Corso / Archiv /

 

Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln

Bob Dylans 35. Studioalbum "Tempest" erscheint

Von Richard Knoll

Bob Dylans neues Album "Tempest" ersceint.
Bob Dylans neues Album "Tempest" ersceint. (picture alliance / dpa)

Er gilt als einer der ganz großen Geschichtenerzähler im Musikgeschäft: 1962 veröffentlichte Bob Dylan sein erstes Studioalbum. Mit "Tempest" kehrt er 50 Jahre später zu seinen musikalischen Wurzeln zurück und erzählt von Verlust, Reue und Rache.

Nein, der Titel von Bob Dylans 35. Studioalbum "Tempest" hat nichts mit dem ähnlich betitelten letzten Werk von William Shakespeare zu tun. Das verriet Dylan schon vor Erscheinen des Albums dem "Rolling Stone". "Sturm" und "Der Sturm" seien nun mal zwei Titel.

Die Spekulationen, dass Dylan nun mit seinem Sturm wie Shakespeare sein Abschiedswerk vorgelegt hat, halten trotzdem an. Tja, ein neues Dylan-Album bedeutet immer auch ein bisschen Rätselraten. Sicher ist aber, dass durch Dylans neues Album ein Sturm weht, der wenig unversehrt lässt. "Tempest" ist eines von Dylans dunkelsten Werken.

Seit Dylans Debütalbum ist gut ein halbes Jahrhundert vergangen – nach 50 Jahren Musikgeschichte, die er zu einem Großteil mitgeschrieben hat, kann er aus einem riesigen Fundus schöpfen und daraus Neues schaffen. Zusammen mit seiner Tourband wandert er auf "Tempest" wieder tief im verstaubten Archiv der traditionellen amerikanischen Musik.

Konsequent setzt er damit seinen Weg zu den eigenen Wurzeln fort. Zu den Traditionen, die ihn hervorgebracht haben. So zitiert Dylan auf "Tempest" etwa seinen Mentor Woody Guthrie. Und der Song "Early Roman Kings" erinnert schwer an Muddy Waters "Manish Boy".

Dass Dylans Sturm ein apokalyptischer ist, wird im Verlauf des Albums immer deutlicher. Tod, Reue, Verlust und Unglück ziehen sich schwer durch "Tempest". So auch beim eindringlichsten und besten Song des Albums "Tin Angel", in dem sich Dylan wieder einmal als ganz großer Geschichtenerzähler erweist. "Tin Angel" erzählt die alte Geschichte dreier Liebender um Betrug und Rache, die keiner der Drei überleben soll. Zu einer Musik, die unverändert tickt, wie eine ablaufende Uhr.

Während Dylan in "Desolation Row" - einem seiner früheren epischen Songs - die Titanic noch schwimmen ließ, lässt er sie heute untergehen: in mehr als 40 Strophen im Walzertakt - in einem schunkeligen Shanty. Stimmig insofern, als dass das letzte auf der Titanic gespielte Lied ebenfalls ein Walzer gewesen sein soll. Weniger stimmig, weil das Ganze dadurch doch sehr gleichförmig daherkommt und dem Ganzen damit die Spannung nimmt. Da hilft auch Dylans verwitterte Stimme und markante Betonung nicht viel.

"Tempest" ist ein Album mit soliden Dylan-Songs und ein paar großen Liedern, die bleiben werden. Dylans lyrische Stärke - für die er unter anderem auch mit Pulitzerpreis dekoriert wurde - bleibt ungebrochen. Ob es in diesem Jahr für den Nobelpreis Literatur reicht, ist wieder mal mehr als fraglich. Auch, ob Dylan sich nun mit seinem Sturm wie Shakespeare von der Kunst verabschiedet, bleibt natürlich offen. Das Rätselraten darf also weitergehen. Bei Shakespeare entsagt übrigens am Ende die Hauptfigur Prospero - die gerne als Shakespeares Alter Ego gesehen wird - seinen magischen Kräften. Davon ist auf Dylans "Tempest" sicher noch nichts zu spüren.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

Elektropop"Paula" ist zurück

Die Berliner Band "Paula" ist wieder da. Fünf Jahre lang haben sich Elke Brauweiler und Berend Intelmann auf eigene Projekte konzentriert. Ihr Comeback-Album haben sie jetzt auf dem Melt Festival vorgestellt. Aber die beiden wollen mehr.

Hans-Georg KellnerJeder Spielplatz eine gestalterische Idee

Eine kleine Auswahl seiner Steckfiguren zeigt Hans-Georg Kellner am 02.07.2002 im thüringischen Tabarz. Das Unternehmen "kellner steckfiguren" hat in der Spielzeugherstellung eine über achtzigjährige Tradition.

Die Spielplätze, die er baut, fügen sich stets in ihre Umgebung ein: ob im deutschen Hochhausviertel, am Lago Maggiore oder in einem vom Tsunami betroffenen Gebiet in Japan. Hans-Georg Kellner ist einer der bedeutendsten deutschen Spielplatzbauer. Seine Werkstatt steht im thüringischen Tabarz.

World Snail Racing ChampionshipImmer langsam mit den jungen Schnecken

Einige Schnecken auf der Rennstrecke, einem Tisch, auf den zur Orientierung konzentrische Kreise gemalt sind. Die Schnecken tragen kleine Aufkleber mit ihren Startnummern.

Newmarket im südenglischen Suffolk gilt als Heimat des Pferderennsports. Nicht weit davon entfernt findet Jahr für Jahr ein anderes Wettrennen mit Tierbeteiligung statt: nicht ganz so groß, nicht ganz so glamourös, nicht ganz so schnell - aber nicht weniger spannend.