• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 19:15 Uhr Zur Diskussion
StartseiteKultur heuteReligiöse Kunst mit Migrationshintergrund23.06.2012

Religiöse Kunst mit Migrationshintergrund

Das Ikonen-Museum Recklinghausen ist wieder geöffnet

Es ist eines der ungewöhnlichsten Museen hierzulande: Das Ikonen-Museum Recklinghausen gilt als weltweit bedeutendstes Museum für ostkirchliche Kunst außerhalb der orthodoxen Länder. Nach eineinhalb Jahren Umbau sind die fast 3000 Exponate jetzt wieder zugänglich.

Von Michael Köhler

Ikone im zypriotischen Kloster Kykkos (AP)
Ikone im zypriotischen Kloster Kykkos (AP)

Das Ikonen-Museum Recklinghausen, das im Jahre 1956 eröffnet wurde, ist das bedeutendste Museum ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder. Über Tausend Ikonen, Stickereien, Miniaturen, Holz- und Metallarbeiten aus Rußland, Griechenland und anderen Balkanstaaten vermitteln einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Themen und die stilistische Entwicklung der Ikonenmalerei und der Kleinkunst im christlichen Osten. Eine holzgeschnitzte Ikonostase gibt einen Eindruck vom Standort der Ikonen in den orthodoxen Kirchen. Die koptische Abteilung des Ikonen-Museums dokumentiert den Übergang von der heidnischen Spätantike zum frühen Christentum in Ägypten mit hervorragenden Werken. Reliefs aus Holz und Stein, Gewebe, Gläser, Bronzen und Kreuze sowie einige Mumienporträts zeugen von der Vielfalt künstlerischer Tätigkeit in Ägypten vom 1. Jahrhundert bis ins frühe Mittelalter.

"Die Ikonen waren Kultgegenstände der Ostkirche. Die hatten eine ähnlich große Bedeutung wie die Evangelien und ähnlich wie man die Texte nicht verändern durfte, durfte man auch die Ikonen nicht verändern. Die mussten immer nach bestimmten Vorgaben gemalt werden."

So entwickelte sich ein überzeitlicher Formenkanon, der eine Ikone bis heute rasch erkennen lässt. Datum, Künstlername, Signatur oder Selbstdarstellungen des Malers kennt die Ikone nicht. Eva Haustein Bartsch, Kustodin des Ikonen-Museum Recklinghausen, ist über den neu eröffneten Anbau glücklich. Anfangs verfügte ihr Haus über 200 Ikonen, inzwischen sind es 3000. Die Erweiterung war notwendig geworden und wurde aus Mitteln des Konjunkturpakets II rasch umgesetzt. Dass ihre Sammlungsstücke echt sind, das kann sie sagen.

"Also, dass es echt ist, schon. Da kenn ich mich genug aus damit, dass wir keine Fälschungen hier ausstellen. Und kriegsbedingt verbracht, also bis jetzt ist keiner Ikone hier im Haus sowas nachgewiesen worden. Es ist sicher bei Ikonen sehr schwierig mit der Provenienz, weil man meistens das nicht sehr weit zurückverfolgen kann. Aber, wenn so was nachgewiesen würde, würden wir natürlich auch zurückgeben."

Meist sind Ikonen auf Holz mit Goldgrund gemalt. Einige Ikonen haben als Schmuck sogenannte Oklate. Das sind Metallbeschläge mit Silber, Emaille, Edelsteine, oder Perlen. Davon ließen sich die Architekten anregen als sie den Anbau planten. Das klassizistische Museumsgebäude aus dem 18. Jahrhundert erhielt einen turmartigen Anbau in dem das Treppenhaus und Versorgungsräume untergebracht sind. Die Außenhaut des Anbaus ist aus goldfarbenem Kupferblech. Architekt Detlef Wiegand.

"Also, wenn man es von außen sieht, ist die Ansichtsfläche hoch aufragend, ein einfaches Rechteck, das zeigt sich nach vorne als ganz einfache Struktur. Wir haben aufgrund von Zwängen für die Belüftung des Treppenhauses, Öffnungen anlegen müssen, haben über ein Streckmetall, Uminterpretieren der Oberfläche `ne homogene Außenhaut schaffen können, auch aus diesem Kupfermaterial."

Der Denkmalschutz hat natürlich mitgeredet. Das klassizistische, ehemalige Schulgebäude ist nahezu unberührt geblieben. Eine Glasfuge verbindet das Ausstellungshaus mit dem Anbau. Das ist ein probates Mittel der Erweiterung und hat im Eisenacher Bachhaus oder dem Frankfurter Kleisthaus schon Anwendung gefunden. Wer sich für christliche Kunst der Ostkirche interessiert, findet in Recklinghausen wunderbare Stücke vor. Freilich bleibt das Problem des Museums: Ikonen sind Kultbilder, vor denen die Gläubigen beten. Es ist keine orthodoxe Kirche ohne Ikonen denkbar.

Die Bilder spielen eine große Rolle in der Ostkirche, ihnen wird Wundertätigkeit zugeschrieben. Im Museum werden sie naturgemäß dem rituellen Zusammenhang enthoben. Die Ikone ist nämlich mehr als nur ein Heiligenbildchen, sie ist Grundlage des Glaubens, Offenbarung der Heiligkeit, sie zeigt das Unzeigbare, die Dignität der Materie. Zugleich wurde in Recklinghausen eine aktuelle Ausstellung über byzantinische Kostbarkeiten aus dem Münsterland eröffnet. Der Byzantinist Michael Grünbart über Amulette und Münzen aus Wallfahrtsorten.

"Diese Objekte sind nichts anderes als Andenken, wo man kleine Amphoren nachgebildet hat, diese Flaschenform aus dem 12., 13. Jahrhundert, wo heiliges Wasser oder heiliges Öl mitgenommen wurde oder auch Staub von einem heiligen Ort. Und das nahm man dann mit in die Heimat."

Mit seinem Grundbestand, mit Schenkungen und Nachlässen ist das Recklinghausener Ikonenmuseum fraglos eines der ungewöhnlichsten Museen im Land.

"Also, es ist auf jeden Fall das Museum mit der bedeutendsten Sammlung außerhalb der orthodoxen Länder, also nicht nur in Europa, sondern weit darüber hinaus. Und das Besondere ist, dass wir im Gegensatz zu den genuin orthodoxen Ländern wie Griechenland, Russland usw. Ikonen aus allen Ursprungsländern zeigen und nicht wie die anderen Länder nur die Ikonen, die aus ihrem eigenen Land kommen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk