie die des Financial Fairplay. Die besagt grob umrissen: Ein Verein darf nicht mehr Geld ausgeben, als er einnimmt.

Neymar kauft sich selbst

Deshalb hat nicht Paris die Ablöse gezahlt, sondern Neymar selbst. Und Katar sorgt dafür, dass der Fußballer keine Miesen macht. Als Besitzer von Paris St. Germain zahlt das Emirat geschätzt 30 Millionen Euro im Jahr fürs Fußballspielen an Neymar. Dazu gibt’s einen lukrativen Nebenjob: Für 300 Millionen Euro wird der Fußballer Katars Botschafter für die Wüsten-WM 2022.

Bei diesem Rekord-Transfer hat Katar das Sagen. Neymar selbst bekannte lediglich, er wolle sein gesamtes Herzblut einbringen und mit Paris St. Germain große Ziele erreichen. Auch Katar will große Ziele erreichen und bedient sich der Mittel des Sports.

Katars nächster Streich

Das Golfemirat, seit einigen Wochen von den Nachbarn politisch und wirtschaftlich isoliert, nutzt den Transfer um den anderen Golfstaaten zu zeigen: "Ihr kriegt uns mit Blockaden nicht klein" Schon seit geraumer Zeit kauft Katar den Weltsport. Etwa als Ausrichter der Handball WM vor zwei Jahren, der Leichtathletik-WM 2019 und drei Jahre danach die Fußball-WM. Zusätzlich betreibt das Land noch einen Bezahlfernsehsender, der Übertragungsrechte hat für die beliebtesten Sportarten der Welt – unter anderem für die Französischen Fußball-Liga.

Und damit sind wir wieder bei Paris St. Germain und bei Neymar. Kritiker fordern jetzt Regeländerungen beim Financial Fairplay, Obergrenzen bei Ablösesummen und so weiter. Die französische Liga dagegen jubelt über den Aufwind, den sie sich vom brasilianischen Fußballstar verspricht.

Neymar soll viel Geld einbringen

Und obwohl der Wechsel des Brasilianers insgesamt wohl mehr als 500 Millionen Euro kostet, rechnet der katarische Geschäftsmann Al-Khelaifi, Präsident von Paris St. Germain: "Wir werden durch Neymar mehr Geld verdienen, als er uns gekostet hat".

Die Schlangen vor dem Fanshop könnten ihm Recht geben. Die Neymar-Trikots mit der Nummer 10 sind heißt begehrt. Sie kosten 85 Euro das Stück. Dafür könnten Hilfsorganisationen 30 mangelernährte Kinder im Jemen ein Jahr lang mit Vitaminpräparaten versorgen.

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