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StartseiteAus Religion und GesellschaftMöge die Macht mit dir sein20.01.2016

Religion und Science-FictionMöge die Macht mit dir sein

Die Science-Fiction trägt die Naturwissenschaft im Namen, das klingt nach klaren Kalkulationen – nicht nach Spiritualität. Und doch ist gerade die Religion zentrales Thema vieler Science-Fiction-Werke, ob in der Literatur oder auf dem Bildschirm. Warum eignet sich gerade die Science-Fiction für spekulative Gedankenspiele über Religion?

Von Benedikt Schulz

Die Filmfigur "Master Yoda"ist am 20.05.2015 bei einem Presserundgang durch die Ausstellung "Star Wars Identities" im Odysseum in Köln zu sehen. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)
"Erleuchtete Wesen sind wir. Nicht diese rohe Materie." Meister Yoda aus dem "Star Wars"-Imperium gibt sich auch als spiritueller Anführer. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)
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Captain Kirk: "Verzeihung bitte, ich ... ich würde gerne etwas fragen. Wozu braucht Gott ein Raumschiff?"

Roy: "Das ist keine einfache Sache, deinem Schöpfer zu begegnen."

Darth Vader: "Die Fähigkeit einen ganzen Planeten zu vernichten, ist nichts gegen die Stärke, die die Macht verleiht."

"Dass ausgerechnet 'Star Wars' so wirkmächtig werden konnte, hat damit zu tun, dass dieser Film eine weltliche Art der Religiosität als zentrale Werteinstanz vorstellt. Gerade der zunehmend säkular werdende Westen kompensiert mit solchen Filmen eine transzendentale Obdachlosigkeit."
Ulf Poschardt in: "Die Welt"

Zwei Computerfachleute sitzen im Jahre 2061 vor Multivac, einem Supercomputer, der den Fortschritt der Menschheit steuert. Sie fragen in Isaac Asimovs Geschichte "The Last Question": Was passiert, wenn die Sterne verlöschen? Was passiert, wenn alles zu Ende ist? Sie hoffen, dass Multivac eine Antwort ausspuckt:

"Eben als die erschrockenen Techniker kaum noch den Atem anhalten konnten, kam plötzlich Leben in den Fernschreiber, der an Multivac angeschlossen war. Fünf Wörter wurden ausgedruckt: 'Daten unzureichend - für - sinnvolle - Antwort.'"

Wenn die Sterne verlöschen, was kommt danach?

In der Geschichte von Isaac Asimov, dem russisch-amerikanischen Science-Fiction-Autor, machen sowohl der Mensch als auch der Supercomputer im Laufe von Milliarden von Jahren eine Evolution durch. Die Menschheit ist nur noch ein einzelnes Bewusstsein, verschmolzen aus Billionen von alterslosen Körpern. Sie streifen durch das Universum. Aus dem Multivac wird der Kosmische AC. Er ist nicht vom Menschen geschaffen - sondern von seinen Vorgängerrechnern. Seine virtuellen Schaltkreise sind im Hyperraum verteilt. Doch die letzte Frage bleibt: Was, wenn die Sterne verlöschen? Was kommt danach?

"Der Mensch sagte: 'Das Universum stirbt.' Der Mensch sah die verblassenden Milchstraßen an. Fast alle Sterne waren weiße Zwerge und dämmerten dem Ende entgegen. 'Kosmischer AC', sagte der Mensch, 'wie kann die Entropie umgekehrt werden?' Der Kosmische AC sagte: 'Bis jetzt reichen die Daten noch immer nicht für eine sinnvolle Antwort aus.' Der Mensch sagte: 'Sammle weitere Daten.'"

"Endzeit, Apokalypse, liegen ja auch nahe auf der Suche nach der Antwort", sagt Wolfgang Tress, Science-Fiction-Fan und Buchhändler. "Tatsächlich ist Science-Fiction eben - und deswegen benutzen ja auch viele Autoren Science-Fiction, weil es eben die Plattform ist, wo alles offen ist."

