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StartseiteHintergrundCDU-Fehleranalyse in Oggersheim 14.03.2016

Rheinland-Pfalz-WahlCDU-Fehleranalyse in Oggersheim

Große Enttäuschung bei der CDU in Ludwigshafen, der Heimatstadt Helmut Kohls: Schon 20 Jahre lang gelingt es der Partei in Rheinland-Pfalz nicht, die Macht zurückzuerobern. Die AfD hat in den beiden Ludwigshafener Wahlkreisen 20,7 und 18,8 Prozent erzielt - dennoch will die CDU-Basis keine Rückkehr zu einem strenger konservativen Kurs.

Von Ludger Fittkau

Eine Person geht die Treppe der Parteinzentrale der CDU Rheinland-Pfalz am 14.03.2016 in Mainz nach oben. (picture alliance / dpa - Andreas Arnold)
Am Tag nach der Wahl: Katerstimmung bei der CDU. (picture alliance / dpa - Andreas Arnold)

Eine Akkordeonspielerin im Dirndl bietet alpenländische Volksmusik zu zünftigem bayerischen Essen und Weißbier. Ein bayerisches Brauhaus ist der Heimatstadt Helmut Kohls der Ort, an dem die Ludwigshafener CDU nach der Niederlage bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl ihren Frust runterspült. Das Weißbier-Brauhaus ist auch ein kulturelles Statement: Hier mag man die bayerische Lebensart, die Pfalz hat ja schließlich mal zu Bayern gehört. Hier mag man auch die CSU und sogar Horst Seehofer, der Julia Klöckner im Wahlkampf unterstützte. Cornelia Eisenstein, CDU-Mitglied:

"Also, ich bin bei der Veranstaltung gewesen, wo er da war. Es war ein Massenandrang. Er hat schon polarisiert, er hat die Massen angezogen."

Ist Ludwigshafen- die Heimatstadt Helmut Kohls - also schwärzestes Kernland, eine Hochburg des Konservatismus in der CDU, wo man womöglich künftig lieber CSU-Politik machen würde, um zu verhindern, dass rechts von der Union eine Partei stark wird? Die CDU-Mitglieder Heidemarie Gebhard-Cordero und Peter Übel antworten nachdenklich:

"Die Frage ist: Wollen wir auf Populismus setzen oder weiterhin einen Weg gehen, den wir für richtig halten?"

"Ja, das ist natürlich eine schwierige Frage. Da ist diese Gratwanderung zwischen humanitären Entscheidungen und Entscheidungen, die die Integrität der Bevölkerung hier, den sozialen Frieden nicht gefährden."

"Ganz furchtbar! Die Position, die die AfD bringt…"

Bevor sich die CDU in das bayerische Brauhaus zurückzieht, versammelt man sich mit Kommunalpolitikern der anderen Fraktionen am Wahlabend um 18 Uhr im nur wenige hundert Meter entfernten Rathaus von Ludwigshafen. Als die ersten Ergebnisse aus den örtlichen Wahlbezirken kommen, stöhnen hier viele auf. Die AfD hat aus dem Stand in der Chemiestadt und Heimat Helmut Kohls Ergebnisse um 20 Prozent eingefahren. Heidemarie Gebhard-Cordero:

"Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland inzwischen so sehr um Besitzstandswahrung geht, dass wir in unserer Bequemlichkeit auch nicht ein Krümelchen davon abgeben möchten."

Klar, erzählen später im bayerischen Brauhaus andere Ludwigshafener CDU-Mitglieder, die AfD habe überall in der Stadt massiv Plakate geklebt, auf denen etwa mit schwarzen Silhouetten an die Übergriffe aus der Kölner Silvesternacht erinnert wurde. Klar, damit habe die AfD Ängste angesprochen, die es in der Bevölkerung tatsächlich gebe.

Doch das dürfe jetzt nicht dazu führen, dass man den Rechtspopulisten thematisch hinterherlaufe, da sind sich die Parteimitglieder einig. Weder mit einer menschenverachtenden Asylpolitik, noch mit einer Familienpolitik, die die Frau am liebsten wieder zum "Heimchen am Herd" mache. Peter Übel, sozialpolitischer Sprecher der CDU im Ludwigshafener Stadtrat:

"Ganz furchtbar! Die Position, die die AfD bringt, wenn man das liest, das ist ganz furchtbar. Da möchte ich nicht mit aller Macht nicht hin zurückkommen. Das muss ich ganz klar sagen. Da ist mit mir auch keine Diskussion möglich."

Erinnerungen an Kohl

Ein bisschen jedoch wünscht sich manches Ludwigshafener CDU-Mitglied am Abend der bitteren Wahlniederlage die Zeiten zurück, in denen Helmut Kohl in der Stadt für Glanz sorgte, der auch die Partei mit erstrahlen ließ. Cornelia Eisenstein:

"Das waren schon interessante Ereignisse. So viele Staatsgäste, die hier vorbeigeschaut haben in der Region und in der Stadt."

"Man denkt sicher an ihn. Und immer, wenn bestimmte Ereignisse sind, fällt auch immer der Name Helmut Kohl. Aber für mich und für meine Generation … für mich spricht eher die Julia Klöckner. Natürlich finde ich, auch unsere Oberbürgermeisterin macht tolle Arbeit. Ich bin eher auf der Frauenschiene", sagt CDU-Kreisvorstandsmitglied Gudrun Brendel-Utzinger. Auch Heidemarie Gebhard-Cordero will keine Abkehr von der neuen Frauenpower der Partei unter Merkel:

"Die Ära Kohl ist ja nun auch schon längere Zeit zu Ende."

Diejenigen, die für die konservativere CDU der Kohl-Ära stehen, sind womöglich längst zur AfD abgewandert. Darüber ist man in Ludwigshafen besorgt- doch einen Kurswechsel der modernisierten Merkel-CDU ist vor allem mit den aktiven Frauen in der Partei nicht zu machen.

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