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Rückblicke auf die Zukunft

Was ist aus technischen Utopien der letzten 100 Jahre geworden?

Von Frank Grotelüschen

Crailsheim in der Zukunft - Postkarte von 1905
Crailsheim in der Zukunft - Postkarte von 1905 (Verlag E. Rollwagen, Crailsheim)

Wie wird sie bloß - die Zukunft? Diese Frage hat die Menschheit seit Ewigkeiten fasziniert. Manche fürchten sich vor ihr, andere schmieden die wildesten Visionen und träumen von Technologien, die die Welt revolutionieren werden. 1910 erschien dazu ein hochinteressantes Buch: In "Die Welt in 100 Jahren" sannen die Visionäre des noch frischen 20. Jahrhunderts darüber nach, wie die Erde anno 2010 aussehen könnte.

<p>Manches haben die Utopisten damals durchaus treffend vorausgesehen. Etwa die rasante Entwicklung der individuellen Verkehrsmittel und des Massentransports oder das "Telefon in der Westentasche", das heute in der Tat zur Grundausrüstung des Bundesbürgers gehört - sei es als schlichtes Handy, sei es als omnipotentes Smartphone. Mit anderen Visionen dagegen lagen die Visionäre von einst völlig daneben. So war sich vor Jahrzehnten mancher Experte sicher gewesen, dass unsere Autos heute nicht mehr nur auf Straßen fahren, sondern schnell und elegant durch die Lüfte fliegen. Das erste Flugauto soll nun erstmals 2011 zu einem Preis von etwa 200.000 Dollar ausgeliefert werden.<br /><br />Nicht besser erging es vielen anderen Prophezeiungen: dem Frachter mit Atomantrieb, der unabhängig vom Öl die Weltmeere gefahren sollte. Der Hochgeschwindigkeitszug mit Düsentriebwerk, der seine Gäste schneller als jede Elektrolok von Metropole zu Metropole befördern konnte. Und dem Kraftwerk in der Antarktis, das seinen Strom aus dem Temperaturunterschied zwischen Wasser und Luft gewinnen sollte. <br /><br />Ab 13. Juli nimmt "Forschung aktuell" jeweils dienstags insgesamt neun Utopien vergangener Zeiten genauer unter die Lupe. Was hatten sich Forscher und Ingenieure einst erträumt, warum sind viele ihrer Visionen gescheitert? Oder gibt es auch heute noch Unentwegte, die nach wie vor an die Utopien von damals glauben und in ihren Labors unverzagt weitertüfteln.<br /><br />&quot;<strong>Die Themen</strong>&quot;<br /><br /><strong>13. Juli 2010:</strong> <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27588" text="Sonntagsausflug durch die Lüfte" alternative_text="Sonntagsausflug durch die Lüfte" /> <br /><papaya:media src="b93dd4079ba877b107f4dcbf1ab673aa" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Flugauto" popup="yes" />Einst dachte man, wir würden uns heute mit Autos durch die Gegend bewegen, die nicht nur fahren können, sondern auch fliegen. Auch wenn die Vision aus diversen Gründen bislang kläglich scheitert - einige unverzagte Ingenieure arbeiten noch heute an dieser Vision. Das erste Flugauto soll nun erstmals 2011 zu einem Preis von etwa 200.000 Dollar ausgeliefert werden.<br /><br /><br /><strong>20. Juli 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27606" text="Leben und Arbeiten unter Wasser&lt;/strong&gt;" alternative_text="Leben und Arbeiten unter Wasser&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="6acf7deae49255fc80884937a184be1d" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Unter Wasser bleibt weiterhin verschlossen." popup="yes" />Der Mensch hat alle Kontinente besiedelt, warum nicht auch das Meer? So jedenfalls dachten in der Vergangenheit nicht weniger Forscher und Ingenieure, etwa der legendäre Jacques Cousteau. Die Vision: regelrechte Unterwasser-Bauernhöfe, in denen Tauch-Bauern leben, um dadurch das Ernährungsproblem der Menschheit zu bekämpfen. Doch die Vision floppte, heute gibt es nicht einmal mehr ständig besetzte Forschungsstationen am Meeresgrund. Allerdings plant ein Luxushotel, demnächst einen unterseeischen Ableger nahe den Fidschi-Inseln ins Wasser zu setzen.