Tress sitzt in seiner Buchhandlung zwischen Raumschiffen, Sternenkarten und Jedi-Handbüchern. Der Star-Wars-Nerd trägt ein "Trust me - I'm a Jedi - Vertraue mir, ich bin ein Jedi"-T-Shirt und hat sein Hobby zum Beruf gemacht: als Inhaber einer Buchhandlung für Science-Fiction und Fantasy in Berlin-Kreuzberg.

"Für Diskussionen, theologisch, soziale zivilisatorische Aspekte einfach durchzuspielen. Und da Religion heute ist und immer war ein sehr explosives Thema, kannst du diesen Freiraum nutzen und das erst mal durchspielen, um die Gedanken frei zu denken."

"Materie und Energie hatten ihr Ende gefunden, und mit ihnen Raum und Zeit. Selbst das AC existierte nur wegen der einen letzten Frage, die es seit der Zeit nie beantwortet hatte, als vor zehn Billionen Jahren ein halb betrunkener Computerfachmann einem Computer die Frage gestellt hatte. Alle zusammengetragenen Daten waren endgültig geworden. Und dann begab sich, dass AC lernte, wie die Richtung der Entropie umgekehrt werden konnte. Aber jetzt gab es keinen Menschen mehr, dem AC die Antwort auf die letzte Frage mitteilen konnte.

Die Bewusstheit des AC umfasste alles, was einst ein Universum gewesen war, und schwebte über dem, was jetzt Chaos war.

Und AC Sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht."
Isaac Asimov: "Wenn die Sterne verlöschen"

"Das ist eine interessante Spekulation", sagt Dietmar Dath, Science-Fiction-Fan und Autor von Science-Fiction-Romanen, über Asimovs fiktiven Supercomputer, der von einem anderen Computer geschaffen ist und gleichgesetzt wird mit dem biblischen Schöpfungsgott. "Die Vorstellung, jeder Naturprozess, der sich irgendwie berechnen lässt, ist in seinem Kern eigentlich eine Rechnung, und dann wäre das Ganze, was bei Spinoza 'Deus sive natura', also 'Natur ist gleich Gott', also in dem Fall, 'Natur ist gleich Gott', ist gleich Rechnung."

Die Science-Fiction trägt die Naturwissenschaft im Namen - und doch kommt gerade die Science-Fiction, egal ob als Literatur oder auf dem Bildschirm, selten ohne das eine Thema aus: die Religion.

"Sie stellt die großen Sinnfragen explizit im Zusammenhang unseres Umgangs mit der wissenschaftsfundierten Technik", sagt Linus Hauser, Science-Fiction-Fan und Theologe. "Und das wird von anderen Autoren sträflich vernachlässigt. Weil es nicht in den Bildungskontext gehört." Hauser ist katholischer Theologieprofessor in Gießen und Literaturtheoretiker.

Der Autor und Journalist Dietmar Dath (picture-alliance / dpa / Erwin Elsner)Der Autor und Journalist Dietmar Dath (picture-alliance / dpa / Erwin Elsner)

Religion als zukunftsformendes Element

Dietmar Dath: "Also, die Science-Fiction hat sich insofern verändert, als früher halt ein Tatbestand genommen wurde, beispielsweise die Menschen arbeiten jetzt kürzer, als sie vor zehn Jahren gearbeitet haben, und dann wurde sozusagen mit dem Geodreieck die Linie weitergezogen: Wenn das so weitergeht, arbeiten die Leute spätestens 2040 überhaupt nicht mehr. Und dieses Weiterziehen von einer Linie, das war tatsächlich so ein Usus in der SF, würde ich sagen, bis zur New Wave, also bis zu den 60er-Jahren, wo dann kapiert wurde, dass plausible spekulative Szenarien nicht aus dem Weiterziehen einer Einzellinie bestehen, sondern aus der Abbildung der Gezeitenkräfte und der Wechselwirkung mehrerer Linien."

Die Religion ist eine dieser Kräfte, die die Geschicke der Menschheit prägen. Wie sie dies in einer möglichen Zukunft tut, das hat kaum ein Science-Fiction-Schriftsteller umfassender beschrieben als der US-Amerikaner Frank Herbert in seinen Wüstenplanet-Romanen.

