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StartseiteCampus & KarriereSenior-Experten beraten Schulleitungen 25.02.2016

Rektoren gesuchtSenior-Experten beraten Schulleitungen

Rheinland-Pfalz sucht dringend neue Schulleiter, weil viele bald in Pension gehen. Deshalb hat das Land ein bestehendes Pilotprojekt ausgedehnt: Ehemalige Schulleiter beraten dabei künftige Rektoren und Schulleitungsteams.

Von Anke Petermann

Der Blick in ein Container-Klassenzimmer (picture-alliance / dpa/Bernd Weißbrod)
Vielen Schulen in Rheinland-Pfalz suchen bald neue Leitungen (picture-alliance / dpa/Bernd Weißbrod)
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Der Leiter der Realschule plus im pfälzischen Lingenfeld sitzt mit seinen beiden Konrektoren und dem Senior-Experten an einem runden Tisch, vor sich das Strategiepapier, das im zweistündigen Erstgespräch an dieser kombinierten Haupt- und Realschule entstanden war. Schulleiter Jürgen Angerhofer und Senior-Experte Tilbert Müller:

Angerhofer: "Wie machen wir's heute?"

Müller: "Ich hab mir vorgestellt, dass wir jetzt heute auch eine Bestandsaufnahme zwei machen."

Die Frage zum Auftakt der vertraulichen Beratung vor knapp einem Jahr war, was die Schulleitung tun kann, um den sinkenden Anmeldezahlen an der Schule zu begegnen. Bis dato hatten Angerhofer und seine Konrektoren versucht, den bedrohlichen Schülerschwund mit fortlaufenden Innovationen zu stoppen: Methodentage, Schüler in Hauptfächern eigenverantwortlich lernen lassen und mehr, erzählt Konrektorin Petra Leuthner. Eine Neuerung jagte die nächste.

"Also, man vergaloppiert sich dann vielleicht auch in der Schulleitung, dass man zu schnell voraus läuft, und die Kollegen kommen nicht mit nach."

Senior-Experte Tilbert Müller riet dazu, den Veränderungen Zeit zu geben und die Kollegen nicht überzustrapazieren. Jetzt fragt der frühere Referent der Schulaufsicht nach:

Müller: "Und - hat sich diese Ruhe positiv aufs Kollegium ausgewirkt?"

Frick: "Ja, die Ruhe hat sich schon positiv ausgewirkt. Das war die richtige Entscheidung, das hat sich bewährt."

Leuthner: "Und die Stimmung ist auch gut im Kollegium."

Bilanzieren die Konrektoren Elmar Frick und Petra Leuthner. Der Senior-Experte zieht als Fazit seiner Analyse:

"Dass die Erhöhung der Schülerzahl nicht ursächlich in der Macht einer Schulleitung liegt, weil einfach der Schülerkuchen der Realschule plus nicht beliebig vermehrbar ist, sondern nur anders verteilbar, obwohl diese Schule eine tolle pädagogische Arbeit macht."

Das vom Senior-Experten zu hören, befreit Schulleiter Jürgen Angerhofer von der Furcht, dass sein Team den Schülerschwund durch eigene Fehler mit verursacht haben könnte. Insofern hat die Beratung das Leitungsteam entlastet.

"Wir wissen jetzt zumindest, dass wir selber unsere Arbeit, die wir machen, auch vertreten können."

Nicht alle Beratungen sind so delikat, wie die an einer latent existenzgefährdeten Schule. Und meist wird die Hilfe nicht von Teams, sondern von einzelnen Schulleitern in Anspruch genommen.

"Da hat eine Kollegin einer sehr kleinen Grundschule die Leitung einer sehr großen Grundschule angenommen, und die wollte eigentlich nur im Vorfeld des Neueinstiegs versuchen, Fallstricke zu vermeiden und einen guten Einstieg zu haben. Also das ist auch was, was wir machen, zum Beispiel."

Fachberatung, kein auf die Persönlichkeit ausgerichtetes Coaching, präzisiert Tilbert Müller. Vor zweieinhalb Jahren schied er als Führungskraft aus der Schulaufsicht aus. Im Ruhestand sein Wissen weitergeben zu können, ist ihm wichtig. Andere Senior-Experten waren Leiter von Schulen oder Studienseminaren. Birgt Pikowski, Direktorin des federführenden Pädagogischen Landesinstituts, resümiert:

"Alle haben eine pädagogische Qualifizierung und erhalten über das Pädagogische Landesinstitut noch mal eine Zusatzqualifizierung in dem Bereich Beratung und Gesprächsführung."

"Und es gibt ein jährliches Update über bildungspolitische Veränderungen um da, obwohl man außerhalb des Berufs ist, auf dem Laufenden zu bleiben", ergänzt Tilbert Müller. Für seine Einsätze, in der Regel drei zweistündige Gespräche pro Schule, bekommt der Senior-Experte eine Aufwandsentschädigung. Dass hinter dem Beratungsangebot der Versuch steht, den Mangel an Schulleitern zu beheben, will die Chefin des Pädagogischen Landesinstituts nicht bestätigen. Aber:

"Auf jeden Fall ist es Werbung für den Beruf. Zu sagen, es ist ein toller Beruf, eine große Aufgabe, und man wird auch nicht allein gelassen dabei, sondern erhält Unterstützung und Beratung."

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