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RentendebatteJunge Union fordert Rente mit 70

Eine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung (dpa / picture-alliance / Daniel Karmann)
Eine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung (dpa / picture-alliance / Daniel Karmann)

Die Junge Union hat eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters von 67 auf 70 Jahre ab 2030 bis zum Jahr 2100 vorgeschlagen. Damit unterstützt die Jugendorganisation der CDU einen Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die SPD widerspricht, Sozialverbände fordern weiter eine Stärkung der gesetzlichen Rente.

"Um das Rentenniveau künftig nicht so weit absenken zu müssen, dass immer weniger Menschen davon leben können, sollten wir das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln", sagte der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak der "Rheinischen Post". Dies hätte nach seiner Einschätzung nur einen moderaten Anstieg des gesetzlichen Renteneintrittsalters zur Folge. "Der Jahrgang 1985, dem ich angehöre, müsste bis zum Alter von 67,5 Jahren erwerbstätig bleiben. Ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren würden wir erst im Jahr 2100 erreichen."

Bislang hatten Versicherte in der Gesetzlichen Rentenversicherung bis zum Jahrgang 1946 mit 65 in Rente gehen können. Bei allen späteren Jahrgänge steigt das Eintrittsalter, der Jahrgang 1964 ist der erste, der erst mit 67 in Rente darf - also im Jahr 2031. An dieses schließt sich der Vorschlag der JU an.

Kritik an Schäubles Vorstoß

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich zuvor angesichts der Alterung der Gesellschaft für einen späteren Rentenbeginn in Deutschland ausgesprochen. Die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung sollten in einen fast automatischen Zusammenhang auch in der Rentenformel gebracht werden, sagte Schäuble. "Wir müssen uns auf die demografische Entwicklung vorbereiten", sagte er. Größere Sorgen äußerte er auch zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Diese würden Deutschland in nächster Zeit noch "bitter schwer" gesellschaftlich beschäftigen. Auch die Industrieländer-Organisation OECD hatte Deutschland jüngst empfohlen, das gesetzliche Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Ohne Reformen würden die Rentenausgaben bis zum Jahr 2060 um mindestens 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, warnte die OECD.

Schäubles Aussagen stoßen beim Koalitionspartner SPD und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auf Kritik. Nicht jeder habe bis ins hohe Alter eine robuste Gesundheit, sagte die SPD-Fraktionsvizechefin Carola Reimann am Donnerstag. "Deshalb ist mehr realistisches Augenmaß gefordert." Schäuble müsse zu einer "pragmatischen Sachpolitik zurückkehren". DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte, es müsse eine Rente geben, "von der man auch künftig im Alter in Würde leben kann - und das heißt verlässliche Leistungen auch für die Jungen, sowie ein höheres Rentenniveau". Eine Anhebung der Regelaltersgrenze sei "de facto eine verdeckte Rentenkürzung", kritisierte Buntenbach. "Denn damit steigt auch die Zahl jener, die vorzeitig mit höheren Abschlägen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, weil sie es schlicht nicht gesund und in sozialversicherter Beschäftigung bis zur Rente schaffen."

Starke Rentensteigerung im Juli

In dieser Woche hatte die Bundesregierung das stärkste Rentenplus seit 23 Jahren beschlossen: Die Altersbezüge der rund 20,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland steigen am 1. Juli im Westen um 4,25 Prozent, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erklärte, die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, das Wirtschaftswachstum und die steigenden Löhne auch dank des Mindestlohns kämen unmittelbar den Rentnern zugute. Die umlagefinanzierte Rente "ist und bleibt die zentrale Säule unseres Alterssicherungssystems", fügte sie mit Blick auf die aktuelle Debatte über die steigende Altersarmut hinzu.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) erklärte, die "frohe Botschaft" ändere nichts an dem eigentlichen Problem der steigenden Altersarmut. "Rund 536.000 Rentner sind bereits heute auf Grundsicherung angewiesen", erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer. Ziel müsse es sein, das Rentenniveau zu stabilisieren. Der Sozialverband AWO warnte vor einem "Trugschluss" angesichts der Erhöhung. "Diese gute Entwicklung wird sich spätestens ab 2020 umkehren - steigende Beiträge und ein sinkendes Rentenniveau werden die Folge sein", erklärte AWO-Bundeschef Wolfgang Stadler. Auch er warnte vor einem weiteren Absinken des Rentenniveaus, stattdessen müsse es schrittweise wieder angehoben werden. Ziel müsse sein, die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken, so Stadler.

IG Metall: Jugendliche meiden private Vorsorge

Derzeit liegt das Rentenniveau - also das Verhältnis von Standardrente zu Durchschnittseinkommen - nur noch bei gut 47 Prozent. Es soll bis 2030 schrittweise auf 43 Prozent sinken. Dies hatte im Jahr 2004 die damalige rot-grüne Bundesregierung beschlossen. Die Altersversorgung der Bundesbürger gilt als ein zentrales Thema für den Bundestagswahlkampf 2017. Zuletzt hatte es sowohl von CSU-Chef Horst Seehofer als auch aus der SPD Vorstöße für ein höheres Rentenniveau gegeben. CSU-Chef Seehofer hatte die staatlich geförderte Privatvorsorge "Riester-Rente" kürzlich für gescheitert erklärt. 

Die Gewerkschaft IG Metall rief die Bundesregierung dagegen auf, ihre Förderung der zusätzlichen Altersvorsorge auszuweiten. "Die junge Generation wird immer mehr zur prekären Generation der Rentenpolitik", sagte Geschäftsführer Heribert Karch bei der Vorstellung einer Studie. Demnach sparen nur 35 Prozent der Jugendlichen zwischen 17 und 27 Jahren regelmäßig für ihre Altersversorgung.

Die Jugend habe wenig Vertrauen in die staatlich geförderten Modelle zusätzlicher Altersvorsorge, zu wenig Geld dafür oder beides. Die Rentenreform habe ihre Ziele verfehlt. Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der alle drei Untersuchungen leitete, sagte, die Jungen seien zwar grundsätzlich bereit, für das Alter vorzusorgen. : "Die Generation Y zweifelt immer mehr an der privaten Vorsorge. Nur 35 Prozent aller Jugendlichen sparen regelmäßig für ihre Altersversorgung."

(nch/dk)

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