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StartseiteVerbrauchertippBetrugsmaschen beim Online-Dating07.06.2018

Romance-ScammingBetrugsmaschen beim Online-Dating

Erst wird geflirtet, dann kommen plötzlich Forderungen nach Geld: In Online-Dating-Portalen gibt es immer wieder Fälle von vorgetäuschter Liebe. Die Betrüger gehen psychologisch geschickt vor. Doch es gibt einige Merkmale, an denen man sie erkennen kann.

Von Ann-Kathrin Stracke

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Ein rotes Herz aus Stoff liegt auf der Tastatur eines Notebooks. (dpa / Thomas Eisenhuth)
Das Geschäft mit der vorgetäuschten Liebe funktioniert im Internet genauso wie in der realen Welt (dpa / Thomas Eisenhuth)
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Anne Schmidt [Name von der Redaktion geändert] meldet sich im Mai 2017 bei einem bekannten Dating-Portal online an. Dort trifft sie auf einen Bauingenieur aus Kanada, der zu der Zeit in Deutschland arbeite, aber auch viel in London sei. Sie schreiben sich.

"Es fühlt sich anfangs so an: Oh, der hat Interesse, man wird am Anfang so ein bisschen umgarnt und umschmeichelt. Und wenn man da nicht kritisch ist, dann lässt man sich da reinfallen. Ich kann mir vorstellen, dass man sich da schnell verliebt oder Fantasien ausmalt: Wie wäre das mit dem? Aber so was ist einfach nicht real."

Intensive Kennenlern-Phase

Er schickt ihr morgens und abends Nachrichten, tut so, als würde er sie schon lange kennen. Es sei eine permanente Anmache gewesen, so empfindet es die 47-Jährige, wenn sie daran zurückdenkt:

"Man fühlt sich da so richtig angebohrt, wie ständig unter Beschlag genommen. Es ist wie so eine Art Gehirnwäsche. "

Robert Scholten ist Pressesprecher der Polizei in Bonn. Zwei bis drei solcher Fälle haben sie pro Monat bei der Polizeistelle in der Bundesstadt. Eine lange und intensive virtuelle Kennenlern-Phase spiele beim Romance Scamming eine wesentliche Rolle.

"Die Geschädigten haben ab einem bestimmten Zeitpunkt den Eindruck, dass sie in einem persönlichen Kontakt stehen. Und hieraus erwächst, dass sie dann auch bereit sind zu helfen, weil sie meinen, persönliche Anliegen tatsächlich auszutauschen."

Dann kommt die Forderung nach Geld

Auch bei Anne Schmidt handelte der Betrüger wie im Lehrbuch: Irgendwann habe ihr Chat-Partner Forderungen gestellt: Erst brauchte er Geld für eine Musik-Streaming-Dienst-Karte, die er seiner Tochter schenken wollte, dann finanzielle Hilfe, um seine Ware aus dem Zoll auszulösen. Sie aber ließ sich nicht einwickeln, schnell habe sie gemerkt, dass es sich um eine vorgetäuschte Geschichte handele.

"Ich habe ihn hingehalten und ihm gesagt, ich möchte ihm das Geld persönlich geben. Und dann war er ganz schön in der Bedrouille. Und dann hat er mir vorgeschlagen, ich könnte das Geld an eine Kollegin überweisen. Und dann habe ich immer gesagt: nein, nein, ich bringe es dir. Ich fliege nach London und bringe dir das Geld persönlich."

Getroffen haben sich die beiden nicht, da er ständig neue Ausreden hatte, um das Treffen zu verschieben. Das sei ein typischer Vorgehen derjenigen, die Liebe im Netz vortäuschten, sagt Polizei-Pressesprecher Robert Scholten.

"Warnsignal ist in jedem Fall, wenn ein Termin für ein Treffen immer weiter herausgeschoben wird. Die erste Ausrede kann man vielleicht noch hinnehmen, aber wenn letztlich gar kein Termin zustande kommt und man dennoch vermeintlich persönlich spricht."

Nicht selten größere Beträge

Laut Bonner Polizei überweisen die Betrugsopfer sehr häufig Geld an die mutmaßlichen Betrüger, nicht selten auch größere Beträge. Dafür wählen diejenigen, die das Geld anfordern aus, internationale Geldtransferdienste, zunehmend aber auch Bitcoin-Transaktionen.

Anne Schmidt hat ihrem Chat-Partner, dem kanadischen Ingenieur, kein Geld überwiesen. Sie ist der ganzen Sache nachgegangen, hat letztendlich Anzeige erstattet. Sobald es zu Geldforderung im Netz kommt, rät die Rheinländerin zur Vorsicht.

"STOP! Nicht machen. Und eigentlich sollte man sich schnell ein Herz fassen und denjenigen blockieren, bevor man sich da noch mehr reinreitet."

Ihre Anzeige ist eingestellt worden, letztlich gab es keinen Schaden und zu ermitteln, wer hinter dem versuchten Betrug steckt, wäre sehr aufwendig gewesen. Den kanadischen Ingenieur hat sie blockiert und aus ihren Kontakten gelöscht.

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