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StartseiteVerbrauchertippViele Versicherungen kassieren doppelte Abschlusskosten19.10.2016

Renten- und LebensversicherungViele Versicherungen kassieren doppelte Abschlusskosten

Wer eine Renten- oder Lebensversicherung abschließt, muss in der Regel Abschlusskosten bezahlen. Diese dürfen Versicherungen mit den monatlichen Beiträgen einkassieren - allerdings nur in einer bestimmten Höhe und nur über die ersten fünf Jahre des Vertrags. An diese Vorgabe haben sich viele Versicherungen in der Vergangenheit jedoch nicht gehalten.

Von Philip Banse

Der Versicherungsschein einer Lebensversicherung.  (imago / Rainer Unkel)
Der Versicherungsschein einer Lebensversicherung. (imago / Rainer Unkel)
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Viele Versicherungsunternehmen haben nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg im Kleingedruckten festgelegt, dass auch nach den gesetzlich erlaubten fünf Jahren und über die erlaubte Maximalhöhe hinaus noch Abschlusskosten einkassiert werden. Auf diese Weise zahlten Versicherte jedes Jahr drei Milliarden Euro zu viel, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Das ist ein doppeltes Abkassieren. Die holen sich da noch mal Kosten, die ihnen einfach nicht zustehen."

HDI-Kunden haben Chancen auf Rückzahlungen

Einem Versicherungs-Unternehmen zumindest hat das Oberlandesgerichts Köln dieses doppelte Abkassieren jetzt untersagt. HDI Lebensversicherung AG hat das Urteil akzeptiert, es ist damit für HDI-Kunden rechtskräftig. Die HDI hat erklärt, dass etwa 14.500 Verträge betroffen seien, die vor dem Jahr 2008 abgeschlossen wurden. Auf Wunsch der Kunden, wolle das Unternehmen prüfen, ob Geld zurückgezahlt werden kann. Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg rät HDI-Kunden dringend dazu, sich beim Unternehmen zu melden:

Die HDI-Kunden können sich an den HDI wenden.  Wir haben auf unserer Internetseite dazu Musterbriefe, die können sie sich runterladen mit entsprechender Formulierung, wie man an den Versicherer schreibt.

Für die Versicherten kann es dabei um Tausende von Euro gehen. Eigentlich durften die Versicherer bis vor kurzem nur 4 Prozent der Versicherungssumme als Abschlusskosten kassieren. Nach einer Statistik des Gesamtverbands der deutschen Versicherer lägen die durchschnittlichen Abschlusskosten allerdings bei 4,9 Prozent. Wenn diese 0,9 Prozent jetzt zurückgezahlt werden müssen, könnten Versicherte bei einer Lebensversicherung über 100.000 Euro von 1000 Euro Rückzahlung ausgehen, rechnet die Verbraucherzentrale Hamburg vor. Dass selbst die Versicherungslobby in ihrer Statistik auf durchschnittlich 4,9 Prozent Abschlusskosten kommt, statt der bis vor kurzem gesetzlich erlaubten 4 Prozent, spreche Bände, so Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Sie können schon an diesem Durchschnittswert sehen, dass es kein HDI-Phänomen ist. Sehr viele Versicherer machen von dieser doppelten Abschlusskostenabrechnung gebrauch und sehr viele Versicherer sollten sich besinnen und zurückzahlen."

Kunden können sich von Verbraucherzentralen beraten lassen

Deswegen sollten auch Kunden anderer Versicherungen den Musterbrief der Verbraucherzentrale an ihren Versicherer schicken. Ob Kunden betroffen sind, steht im Kleingedruckten der Lebens- oder Rentenversicherung. Das ist für Laien aber kaum zu erkennen, deswegen kann die Verbraucherzentrale Hamburg das gegen Gebühr prüfen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft lässt keine Fragen zu und seinen Sprecher nur ein Statement verlesen:

Das Oberlandesgericht bezieht sich auf konkrete Versicherungsbedingungen eines bestimmten Unternehmens. Ob die gleichen Klausel von anderen Unternehmen verwendet werden, wissen wir nicht. Eines ist aber auch nach diesem Urteil klar: Versicherungskunden zahlen keine Abschlusskosten doppelt. Insofern irrt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Verbraucherzentrale bleibt bei ihrer Behauptung.

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