Dienstag, 21.11.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Weichen in die richtige Richtung stellen14.11.2017

RentenberichtDie Weichen in die richtige Richtung stellen

Leicht sinkende Beiträge und steigende Renten: Die Rentensituation könnte sich deutlich bessern. Die künftige Regierungskoalition dürfe aber die Frage nach der künftigen Ausgestaltung nicht auf die lange Bank schieben, meint Volker Finthammer.

Von Volker Finthammer

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ARCHIV - Eine ältere Frau geht mit einem Rollator auf einem Weg entlang. (dpa)
Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt Anfang des kommenden Jahres voraussichtlich um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. (dpa)
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Und es gibt sie doch, die zwei Gesichter der gesetzlichen Rentenversicherung, die nicht voneinander zu trennen sind. Auf der einen Seite können wir uns als Beitragsszahler über leicht sinkende Abgaben freuen. Seit 1996 konnte der Beitragssatz nicht unter die Marke von 18,7 Prozent gesenkt werden. Im kommenden Jahr könnte das der Fall sein. Gleichzeitig steigen die Renten voraussichtlich um knapp über drei Prozent und damit stärker als die Inflationsrate an, sodass die Ruheständer real mehr Geld zur Verfügung haben. 

Auf der anderen Seite zeigen die Zahlen auch, dass immer mehr Menschen in Alter Geld hinzu verdienen wollen oder müssen, um über die Runden zu kommen und das wir ob der demographischen Entwicklung bei aller Freude nur von einem Zwischenhoch sprechen können. Denn die grundsätzlichen Probleme einer alternden Gesellschaft sind damit nicht aufgehoben und holen und spätestens im nächsten Jahrzehnt wieder ein, sofern es der künftigen Regierungskoalition nicht gelingt, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. 

Leicht steigendes Rentenniveau

Die gute Konjunktur und die steigende Beschäftigung sorgt für wachsende Einnahmen und ein stabiles ja sogar leicht steigendes Rentennivau. Der Abstand zwischen den Einkommen der Arbeitnehmer und der Ruheständler wird dadurch geringer und alle Prognosen über die künftige Entwicklung müssen derzeit nach oben und nicht nach unten korrigiert werden.  

Dennoch wird die neue Regierungskoalition die Frage nach der künftigen Ausgestaltung nicht auf die lange Bank schieben dürfen. Sie darf vor allem keine politischen Fehler begehen und etwa die CSU Pläne zur Mutterrente erneut auf den Schultern der Beitragszahler abladen. Sie muss diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe auch als eine solche behandeln und dafür die Steuerzahler, also alle zur Kasse bitten, um die Rentenkassen zu schonen. 

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Dort müssen andere Fragen beantwortet werden. Etwa die nach angemessenen Erwerbsminderungsrenten, um Altersarmut zu vermeiden, oder aber die wie man die Menschen möglichst lange in Arbeit hält und ihnen einen flexiblen Übergang in den Ruhestand ohne drastische Abschläge ermöglicht. Dass die Zahl der Erwerbstätigen kurz vor und im Rentenalter steigt, hat sicherlich zwei wesentliche Gründe. Zum einen gewiß den, das viele Geringverdiener auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sind, weil sie ihren Lebensstandard wenigstens einigermaßen halten wollen. 

Daher kommen die vielen 450 Euro Jobs, mit denen die Rente aufgebessert werden soll. Ein höheres Rentenniveau und besser Voraussetzungen für Geringverdiener würde diesen Anteil sicherlich schmälern und die Gefahr der Altersarmut beschränken. In diese Zahlen fallen aber auch all jene, die als gern gesehene Fachleute ohne gesundheitliche Einschränkungen weiter arbeiten wollen und können. 

Genau diesen Weg über flexible Renteneintrittsmodelle zu fördern, anstatt mit einer Regelaltersgrenze starre und ungeliebte Grenzen zu setzen, könnte auch ein sinnvoller Weg sein um die demographischen Herausforderungen abzufedern. Das Wohl und wehe der gesetzlichen Rentenversicherung allein von wenigen Parametern wie dem Beitragssatz und der Höhe des Rentenniveaus abzuleiten ist ohnehin kein hinreichendes Modell für die Zukunft. Es wäre wünschenswert, wenn die mögliche Jamaika Koalition auch vielfältige Antworten geben könnte, anstatt sich auf einen Minimalkonsens zu beschränken.

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

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