<br /><br /><br /><strong>27. Juli 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27625" text="Autos und Schiffe mit Atomantrieb&lt;/strong&gt;" alternative_text="Autos und Schiffe mit Atomantrieb&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="4f91a42f5520b5944e26d763fd0752bb" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Das deutsche atomgetriebene Schiff &quot;Otto Hahn&quot; vor Kapstadt und dem Tafelberg." popup="yes" />Als in den 50er-Jahren die ersten Atomkraftwerke gebaut wurden, war die Euphorie groß: Man sah in der Atomkraft die Energiequelle der Zukunft, nicht nur gut für die Stromerzeugung. Auch Autos und Schiffe und sogar Flugzeuge sollten eines Tages mit einem Nuklearantrieb ausgerüstet werden. Deutschland baute den Atomfrachter "Otto Hahn", manche Autohersteller wie Ford oder Simca arbeiteten an Studien für ein Atomauto. Doch die "Otto Hahn" wurde wieder abgewrackt, und die Atomautos wurden nie gebaut.<br /><br /><strong>3. August 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27643" text="Solarkraftwerke im All&lt;/strong&gt;" alternative_text="Solarkraftwerke im All&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="e7583751bacad6f2f34473547ed3288b" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Solarfarm im Orbit" popup="yes" />Solarzellen habe gleich zwei Probleme. Nachts fallen sie aus und bei Bewölkung geht ihre Ausbeute drastisch in die Knie. Diese Einschränkungen gibt es im Weltall nicht: Also träumten US-Forscher in den 60er- und 70er-Jahren davon, riesige Areale von Solarzellen im Orbit zu stationieren und deren geballte Energie als Mikrowellenstrahlen nach unten zu beamen. Die Vision harrt immer noch der Realisierung, aber manche, wie die japanische Raumfahrtagentur Jaxa halten ihr die Treue: Bis 2030 will die Behörde ein großes Solar-Array im Orbit stationieren.<br /><br /><strong>10. August 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27662" text="Flettner-Rotor – das Schiff mit der Litfaßsäule als Segel&lt;/strong&gt;" alternative_text="Flettner-Rotor – das Schiff mit der Litfaßsäule als Segel&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="354091068e6decbd5e037d70adac6d1e" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Mit Flettner-Rotoren wird Segeln zum Kinderspiel, das obendrein Geld sparen könnte." popup="yes" />Der Frachter, der im Februar 1925 in den Hamburger Hafen unter dem Jubel der Zuschauer einlief, sah höchst ungewöhnlich aus: Statt Mast und Segel thronen auf dem Deck zwei hohe, an Litfaßsäulen erinnernde Zylinder. Es waren Rotorsegel, erfunden von dem genialen Konstrukteur Anton Flettner. Das Schiff, die "Buckau" konnte selbst widrigste Wetterbedingungen in Nordsee und Atlantik meistern. Durchgesetzt hat sich das Patent damals nicht – in einer Zeit, als die Schiffsdiesel aufkamen und Erdöl spottbillig war. Doch nun greifen erste Reeder das pfiffige Konzept wieder auf und wollen die Flettner-Rotoren als Treibstoff sparenden Zusatzantrieb einsetzen.<br /><br /><strong>17. August 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27681" text="Mit Volldampf auf der Schiene&lt;/strong&gt;" alternative_text="Mit Volldampf auf der Schiene&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="74822a3cb9cc8277c194d0a205db3ded" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Französische TGV-Züge stehen im Jahr 1995 auf einem Pariser Bahnhof." popup="yes" />Immer wieder aufs Neue dachten die Ingenieure im Laufe der Geschichte darüber nach, wie man die guten alten Züge durch sehr viel futuristischer Gefährte ersetzen könnte. Zu diesen Versuchen zählt nicht nur der Transrapid, sondern auch das französische "Aerotrain"-Projekt: eine mit Strahltriebwerken angetriebene Luftkissen-Schwebebahn, die von 1965 bis 1974 entwickelt wurde. Es gab zwei Teststrecken, auf der der Aerotrain diverse Geschwindigkeitsrekorde aufstellte. Dann aber fiel die Wahl auf den Hochgeschwindigkeitszug TGV. Ähnlich erging es dem "Cabinentaxi": Hier sollte der Passagier in einer Art Hochbahn bestehend aus Kabinen steigen, sein Ziel programmieren, um von der Maschine ohne Umwege dorthin gebracht zu werden. Zwar gab es in den siebziger Jahren sogar einen Prototyp. Aber durchgesetzt hat sich die Sache nicht.<br /><br /><strong>24. August 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27701" text="Riesige Wohntürme für Städte&lt;/strong&gt;" alternative_text="Riesige Wohntürme für Städte&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="64b163758eaee762bb3fcf8c9897968e" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Burj Dubai, mit über 800 Meter das höchste Gebäude der Welt" popup="yes" />In den fünfziger und sechziger Jahren gingen die Planer davon aus, dass die Städte auf diesem Planeten immer größer werden. Manche Architekten gingen davon aus, dass man diese Bevölkerungsexplosion nur dadurch in den Griff kriegen würde, in dem man riesige, bis zu zwei Kilometer hohe Hochhäuser baut, in denen Abertausende von Menschen leben. Andere schlugen sogar vor, Häuser und Wohnungen eine Fesselballons zu befestigen und in der Luft fliegen zu lassen. Die Realität sieht anders aus: Hochhäuser sind als Wohnhäuser eher unbeliebt und haben sich eher als Bürogebäude durchgesetzt.<br /><br /><strong>31. August 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27720" text="Atlantropa – Staudamm im Mittelmeer&lt;/strong&gt;" alternative_text="Atlantropa – Staudamm im Mittelmeer&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="26206736009016a8b77e857fc39e439d" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Die Straße von Gibraltar mit dem Blick auf Marokko" popup="yes" />Es war die Lebensvision des deutschen Architekten Herman Sörgel: Ab 1928 plante er, unter dem Namen Atlantropa einen monumentalen Staudamm in der Straße von Gibraltar sowie bei den türkischen Dardanellen zu bauen. Damit wollte er den Zufluss von Wasser ins Mittelmeer kontrollieren. Das Projekt sollte mehrere Ziele gleichzeitig erreichen: wertvolles Neuland gewinnen, Lebensraum und Arbeitsplätze schaffen und Strom für ganz Europa liefern. 1940 wurde der Verein "Atlantropa-Institut" gegründet, der auch nach dem Tod von Sörgel 1952 betrieben wurde und versuchte, Geld für die Realisierung des Projektes aufzutreiben. Heute sieht man auch gewisse Risiken und Gefahren des Projekts. Dennoch denkt derzeit man über die Realisierung eines ähnlichen Projektes nach.<br /><br /><strong>7. September 2010: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="27739" text="Drahtlose Kommunikation&lt;/strong&gt;" alternative_text="Drahtlose Kommunikation&lt;/strong&gt;" /><br /><papaya:media src="19a3f103483c8433806a662e35acb105" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Immer und überall arbeiten kann man mit WLAN, wenn auch relativ ungeschützt." popup="yes" />Im Buch "Die Welt in 100 Jahren", herausgegeben 1910 vom Journalisten Arthur Brehmer, gibt es ein bemerkenswertes Kapitel mit dem Titel "Das drahtlose Jahrhundert." Vieles, was heute gang und gäbe ist, zum Beispiel das Mobiltelefon, wurde damals schon antizipiert, etwa unter der Überschrift "Telefon in der Westentasche". Zwar ist nicht jede Vision aus diesem Kapitel Realität geworden, zum Beispiel der drahtlose Luftmotor, durch den Gegenstände so mir nichts dir nichts durch die Gegend gebeamt werden können. Ansonsten aber erwiesen sich die Utopien als erstaunlich weitsichtig.</p>

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