• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
StartseiteKalenderblattRestauration statt Revolution11.06.2009

Restauration statt Revolution

Vor 150 Jahren starb der österreichische Staatsmann Fürst von Metternich

Er stellte sich Reformen und den revolutionären Bestrebungen der Französischen Revolution entgegen: Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft begründet Klemens Wenzel Fürst von Metternich auf dem Wiener Kongress das System der Restauration. Vor 150 Jahren starb der konservative österreichische Staatsmann.

Von Volker Ullrich

Gegner der Französischen Revolution: Fürst von Metternich. (Louvre)
Gegner der Französischen Revolution: Fürst von Metternich. (Louvre)

"Er war eine Rokokofigur, komplex, feingeschnitten, ganz auf das Äußere bedacht, so wie ein feingeschliffenes Prisma. Sein Gesicht war schön, doch ohne Tiefe. Seine Rednergabe war brillant, aber ohne den letzten Ernst. Sei es daheim, im Salon oder auf Sitzungen des Kabinetts - elegant und geschmeidig, war er das Beau-Ideal der Aristokratie des 18. Jahrhunderts, die sich nicht durch ihre Taten, sondern durch ihre Existenz rechtfertigte."

So hat Henry Kissinger einmal den österreichischen Staatsmann Klemens Wenzel Fürst von Metternich charakterisiert. Tatsächlich war der 1773 in Koblenz geborene Sohn aus altem Adel ein Repräsentant des Ancien Régime. Im Unterschied zu vielen seiner Altersgenossen war Metternich daher auch von Anfang an ein erklärter Gegner der Französischen Revolution von 1789, deren ausstrahlende Wirkung er während seiner Studienzeit in Straßburg und Mainz in den frühen 90er-Jahren des 18. Jahrhunderts unmittelbar erlebte.

"Die Lehren der Jakobiner und der Appell an die Volksleidenschaft flößten mir einen Ekel ein, den Alter und Erfahrung in mir nur verstärkt haben."

Für die Familie Metternich bedeutete der Vormarsch der französischen Revolutionsarmeen im Jahr 1794 eine Katastrophe: Sie verlor alle ihre am Rhein gelegenen Besitzungen. In Wien fanden die Metternichs eine neue Heimat.

Klemens heiratete die Enkelin des großen Staatskanzlers der Kaiserin Maria Theresia, des Fürsten von Kaunitz. 1801 wurde der gerade 28-jährige Reichsgraf zum österreichischen Gesandten in Dresden berufen, 1803 wechselte er in die preußische Hauptstadt Berlin. 1806, nach der österreichischen Niederlage gegen Napoleon bei Austerlitz, folgte die Berufung auf den wichtigsten Posten der österreichischen Diplomatie - die Gesandtschaft in Paris. Hier hatte Metternich Gelegenheit, den französischen Kaiser und damals mächtigsten Mann Europas genau kennenzulernen.

"Napoleon erschien mir als die Fleisch gewordene Revolution, während ich in der Macht, die ich bei ihm zu vertreten hatte, die sicherste Hüterin der Grundlagen erblickte, welche allein die Ruhe und das politische Gleichgewicht verbürgen."

Die Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts - das war das Ziel, das Metternich unverrückbar vor Augen stand, nachdem er 1809 zum österreichischen Außenminister und Leiter der Staatskanzlei ernannt worden war. Und das hieß: Frankreich durfte nach dem erwarteten Scheitern Napoleons nicht so weit geschwächt werden, dass es als europäische Großmacht ausfiel, Russland aber umgekehrt nicht so mächtig werden, dass es sich zur neuen Hegemonialmacht aufschwingen konnte. Mit dieser Linie vermochte sich Metternich auf dem Wiener Kongress von 1814/15, der die europäischen Verhältnisse im Zeichen einer monarchischen Restauration neu austarierte, weitgehend durchzusetzen.

Auch bei der Regelung der deutschen Frage triumphierte Metternich: Anstelle eines Nationalstaats begnügte man sich mit dem lockeren Zusammenschluss des Deutschen Bundes, in dem Österreich eine Führungsrolle zufiel. Diese Position nutzte Metternich, um nach 1815 rigoros gegen alle liberalen und nationalen Bestrebungen vorzugehen. Höchst gelegen kam ihm dabei die Ermordung des Dramatikers August von Kotzebue durch den radikalen Burschenschaftler Karl Ludwig Sand im März 1819. Seinen Vertrauten, Friedrich von Gentz, ließ Metternich wissen:

"Meine Sorge geht dahin, der Sache die beste Folge zu geben, die möglichste Partie aus ihr zu ziehen."

Das Ergebnis waren die Karlsbader Beschlüsse vom September 1819. Mit ihnen begann eine Periode der Zensur und Gesinnungsschnüffelei, der Verfolgung und Unterdrückung aller freiheitlichen Geister. Doch Metternichs Versuch, mit polizeistaatlichen Mitteln für Ruhe und Stabilität zu sorgen, war zum Scheitern verurteilt. Im März 1848 brach das System der Restauration endgültig wie ein Kartenhaus zusammen. Metternich musste zurücktreten; er floh nach London.

Erst 1851 konnte er nach Wien zurückkehren. Als er dort am 11. Juni 1859, im hohen Alter von 86 Jahren, starb, war die Epoche, der er den Namen gegeben hatte, nur mehr eine ferne Erinnerung.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk