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StartseiteSprechstundeBesonders gefährlich für schwangere Frauen20.01.2015

RötelnBesonders gefährlich für schwangere Frauen

Radiolexikon Gesundheit

Zu den so genannten Kinderkrankheiten gehören die Röteln, weil sie typischerweise in frühen Lebensphasen durchgemacht werden. Die Rötelnerreger - Rubellaviren - werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, die Inkubationszeit beträgt zwei bis drei Wochen. Gefährlich sind Röteln vor allem für schwangere Frauen.

Von Justin Westhoff

Gegen Röteln kann man impfen (AP)
Gegen Röteln kann man impfen (AP)
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Marina Gregg ist Schauspielerin, und Heather Badcock ihr glühender Fan. Sie fühlt sich echt schlapp, aber diese Gelegenheit will sie nicht verstreichen lassen. Sie überpudert ihren Ausschlag, den sie seit ein paar Tagen hat, um ihrem Idol persönlich zu begegnen. Jahre später, Marina Gregg hat inzwischen ein behindertes Kind zur Welt gebracht, treffen sich die Beiden wieder. Naiv erzählt Frau Badcock von ihrem damaligen Verhalten, es wird klar, dass sie sich nichts dabei gedacht hatte. Helfen wird es ihr nicht: Die Schauspielerin erkennt die Verehrerin als Verursacherin ihres Leidens – und bringt sie um.

Die Geschichte hat sich Englands berühmte Krimiautorin Agatha Christie ausgedacht. Die medizinischen Fakten in dem Buch "Mord im Spiegel" sind korrekt recherchiert. Die Ursache für die Krankheit des Kindes war eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft.

Agatha Christies Miss Marple hat den fiktiven Mord übrigens später auch im Film aufgedeckt, in dem Stars wie Elizabeth Taylor, Rock Hudson, Tony Curtis und Geraldine Chaplin mitspielten.

Und dass die Protagonistin in Buch und Film Marina Gregg heißt, ist kein Zufall. Denn der australische Augenarzt Norman Gregg war es, der in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die Ursache für ein Bündel von Behinderungen bei Neugeborenen herausgefunden hat.

"Die Röteln sind vor allen Dingen gefährlich, wenn eine Frau, die schwanger ist, ihr Kind ansteckt. Und vor allem in der Frühschwangerschaft kann es da zu den schwersten Behinderungen kommen oder auch zu Totgeburten. Und jede Frau, die einen Kinderwunsch hat, sollte eben auch wissen, wie ihr Immunstatus ist und sich gegebenenfalls dannvorher impfen lassen. "

… sagt Dr. Sabine Reiter, beim staatlichen Robert-Koch-Institut zuständig für Impfungen.
Zu den so genannten Kinderkrankheiten gehören die Röteln, weil sie typischerweise in frühen Lebensphasen durchgemacht werden. Zudem gehört ihr Erreger zur selben Virusgruppe wie Masern und Mumps.

Ein Virus ist ein winziger Strang aus Erbgut, der in eine Eiweißhülle verpackt ist. Es kann sich nicht selbst vermehren, sondern nistet sich im Wirtsorganismus ein und manipuliert dessen Zellen.

Mumps befällt zunächst gezielt die Ohrspeicheldrüsen, dann aber auch andere Organe und kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Masern fangen mit harmlos scheinenden Beschwerden an und können schwerste Komplikationen – vor allem im Gehirn – herbeiführen und tödlich enden. Im Vergleich dazu sind Röteln meist weniger gefährlich. Oft verläuft die Kinderkrankheit unsichtbar oder milde. Aber:

"Es können auch zahlreiche Komplikationen eintreten, die allerdings sehr selten sind, von einer Entzündung der Herzmuskulatur bis hin zu einer so genannten Meningoenzephalitis, also einer Entzündung der Hirnhäute, und des Hirnes selbst, ein ebenfalls typisches Zeichen: auch die weißen Blutkörperchen können verringert sein," sagt Dr. Ulrich Fegeler, Sprecher des Kinderärzte-Berufsverbandes.

Übertragen durch Tröpfcheninfektion

Die Rötelnerreger – Rubellaviren – werden beim Niesen, Husten und Sprechen von Mensch zu Mensch übertragen, eine Tröpfcheninfektion. Zwischen Ansteckung und Erkrankung vergeht eine Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen.

"Man sieht dann meistens einen Ausschlag, der beginnt meist im Gesicht mit einigen kleinen Fleckchen, die diskret erhaben sind, dieser Ausschlag geht auf den ganzen Körper über und bietet dann ein eindrucksvolles Exanthemstadium, das ist dieses Ausschlagstadium, welches sich allerdings relativ rasch zurückbildet, also innerhalb spätestens einer Woche ist das alles wieder verschwunden, manchmal schon nach ein paar Tagen. Auftreten dabei können auch Lymphknotenschwellungen, finden sie sich nicht, ist fast das Vorliegen der Röteln unwahrscheinlich. "

Doch für die Eltern gibt es, so der Berliner Kinderarzt, ein Problem. Die ersten Anzeichen der Rötelninfektion sind denen einer Erkältung ähnlich, und im späteren Verlauf ist eine Verwechslung mit anderen Kinderinfektionen möglich.