In den sechs Büchern der Reihe wird ein gewaltiges Panorama einer interstellaren Zivilisation in einer weit entfernten Zukunft gezeichnet. Mit allem, was dazugehört: Technik, Politik und eben auch Religion. Die Bücher sind voll von philosophisch-religiösen Gedankenspielen und Anspielungen und bewegen sich stark im Kontext der abrahamitischen Religionen. Hervorstechend: die Erwartung eines Messias.

"Prinzessin Irulan: Von alters her gibt es eine Prophezeiung, dass ein Mann kommen werde, ein Messias, der sie in die wirkliche Freiheit führen wird. Der Planet ist Arrakis, genannt auch Dune, der Wüstenplanet."

Auf dem namensgebenden Wüstenplaneten existiert ein archaisch lebendes Wüstenvolk, unterdrückt und ausgebeutet. Der Protagonist, Paul Atreides wird zum Befreier der Fremen, die in ihm den Mahdi sehen: den prophezeiten Messias. Er besitzt übernatürliche Kräfte, vor allem: die Gabe der Prophetie. Er ist der Muad'dib, arabisch für: der Lehrer.

"Das, was er sah, hielt ihn völlig in seinem Bann gefangen. Er sah die Zeit, die sich vor ihm erstreckte, verzerrt zu einer unglaublichen Dimension, sah die Wirbel, die sich vor seinen Augen dahinbewegten, wie sie Kräfte ansammelten, die er nicht verhindern konnte. Welten und Mächte. Sie alle lagen wie ein drohendes Gewitter über dem Horizont, und alles, was sie noch zurückhielt, waren die Fremen unter ihrem Muad'dib. Ein schlafender Gigant, der sich auf einen wilden Kreuzzug gegen das Universum vorbereitete."

Als er die Fremen in einen Freiheitskampf führt, sieht er voraus: Das wird einen jahrelangen Krieg auslösen, einen heiligen Krieg, einen Djihad. Während der erste Wüstenplanet-Roman den Erlöser Paul als Identifikationsfigur etabliert, verzweifelt dieser im zweiten Roman "Der Herr des Wüstenplaneten" an der Tatsache, dass er das bekannte Universum in einen Krieg gestürzt hat, und daran, dass er für einen Gott gehalten wird.

"Ich gehöre einer Vision, murmelte er. Und er dachte an den Djihad. Ich wollte nie ein Gott sein, sagte er sich."
Frank Herbert: "Der Herr des Wüstenplaneten"

Aufgenommen am 24.03.2014. Unter der Sponsorenschaft des ägyptischen Tourismusministeriums wurde von einem privaten Unternehmen vom 14.03.- 26.03.2014 die "Kemal El-Din-Gedächtnisexpedition" organisiert. Ziel dieser Fahrt war einerseits, ökologischen Wüstentourismus zu bewerben, andererseits sollte mit dieser Reise des ägyptischen Prinzen Kemal El-Din Hussain gedacht werden, der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts das Gilf Kebir-Plateau entdeckte und erforschte. Er war der einzige Thronanwärter in der ägyptischen Geschichte, der freiwillig auf die Thronfolge verzichtete, um sich, wie manche Quellen behaupten, um so intensiver seiner Expeditionen und Erforschungen der Westlichen Wüste widmen zu können. Die Gedächtnis-Expedition strebte Ziele im ägyptischen Grenzgebiet zu Libyen und Sudan an. Bekanntheit erlangte diese Region durch den preisgekrönten Film "Der Englische Patient". (picture alliance / dpa / Matthias Tödt)Frank Herberts "Wüstenplanet" erzählt von einem Messias, der einen Heiligen Krieg vom Zaun bricht. (picture alliance / dpa / Matthias Tödt)

Science-Fiction als Religionsstifter

Der Erlöser wird zum unfreiwilligen Religionsstifter, einer Religion, die brutal vorgeht, eine übermächtige Priesterkaste herausbildet, immer stärker inquisitorische Züge annimmt und Ketzer sowie Kritiker hinrichten lässt. Mit dieser in Science-Fiction gewandeten Kritik an religiösem Fanatismus, der weniger auf den Glauben denn auf Macht abzielt, wirkt Frank Herbert heute nahezu visionär.

