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StartseiteWirtschaft und GesellschaftGold verliert an Glanz 30.12.2013

Rohstoff-SpartenGold verliert an Glanz

Erstmals seit Beginn des Jahrtausends wird der Goldpreis ein Jahr mit Verlusten abschließen. Viele Experten hatten völlig andere Erwartungen. Aber auch für andere Rohstoffsparten verlief 2013 recht problematisch.

Von Jule Reimer

Anlagegold wird in Form von Goldbarren und Goldmünzen vertrieben. (AP)
Gold verliert an Bedeutung für Inflationsschutz. (AP)
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Goldene Geldanlagen (Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 17.12.2012)

"Wir haben mal Phasen am Kupfermarkt gehabt, wo die Kupferpreise in der Nähe von 10.000 Dollar pro Tonne lagen, das hat sich dann etwas relativiert, der Durchschnitt 2013 liegt etwa bei 7300 Dollar."

Für Unternehmenssprecher Dieter Birkholz hat sich der Roh­stoffmarkt entspannt. Sein Unternehmen Aurubis ist der zweit­größte Kupferproduzent der Welt mit Hauptsitz in Hamburg. Aurubis schmilzt, recycelt und legiert Kupfer überall in der Welt. Prognosen über die weitere Preisentwicklung scheut Birkholz, sagt nur eins: Wesentlich billiger wird Kupfer 2014 nicht.

Denn China meldet sich gerade als starker Nachfrager zurück – auch weil die Kupferpreise gesunken sind.

Bei anderen Rohstoffen dagegen ergebe sich derzeit aufgrund der Preisrückgänge eine verhängnisvolle Pattsituation, warnt Dirk Paskert, Chef der neu gegründeten Rohstoffallianz. Zu der haben sich mehrere deutsche Unternehmen zusammengeschlossen, Paskert soll für sie über weltweite Kooperationen den Zugang zu Rohstoffen sichern.

"In der momentanen konjunkturellen Lage, wo die Rohstoffpreise sinken, gibt es kaum mehr frisches Kapital, was in die Rohstoffmärkte investiert wird und das macht im Moment vielen Projekten, die noch zwei, drei Jahre bis zur Produktion brauchen, große Probleme."

Beispiel Seltene Erden. 2010/2011 hatte China deren Produktion weitgehend monopolisiert und Exportbeschränkungen verhängt, die Preise schossen in die Höhe. Also wurden Minenprojekte in den USA, Australien etc. wieder attraktiver, doch die brauchen einen langen Vorlauf bis zum Betrieb.

Dagegen geriet die westliche Rohstoffbranche 2013 selbst in die Kritik und ins Visier europäischer Ermittler. Investment­fonds und Rohstoffhändler stehen im Verdacht, Aluminium zurückgehalten zu haben – um mit Aufschlägen für schnellere Lieferung Kasse zu machen. Ab April 2014 soll dies nicht mehr vorkommen, die Londoner Metallbörse „London Metall Exchange“ (LME) verpflichtet alle, die bei ihr mit Rohstoffen handeln, spätestens nach 50 Tagen zu liefern. Der Kupferkonzern Aurubis sitzt im Vorstand der LME. Dieter Birkholz:

"Es ist von Manipulation die Rede gewesen, aber es ist letztlich auch nicht bestätigt worden. Es ist letztlich auch eine Frage der Verfahrensweise gewesen und das waren zum Teil auch die Regeln der LME, die von manchen Leuten vielleicht nicht sinngemäß ausgelegt worden sind."

Ob es bei der Bestimmung des Goldpreises mit rechten Dingen zugeht, schauen sich derzeit Bankaufseher in London und Frankfurt an. Fünf Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank, betreiben das tägliche Fixing in Eigenregie per Telefonkonferenz, in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage, heißt es - ein 1919 eingeführtes System, von dem weltweit riesige Geldströme abhängen. Noch gibt es keine offiziellen Ermittlungen.

Was die Entwicklung des Goldpreises selbst angeht, lagen fast alle Analysten Anfang 2013 komplett daneben. Bis zu 2000 Euro für die Feinunze hatte Chefanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank für Ende 2013 vorausgesagt – und dabei zwei Dinge unterschätzt: Dass die Politik der US-Notenbank die Goldmärkte ziemlich kalt ließ und dass nicht nur sicherheitsbewusste Anleger in Gold investiert hatten, sondern auch solche mit rein spekulativen Motiven, die schnell wieder weg waren, als es mal bergab ging.

"Ja, in großem Stil waren es tatsächlich auch die Hedgefonds und andere Investmentfonds. Sie sind teilweise in den Bondmarkt zurück, weil die amerikanischen Anleihen auch endlich eine positive Realrendite anbieten – das heißt, die Nominalrendite ist aktuell höher als die gegenwärtige Inflation - und teilweise sind die auch in die Aktien zurück."

Deutlich besser lag das Team der Commerzbank bei der Voraus­sage für den Erdölmarkt. Um die 110 Euro pendelte der Preise für das Barrel Brent-Öl 2013, die Einigung der USA mit dem Iran über das Atomprogramm brachte Ruhe in den Markt, ebenso wie der wieder auferstandene Star unter den Erdölproduzenten:  

"Die USA produziert derzeit so viel Öl wie seit 25 Jahren nicht mehr: über 8 Millionen Barrel allein an Rohöl. Es ist aber auch davon auszugehen, dass auch im nächsten Jahr die Ölpreise nicht über 120 US-Dollar steigen werden dank der Schieferölproduktion der USA."

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