"Leider Gottes gibt es viele ganz unspezifische Viruserkrankungen, die mit Flecken einhergehen. Für den, der also häufig Rötelnbilder gesehen hat, ist es eigentlich kein großes Problem, es gibt aber ein paar unspezifische Viren, die ähnliche Exantheme hervorrufen können, ich denke da nur an die Ringelröteln, die im Gesicht ganz ähnlich sind, allerdings auf dem Körper etwas anders. Das ist für den Laien sicher nicht zu unterscheiden."

Nach der Diagnose sind zwei Dinge wichtig: Bettruhe für das Kind und Isolierung, um andere nicht anzustecken. Ansonsten: "Eine spezifische Behandlung gibt es nicht, wenn überhaupt ne Behandlung notwendig, macht man rein symptomatische Behandlungen: fiebersenkende Maßnahmen, dass man etwas Kühlendes in den Nacken legt, aber das ist es auch schon!"

Weltweit sind Röteln sehr verbreitet, in Deutschland hingegen nur noch selten, weil eine Impfung zur Verfügung steht. Gerade dieser Erfolg aber verführt zu Nachlässigkeit, kaum jemand kennt noch die teils verheerenden Folgen von Virusinfektionen bei Kindern. Und bei Röteln, wie gesagt, ist das Hauptproblem, dass eine frisch infizierte schwangere Frau ihr Ungeborenes ansteckt. Das führt zu Totgeburten oder schwersten Behinderungen beim Baby. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst alle Kleinkinder – Mädchen und Jungen – geimpft werden, denn nur so sind gegenseitige Ansteckungen zu vermeiden. Erst wenn – wie Fachleute dies nennen – die "Durchimpfungsrate" in der Bevölkerung weit über 90 Prozent liegt, verliert die Krankheit ihren Schrecken. Impfexpertin Sabine Reiter:

"In den letzten Jahren ist die Durchimpfung sehr deutlich gestiegen, aber wir wissen, dass beispielsweise die Impfquote bei 14- bis 17jährigen doch nur 65 Prozent bei der zweiten Rötelnimpfung beträgt, also da ist noch sehr, sehr viel zu tun für Gynäkologen und Kinderärzte."

Denn nach der ersten Immunisierung muss noch eine Auffrischungs-Impfung erfolgen. Heutzutage erhalten Kleinkinder fast immer eine Dreifachimpfung, "MMR", gegen Masern, Mumps und Röteln, zum Teil zugleich gegen Windpocken. Bei sehr guter Wirksamkeit sind die Nebenwirkungen gering.

"Bei dieser Kombiimpfung kann es, wie bei allen anderen Impfungen, zu Schmerzen an der Einstichstelle kommen, zu Rötungen, vorübergehendem Unwohlsein, auch gelegentlich 'mal zu leichtem Fieber, und in seltenen Fällen auch zu so genannten Impfmasern, das heißt, es ist eine Form der Infektionskrankheit, die aber nicht ansteckend ist und auch sehr viel leichter verläuft."

Bei anderen Impfungen gab es früher einmal heftigere Komplikationen.
Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler:

"Das trifft aber für diese Impfung überhaupt nicht zu, die Maser-Mumps-Röteln-Windpocken-Impfung, in dieser Kombination ja häufig angeboten, ist eine ausgesprochen harmlose Impfung."

Das hält Impfgegner nicht davon ab, vor angeblich schlimmen Folgen der MMR-Kombination zu warnen. Dr. Sabine Reiter hat dafür so ihre Erklärung:

"In den deutschsprachigen Ländern, also auch in der Schweiz und Österreich, ist die Skepsis in weiten Teilen der Bevölkerung sehr verbreitet, das kommt vor allen Dingen daher, dass Viele denken, das sei eine harmlose Kinderkrankheit und das Durchmachen würde das Immunsystem stärken, und wir im Gegensatz zu anderen Ländern auch spüren, dass die Anthroposophen einen starken Einfluss in dieser Frage haben, in den letzten Jahren, wenn wir Masernausbrüche in Schulen und Kindergärten hatten, waren die oft in Waldorf-Kindergärten oder anthroposophischen Schulen."

Gegenüber skeptischen Eltern macht die Expertin auf eine merkwürdige Verschiebung von Prioritäten aufmerksam:

"Meistens argumentiere ich so, dass ich sage, dass heute jeder für seinen Computer einen Virenschutz hat, und es gibt so viele Krankheiten, die Kinder bekommen können, da kann man sie vor ein paar wirklich schweren Krankheiten wirksam schützen mit Impfungen."

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