"Paul hatte jahrelang mit Gewalt und Blutvergießen gelebt. Er war Zeuge geworden, wie seine fanatisierten Anhänger, erfüllt von einer ebenso mystischen, wie unwiderstehlichen Kraft, alle Gegner hinweggefegt hatten."
Frank Herbert: "Der Herr des Wüstenplaneten"

Dieser Paul Atreides in Frank Herberts Roman durchlebt eine Vision, in der Raum und Zeit, Vergangenheit und Zukunft verschmelzen - eine wundersame Reise, vergleichbar mit einer Himmelsreise, einer Reise, jenseits von Raum und Zeit. Linus Hauser erinnert das an das, was im Islam dem Propheten Mohammed zugeschrieben wird.

"In allen Religionen und Mythen gibt's Elemente, wo ein Mensch emporgehoben wird in die Himmelssphären. Mohammed hat auf einem Pferd so eine Himmelsreise gemacht. Also dieses Motiv der Jenseitsreise oder Himmelsreise bietet sich natürlich an: als ein Systemrahmen, wenn man Science-Fiction betreibt."

Und im Science-Fiction-Gewand entspricht diese Himmelsreise häufig der Reise zu den Sternen, zu den Ursprüngen des Universums oder eben einer Zeitreise.

"Und dann kann man natürlich auf alte Muster zurückgreifen. Nämlich eine Raum-Zeit-Reise. Der alttestamentliche Prophet Henoch etwa, der reist an den Anfang der Zeit, an die Schöpfung, sieht aber auch das Ende."

"Yoda: Vergessen musst du das, was früher du gelernt. Größe bedeutet nichts. Denn die Macht ist mein Verbündeter. Und ein mächtiger Verbündeter ist sie." (Aus "Das Imperium schlägt zurück")

"Im Glauben der Jedi an die hellen Seiten der Macht wird ein Glaube vorgestellt, der Berge versetzen kann. Es ist eine Metaphysik, in der sich christliche Mystik, Naturreligion und Taoismus zu einer Neoreligion vermischen."
Ulf Poschardt in: Die Welt

Kulissen für den Film "Krieg der Sterne" (Star wars) in Nefta (Tunesien) in der Wüste. (picture alliance - Oliver Berg)Kulissen für den Film "Krieg der Sterne" (Star wars) in Nefta (Tunesien) in der Wüste. (picture alliance - Oliver Berg)

Wie göttlich ist die Macht?

Die Wüstenplanet-Bücher prägten auch die Star-Wars-Filme. Vor allem in der Idee des Erlösers, in diesem Fall Luke Skywalker. Er erlöst seinen der dunklen Seite der Macht verfallenen Vater und die Galaxis. Das Star-Wars-Universum von George Lucas wird dabei zusammengehalten von einem metaphysischen Kraftfeld, der Macht.

"Yoda: Das Leben erschafft sie, bringt sie zur Entfaltung. Ihre Energie umgibt uns. Verbindet uns mit allem. Erleuchtete Wesen sind wir. Nicht diese rohe Materie."

(Aus "Das Imperium schlägt zurück")

"Die Macht hält uns zusammen, das ist ne Energie, die umgibt uns, ja, wow, Riesendiskussion. Diese sogenannte Macht, Gut und Böse, so ein super-klassisches Glaubensinstrument, was eingesetzt wird. Die dunkle Seite der Macht, bum. Also einfacher geht's ja nicht, banaler geht's ja nicht, die ist nur böse, die will einfach nur zerstören und herrschen und unterdrücken - und die gute Seite der Macht, ja die sind gut, wenn sie böse werden, sind sie dunkel, bum." (Wolfgang Tress)

"Ich fühle deinen Zorn, ich bin wehrlos, nimm deine Waffe! Strecke mich nieder mit all deinem Hass und du hast deinen langen Weg zur dunklen Seite der Macht damit beendet!" (Aus "Rückkehr der Jedi-Ritter")

