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StartseiteVerbrauchertippLaxer Umgang mit Elektroschrott21.07.2017

Rücknahme von ElektrogerätenLaxer Umgang mit Elektroschrott

Seit fünf Jahren gibt es die EU-Richtlinie für ordnungsgemäßes Sammeln von ausgedienten Elektrogeräten. Von 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr (*) werden nur 40 Prozent richtig entsorgt. Kostbare Metalle gehen verloren, Schadstoffe verseuchen Böden und Luft. Händler informieren kaum, sagen Kritiker.

Von Ursula Reinsch

(picture alliance/dpa/Daniel Naupold)
Bei der Rücknahme informieren nicht alle Händler gleich gut. Hier alte Elektrogeräte auf einem Recyclinghof in einem Behälter für Elektroschrott. (picture alliance/dpa/Daniel Naupold)
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(*) Im Beitrag wurde eine falsche Angabe zum Elektroschritt gemacht; richtig ist, dass es sich um 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr handelt.

Eigentlich wird es für Verbraucher immer leichter, Elektroschrott vorschriftsgemäß loszuwerden. Wilhelm L. gibt seinen Uralt-Toaster einfach am Infostand eines Elektrogroßhandels ab: "Ja, das ist schon wichtig, weil man sonst ja extra irgendwo hinfahren müsste, und hier kommt man doch immer mal wieder vorbei und dann kann man das natürlich günstigerweise hier abgeben."

Verbraucher sind verpflichtet, ausrangierte Elektro- und Elektronik-Geräte separat vom Hausmüll zu entsorgen. Neben den Kommunen sind seit einem Jahr auch Händler und Onlineshops verpflichtet, Elektroschrott kostenlos anzunehmen. Und seit Juni 2017 gibt es für unwillige Händler Sanktionen.

Philip Heldt, Abfallexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Was sich jetzt beim Elektro-G geändert hat, ist – ist die Tatsache, dass jetzt die Händler, wenn sie sich weigern, also Elektroaltgeräte zurückzunehmen und sie aber eigentlich verpflichtet wären zurückzunehmen, dass sie dann eben ein Bußgeld bezahlen müssen."

Kleingeräte kann man bei jedem Großhändler abgeben

Nur kann man nicht jedes x-beliebige Gerät in jedem Geschäft abgeben.

"Zurücknehmen müssen alle großen Händler und auch Onlineshops. Das heißt, bei den Händlern, wenn sie eine Verkaufsfläche von über 400 Quadratmetern für Elektrogeräte haben, bei den Onlineshops wird da die Regalfläche als Maßstab genommen für Elektrogeräte. Und diese Händler, die müssen zunächst erst mal jegliche Geräte zurücknehmen, die eine Kantenlänge von unter 25 Zentimeter haben, also alte Handys, kleinere Föhne oder so was."

Aber was mache ich mit größeren Geräten wie Herd, Kühl- oder Gefrierschrank? "Die können dort nur zurückgegeben werden, wenn ich ein gleichwertiges Gerät kaufe, dann, wenn ich einen neuen Toaster dort kaufe, kann ich den abgeben, oder wenn ich einen Backofen kaufe, kann ich meinen alten Backofen da abgeben."

Schlechte Informationspolitik

Eines der Hauptprobleme dabei: Viel zu wenige Verbraucher wissen überhaupt, dass sie Elektroaltgeräte im Handel abgeben können. Aus gutem Grund – denn zur Rücknahme verpflichtete Händler, die Händler informieren viel zu wenig. Eine aktive Informationspflicht – wie sie Verbraucherschützer gefordert hatten -  hat der Gesetzgeber nicht ins Gesetz geschrieben.

Philip Heldt: "Wir haben eigentlich die Erfahrung gemacht, dass der Handel dem neuen Gesetz zumindest Folge leistet, zumindest die großen Händler, die verpflichtet sind, da sind die meisten dabei. Im Onlinehandel scheint es nicht so gut zu laufen. Und es gibt aber auch einige Handelsvertreter, von denen wir schon gehört haben: 'Ne, wir wollen das nicht so offensiv machen, dass wir Elektroaltgeräte zurücknehmen, sonst werden wir zugeschüttet. Dann bringen ja alle Leute ihre alten Kühlschränke vorbei, und wir haben Lagerprobleme und müssen die dann entsorgen lassen.' "

Kostenlose Transportmöglichkeiten

Doch was ist mit den Transportkosten bei Großgeräten?

"Meistens lässt man sich die Geräte liefern, auch da kann man eine Rücknahme vereinbaren. Wichtig ist aber, dass man halt dann dem Händler mitteilt, man sagt, 'und ich möchte, dass ein alter Kühlschrank dann halt mitgenommen wird.' Wenn man das nicht vorher ankündigt, kann der Händler sagen, 'machen wir nicht, keinen Platz mehr im Laster, wir wussten ja nicht davon.'

Übrigens mit einer "Elektroreturn-Versandt-Marke" kann man Kleingeräte zum Entsorgen sogar kostenlos verschicken. Die Versandt-Marke kann man online bei der Deutschen Post ausdrucken und erfährt auf dem Seiten- Link genaue Maße und Gewichte. Und nicht zuletzt: Das Umweltfreundlichste ist und bleibt die Reparatur – in sogenannten Repaircafés durchaus erschwinglich.

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