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StartseiteSport am WochenendeRetter oder Opportunist?18.02.2012

Retter oder Opportunist?

Der potentielle US-Präsidentschaftskandidat Romney legte den Grundstein seiner politischen Karriere auch im Sport

Die Idee kam von einem PR-Berater und sollte einen ganz bestimmten Zweck erfüllen: Den neuen Mann an der Spitze als einen Managertyp präsentieren, der nicht vor riskanten Aufgaben zurückschreckt. Und so bot Mitt Romney im Februar 2000 auf der Bob- und Rodelbahn von Park City den Zuschauern des amerikanischen Fernsehens etwas sehr Verwegenes. Eine Solo-Abfahrt mit dem Kopf voran auf dem Skeleton. Spitzengeschwindigkeit rund 100 Stundenkilometer.

Von Jürgen Kalwa

Der US-Republikaner Mitt Romney bei einer Wahlkampagne in Florida. (dapd / Charles Dharapak)
Der US-Republikaner Mitt Romney bei einer Wahlkampagne in Florida. (dapd / Charles Dharapak)

Der Auftritt machte Eindruck. Genauso wie der zwei Jahre später bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City:

"”Ladies and Gentleman, the President and CEO of the Salt Lake Organizing Committee, Mister Mitt Romney, and the President of the International Olympic Comittee... .”"

Romney formulierte an der Seite von IOC-Präsident Jacques Rogge seine Gedanken über den Wert von Sport als moderner Traumfabrik:

"Is this a great show or what?”"

Es war eine Show - eine dieser typischen amerikanischen, symboltriefenden Einlagen mit einem aus New York herbeigeschafften, zerfledderten Sternenbanner, das sich noch wenige Monate vorher auf dem World Trade Center befunden hatte. Die Spiele von Salt Lake City - sie sollten den USA und dem Rest der Welt zeigen, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Großmacht nicht kleingekriegt hatten.

Noch heute zehrt Romney von diesen Momenten, wenn er als Wahlkämpfer durch Amerika zieht und die Qualitäten seines Heimatlandes beschwört. Das geht seit zehn Jahren so. Denn 2002 war das Olympische Feuer kaum erloschen, da startete er bereits die erste Kampagne. Die um das Amt des Gouverneurs von Massachusetts, seinem Heimatstaat. Seit 2007 strebt er - frei nach dem olympischen Motto - noch höher und noch weiter. Nur schneller geht es nicht. Sein erster Versuch, Präsident der USA zu werden, scheiterte vor vier Jahren im Dickicht der Vorwahlen der Republikanischen Partei. Dass er diesmal eine Runde weiterkommt, ist nicht sicher.

Immerhin: In seinen Werbevideos redet er viel über sein Leben und seine Verdienste. Wozu jener abgezirkelte Satz gehört, wonach er damals dabei geholfen habe, die Olympischen Winterspiele von Salt Lake City "zu retten":

""I’ve been in the same church. My entire life. I worked at one company, Bain, for 25 years. And I left that to go off and help save the Olympic Games. If I am President of the United States I will be true to my family and my faith and to our country. And I will never apologize for the United States of America. I am Mitt Romney and I approved this message."

Die Botschaft ist immer die gleiche: Der mittlerweile 64-jährige Geschäftsmann und Berufspolitiker, Nachfahre einer polygamen Mormonenfamilie, Sohn eines ambitionierten Politikers und sehr vermögend, sieht sich als den idealen Mann für schwierige Aufgaben. So schrieb er bereits 2004 ein ganzes Buch über seine Arbeit in Salt Lake City. Es heißt "Turnaround" - ”Wende”. Schon bei der Abschlussfeier klang er so, als habe man unter seiner Führung etwas geleistet, was niemand für möglich gehalten hatte:

"Well, Olympians and people of Salt Lake City, we did it."

Das nervt Menschen in Salt Lake City noch heute. Denn es gab damals keine wirkliche Krise. Die Organisation mit mehr als 20.000 hochmotivierten freiwilligen Helfern stand. Und die Sportanlagen waren längst gebaut, als Romney an Bord kam. Es handelte sich schlichtweg nur um ein Imageproblem. Der Bestechungsskandal hatte die ehrenwerten Bürger von Salt Lake City beschämt und nebenbei das IOC als korrupte Institution entlarvt.

Mike Gorell von der "Salt Lake Tribune” betrachtete damals als Reporter das Ganze aus nächster Nähe und spitzte aus Anlass des zehnjährigen Jubiläms der Spiele mit der Schlagzeile "Romney: Olympischer Retter oder Opportunist?” die Frage nach Romneys Selbstverherrlichung zu. Das Fazit: Der Mann hatte durchaus Meriten.

"Er ging los und sprach jede Firma an, die er finden konnte, und war in der Lage, eine Menge Geld für Sicherheitsmaßnahmen zu bekommen. Das war nach dem 11. September. Er hat viel Geld besorgt, weil er gut reden konnte."

Seine eloquenten Auftritte sorgten tatsächlich für eines: Der Bestechungsskandal rückte in den Hintergrund. Sponsoren griffen wieder zum Scheckbuch. Weshalb sich kaum jemand an die altväterliche Art und Weise erinnert, mit der Romney damals ernsthafte Probleme des Sports herunterspielte, weil die nicht in seine PR-geschönte Sicht der Dinge passen: "Jedes Mal, wenn man die Menschheit auf die Weltbühne stellt, gibt es großartige Momente und wird menschliche Schwäche enthüllt", sagte er zum Schluss der Veranstaltung. "Es wird immer Kontroversen über Kampfrichter und Doping geben."

Anders als der Amtsinhaber Barack Obama, der zu Collegezeiten ein ziemlich guter Basketballer war, ist der Präsidentschaftskandidat Mitt Romney sportlich eher desinteressiert. Beim Besuch der Spiele in Peking 2008 faszinierten ihn vor allem die Beachvolleyballerinnen in ihren knappen Bikinis. "Eine meiner Lieblingsveranstaltungen", sagte er neulich. Sein Wochenendhaus in New Hampshire verfügt zwar über ein Basketballspielfeld und einen Tennisplatz, eine Bootsanlegestelle und einen privaten Strand am See. Aber Romney scheint das alles nicht wirklich zu genießen. Seine Golfschläger sind dritte Wahl. Gekauft in einer Billigladenkette.

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