"Metaphysik bekommt im 19. Jahrhundert den Klang, dass irgendwelche Leute an irgendwas Verrücktes glauben. Jedenfalls ist der Gottesbegriff im 19. Jahrhundert deswegen in eine Krise gekommen. Und das neue Modell, was man dann entwickelt hat, ist das, was ich bezeichne als unbewussten Evolutionsgott. Es gibt eine lenkende kosmische Macht von Anbeginn, Stichwort: mit dem Big Bang, freigesetzt, die ist sich allerdings nicht bewusst und wird im Menschen bewusst. Und das ist dann bei Star Wars ganz konsequent die Force. Die wir, siehe Yoda, in manchen Menschen hochrealisiert finden. Und Luke Skywalker wird jetzt in seiner Heroenbiographie schrittweise dahingeführt, diese Macht in sich selbst zu entdecken. Also das ist 19. Jahrhundert." (Linus Hauser)

"In der Science-Fiction geht's darum, Erfahrungsräume zu betreten, die uns unsere Erfahrung eigentlich nicht betreten lässt." (Dietmar Dath)

Die Crew des Raumschiffes USS Enterprise auf der Brücke in einer Szene der gleichnamigen Serie: (l-r) George Takei als Lieutenant Hikaru Sulu, Leonard Nimoy als Lieutenant Commander Spock vom Planeten Vulkan, Nichelle Nichols als Kommunikationsoffizier Lieutenant Uhura, William Shatner als Captain James Tiberius Kirk, Majel Barrett als Krankenschwester Christine Chapel, Walter Koenig als Sicherheitsoffizier Ensign Pavel Chekov, DeForest Kelley als Chefarzt Dr. Leonard Horatio McCoy, genannt "Pille" und James Doohan als Chef-Ingenieur Montgomery Scott , genannt "Scotty". (Aufnahme von 1967). (picture-alliance / dpa)Die Crew des Raumschiffes USS Enterprise auf der Brücke in einer Szene der gleichnamigen Serie (picture-alliance / dpa)

Im fünften Star Trek-Kinofilm unternimmt auch die Enterprise eine Art Himmelsreise - die Crew unter Captain James T. Kirk begibt sich auf die Suche nach nichts weniger als Gott - und findet ihn auch, es hat zumindest den Anschein - und ja, es ist ein alter Mann mit Bart.

Dr. McCoy: "Ist das die Stimme Gottes?"
Gott: "Ich bin es. Euer Weg zu mir kann nicht leicht gewesen sein. Bewundernswert. Ihr seid die ersten, die mich finden. Wie habt ihr die Barriere überwunden?"
Sybok: "Mit einem Raumschiff."
Gott: "Dieses Raumschiff, könnte es meine Weisheit über die Barriere tragen?"
Sybok: "Ja, das könnte es."
Gott: "Dann werde ich davon Gebrauch machen. Es soll ein Triumphwagen sein."
Captain Kirk: "Verzeihung bitte..."
Gott: "Es wird meine Macht in jeden Winkel des Universums tragen."
Captain Kirk: "Verzeihung bitte, ich... ich würde gerne etwas fragen. Wozu braucht Gott ein Raumschiff?"
Gott: "Bring das Schiff näher heran!"
Captain Kirk: "Ich sagte: Wozu braucht Gott ein Raumschiff?"
Dr. McCoy: "Jim! Was tust du denn!"
Captain Kirk: "Ich stelle ihm eine Frage."
Gott: "Wer ist diese Kreatur?"
Captian Kirk: "Wer ich bin? Das weißt du nicht? Du bist doch Gott!"
(Aus "Star Trek V - Am Rande des Universums")

Natürlich findet die Crew der Enterprise nicht wirklich Gott. Was sie findet: ein schnödes Alien, das sie für Gott halten. Aliens als Pseudo-Götter?! Es ist ein Klassiker der Science-Fiction-Historie: Gott oder Götter seien in Wirklichkeit fremde Lebensformen oder überlegene Wesen aus dem Weltraum. Was für die einen spannende Fiktion ist, verstehen andere als Glaubensinhalt. Dann wird aus Science-Fiction eine Pseudowissenschaft. Die Theorie: Außerirdische Intelligenzen hätten die menschliche Zivilisation geschaffen. Linus Hauser beschreibt diese neue Variante der Schöpfungsgeschichte so:

"Eine der wesentlichen, unthematischen Weltanschauungen in vielen Köpfen heute, die sozusagen als längeres Gedankenspiel und nicht so als bewusstes Glaubenscredo präsent ist, ist die Prä-Astronautik. Und da gehen Leute wie zum Beispiel der Begründer der Beschreibung der DNS Francis Krick davon aus, dass es eine gelenkte Panspermie gab, also Lebenskeime wurden von Außerirdischen in unsere Ursuppe geworfen und haben diesen Evolutionsprozess dann in Gang gesetzt."

Neomythos nennt der Theologie-Professor dieses Phänomen. Wissenschaft und Fortschritt hätten das Welt- beziehungsweise Gottesbild des Menschen ins Wanken gebracht.

Orientierung in den Weiten des Alls

Ulf Poschardt: "Der moderne Mensch hat Vernunft und Glaube in der Regel voneinander getrennt. In der Logik der Star Wars-Filme liegt darin ein großes Versagen."

Der moderne Mensch leidet unter Erkenntnisschocks, seit er weiß, dass er vom Affen abstammt und dass die Erde nicht mehr im Zentrum des Universums steht. Immer mehr neue metaphysische Orientierungsaufgaben kommen auf uns zu, so Linus Hauser:

"Wir werden vielleicht demnächst konfrontiert mit Wesen, die wir selbst geschaffen haben und die uns ebenbürtig oder gar überlegen sind. Und das relativiert uns im Metaphysischen ganz enorm. Ist das Christusereignis vielleicht irgendein nebensächliches Ereignis auf einem Provinzplaneten?"

Und angesichts dieser neuen metaphysischen Probleme entwickeln Menschen neue Mythen, eben Neomythen. Die Science-Fiction hat viele dieser Ideen literarisch diskutiert. Doch sie bleibt eine spekulative Reise ans Ende der menschlichen Existenz. Manchmal aber verwischen die Grenzen zwischen Literatur und Religion. Das prominenteste Beispiel: der Glaube, den ein gescheiterter Science-Fiction-Autor in die Welt gesetzt hat. Sein Name: Ron Hubbard. Seine Religion: Scientology. Aus einem fiktionalen Werk wird eine religiöse Anschauung, kein Einzelfall.

"Das gibt's öfters. Ich habe jetzt nicht die Zahlen im Kopf, aber sagen wir mal ein halbes Dutzend Science-Fiction-Romane gefunden, im Anschluss an die dann sich Kirchen, ernsthafte Kirchen gegründet haben. Zum Beispiel von Robert Heinlein, "Stranger in a Strange World" hat die Church of all Worlds, die größte neuheidnische Kirche Amerikas hervorgebracht."

Wo kommen wir her, was kommt nach dem Tod? Die großen Sinnfragen zu stellen - das verbindet Religion und Science-Fiction. Dietmar Dath fasst zusammen, was Religion und Science-Fiction voneinander unterscheidet:

"Der große Unterschied ist natürlich, dass etwas nicht nicht glauben, also suspension of disbelief, den Unglauben aufheben, ist nicht dasselbe, wie den Glauben erleben. Die Fetischisierung ist immer möglich mit jedem Kulturgut, und die Science-Fiction als ein Kulturgut, das sehr viele Dinge behandelt, die uns unmittelbar angehen. Das macht es natürlich sehr wahrscheinlich, dass auch aus Science-Fiction-Denksystemen und -Denkspielen etwas werden kann, was Leute dann mit allem Bierernst einer religiösen Überzeugung einander gegenseitig aufpfropfen und antun."

Die Religion gibt eine Antwort, ein Heilsversprechen. Science-Fiction tut das nicht. Sie thematisiert, wie die Menschheit nach der Antwort sucht, in Raum und Zeit die Grenzen immer weiter verschiebt, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist - aber: an der letzten Antwort immer wieder scheitert.

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