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StartseiteNachrichten vertieftDie ominöse Zahl 5615.06.2015

Renteneintrittsalter in GriechenlandDie ominöse Zahl 56

In der hitzigen Debatte über Griechenlands fehlenden Reformeifer passt diese Zahl einfach zu gut ins Bild: Bei 56 Jahren soll das durchschnittliche Renteneintrittsalter der Griechen liegen - angeblich. So postulieren es derzeit Politiker und auch Medien. Doch die Zahl ist falsch.

Griechische Rentner protestieren gegen Kürzungen ihrer Bezüge (01.04.2015) (imago / ZUMA Press)
Griechische Rentner protestieren gegen Kürzungen ihrer Bezüge. (imago / ZUMA Press)
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"Griechenland spart zu wenig", "Die Griechen sind faul", "Die Griechen zahlen keine Steuern": So oder so ähnlich lauten nur drei von zahlreichen Vorurteilen, gegen die sich Griechenland zurzeit erwehren muss. Befürworter von harten Sparauflagen bemühen gerne Statistiken, um ihrer Forderung nach Reformen Nachdruck zu verleihen. Im aktuellen Fall ist es das Renteneintrittsalter.

Wie der Bildblog und der Blogger Stefan Niggemeier publik gemacht haben, fällt hier oft eine Zahl, die so aber nicht stimmt. Zuletzt im Deutschlandfunk am Montagmorgen. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs sagte im Interview: "Die Griechen haben ein durchschnittliches Renteneintrittsalter von 56,3 Jahren, bei uns liegt das bei 64. Das können wir auch unseren Bürgern nicht vermitteln und deswegen bin ich der Meinung, die Griechen müssen an den Verhandlungstisch zurückkommen, aber mit vernünftigen Vorschlägen."

Gestern nutzte der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach die gleiche Zahl in der ARD-Sendung "Günther Jauch": "Der griechische Ministerpräsident hat jetzt angeboten, das reale Renteneintrittsalter in Griechenland, das bei uns bei fast 64 Jahren liegt, auf 56 Jahre anzuheben." Zuvor hatten die Zahl die Bild-Zeitung und die FAZ in Umlauf gebracht.

Öffentlicher Dienst statt Gesamtbevölkerung

Bildblog und Niggemeier belegen - und das ergeben auch unsere Recherchen -, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter in Griechenland weitaus höher liegt, als die postulierten 56 Jahre. Die Bild-Zeitung bezog sich in ihrem Artikel auf Zahlen der griechischen Regierung - war offenbar aber in der Spalte verrutscht. 56 Jahre (genauer: 56,3 Jahre) bezieht sich auf das erwartete Renteneintrittsalter für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes und nicht auf das Alter aller Griechen. In der rechten Spalte erfährt man dagegen das erwartete Renteneintrittsalter für die wichtigsten Rententräger für Privatangestellte. Dieses liegt dann bei 60,6 Jahren.

((Quelle: Tagesspiegel/Griechische Regierung)) ((Quelle: Tagesspiegel/Griechische Regierung))

Renteneintrittsalter liegt höher

Für das tatsächliche Renteneintrittsalter in Griechenland gibt es allerdings verschiedene Statistiken und Zahlen: Die OECD schreibt in einem Bericht aus dem Jahr 2013 von 61,9 Jahren bei Männern und 60,3 Jahren bei Frauen. Das europäische Statistikamt Eurostat hat 2009 ein tatsächliches Renteneintrittsalter von 61,4 Jahren in Griechenland festgestellt.

(fwa/tk)

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