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StartseiteKommentare und Themen der WocheAbschaffung des Roamings geht nicht weit genug15.06.2017

Roaming-GebührenAbschaffung des Roamings geht nicht weit genug

Statt sich für die Abschaffung des Roamings zu rühmen, sollte die Europäische Union bei der Neuregelung kräftig nachbessern, kommentiert Georg Ehring im Dlf. Denn es gebe weiterhin so viele Schlupflöcher, dass man beinahe schon das Knallen der Sektkorken bei den Lobbyisten der Telekom-Branche hören könne.

Von Georg Ehring

Eine Frau telefoniert mit ihrem Mobiltelefon am Strand. (picture alliance / dpa/ Friso Gentsch)
"Mobilfunk-Anbieter können die neue Verordnung aushebeln, indem sie Tarife ausschließlich für das Inland anbieten", kommentiert Geord Ehring im dlf. (picture alliance / dpa/ Friso Gentsch)
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Endlich einmal ein Erfolg für den Verbraucher: "Die Europäische Union erleichtert uns das Leben auf sehr praktische Weise" - so das Eigenlob des zuständigen Ministers Emmanuel Mallia aus Malta, das derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat. Und in der Tat: Urlauber können sich darüber freuen, dass sie künftig aus anderen Ländern der Europäischen Union so billig nach Hause telefonieren können wie aus dem Inland.

Ein überfälliger Schritt, zumal es für höhere Tarife beim grenzüberschreitenden Telefonieren und beim mobilen Surfen von der Technik her keine Rechtfertigung gibt. Wie groß der Fortschritt ist, das zeigt der Vergleich mit Mobilfunk-Tarifen deutscher Anbieter in Ländern außerhalb der EU - da kostet die Telefonminute oft noch mehrere Euro, die SMS fast 50 Cent.

Goldgrube Roaming ist noch offen

Doch das gegenseitige Schulterklopfen zwischen EU-Oberen und Verbraucherministern könnte noch übertönt werden vom Knallen der Sektkorken bei den Lobbyisten der Telekom-Branche. Sie haben sich erfolgreich bemüht, die Goldgrube "Roaming" viel weiter offen zu lassen als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Und das gleich in mehreren Bereichen:

Telefonieren aus dem Inland ins europäische Ausland, also von Deutschland nach Frankreich, Spanien oder Bulgarien bleibt so teuer wie es ist - damit ist ein großer Teil der internationalen Telefongespräche vom Fortschritt ausgenommen. Und Mobilfunk-Anbieter können die neue Verordnung aushebeln, indem sie Tarife ausschließlich für das Inland anbieten - die Oma im Urlaub von Mallorca aus anrufen ist dann schlicht ausgeschlossen.

Ob darüber hinaus Sondertarife mit zusätzlichen Kosten für Datendienste im Ausland legal sind, das werden vermutlich Gerichte entscheiden. Die Abschaffung des Roaming ist so voller Schlupflöcher, dass Verbraucherschützer Urlaubern einen sehr genauen Blick ins Kleingedruckte ihres Handy-Vertrages empfehlen, damit die vor unangenehmen Überraschungen geschützt sind.

Telefonieren im Ausland: maximal vier Monate

Doch es kommt noch krasser: Der größte Lobby-Erfolg ist die Missbrauchs-Klausel, die das günstige Telefonieren im Ausland auf vier Monate beschränkt. Damit soll verhindert werden, dass EU-Bürger sich ihre SIM-Karte bei günstigen Telefonanbietern etwa in Osteuropa beschaffen, um damit in der Heimat auf Dauer billig telefonieren zu können. Aber halt! Wieso soll der Kauf einer SIM-Karte im EU-Ausland eigentlich Missbrauch sein? Der Europäische Binnenmarkt ist doch gerade dafür geschaffen worden, um Einkäufe im Ausland zu erleichtern, Grenzen zu beseitigen und dadurch Druck auf überhöhte Preise in einzelnen Mitgliedsstaaten zu machen.

Gerade bei der Telekommunikation sind die Preisdifferenzen enorm, da würde sich der Einkauf  über die Grenze hinweg richtig lohnen - und ausgerechnet hier soll er verhindert werden?  Wer im Inland Telefonkosten sparen will und dafür eine ausländische Vorwahl in Kauf nehmen würde, sollte das tun können.

Bei allem Fortschritt: Es ist unredlich, die Neuregelung als Abschaffung des Roamings, als Ende der Aufschläge für das mobile Telefonieren und Surfen im Ausland zu feiern. Die Europäische Union muss kräftig nachbessern, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden will.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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