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StartseiteKultur heuteMascha und der Bär als Exportschlager13.02.2016

RusslandMascha und der Bär als Exportschlager

Es gibt weltweit nur ungefähr 20 Videos, die bei Youtube mehr als eine Milliarde Mal angeklickt wurden. Seit Kurzem ist auch ein Video aus Russland darunter. Es ist ein Zeichentrickfilm, eine Folge der Serie "Mascha und der Bär".

Von Gesine Dornblüth

Die russische Animationsserie "Mascha und der Bär" hat den Durchbruch geschafft. (pa/dpa/Tass)
Die russische Animationsserie "Mascha und der Bär" hat den Durchbruch geschafft. (pa/dpa/Tass)

"Mascha i Kascha", "Mascha und der Brei" heißt die Folge, die bei Youtube die Milliardengrenze an Aufrufen durchstoßen hat. Die Geschichte ist einfach erzählt, so wie auch das Konzept der gesamten Serie einfach ist. Mascha, ein ziemlich anstrengendes kleines Mädchen, mag den Kascha nicht essen, den der Bär für sie gekocht hat. Der Bär verlässt das Haus, um endlich Ruhe vor dem Quälgeist zu haben. Da kocht Mascha ihren eigenen Brei und kippt alle Zutaten hinein, die sie finden kann. Die Masse wird größer und größer, quillt aus dem Topf. Mascha füllt Gefäße, bis sie keine mehr findet, füttert Tiere, bis die fast platzen. Schließlich explodiert der Topf. Mascha muss die Hütte putzen und den gesamten selbstgekochten Brei am Ende selbst auslöffeln.

"Wir haben einfach zwei sehr kontrastreiche Figuren erfunden. Das sind ein riesiger zotteliger Bär und Mascha, scheinbar klein, mit unschuldigen Augen, Kopftuch und einem bezaubernden Lächeln. Und wir haben die Rollen der beiden einfach vertauscht."

Sagt Denis Tscherwazowyj vom Trickfilmstudio Animakkord in Moskau. Er ist der Regisseur der Serie.

"Mascha ist wie jedes Kind. Sie wächst, entdeckt die Welt. Manchmal ist sie dabei ziemlich ungeschickt, schafft Probleme, und wir versuchen, diese Probleme mit Humor zu lösen. Die Zeichentrickfilme, die zurzeit sonst so laufen, haben oft viele Dialoge, und ständig will einer dem anderen etwas beibringen. Wir wollten es einfacher und lustiger, wir wollen selbst unseren Spaß haben und dem Zuschauer Freude bereiten."

Es funktioniert. "Mascha und der Bär" läuft im Fernsehen in rund hundert Ländern der Welt, mehr als 50 Folgen gibt es bisher, die Serie wurde in mindestens 25 Sprachen übersetzt. Offensichtlich hätten die Menschen sich nach einem gutmütigen Humor gesehnt, meint Regisseur Tscherwazowyj. Maria Tereschenko sieht das ähnlich. Sie leitet das alljährliche Trickfilmfestival in Moskau.

"Die erfolgreichen Zeichentrickserien des 20. Jahrhunderts bauen alle auf dem Konflikt zwischen zwei Figuren. Nehmen wir Tom und Jerry, eine der populärsten Geschichten der Menschheit. Wir sehen eine Maus und eine Katze – das reicht, alles ist klar. Die Katze fängt Mäuse, die Mäuse laufen weg. In der Sowjetunion gab es die Serie "Nu, pogodi", da jagt ein Wolf einen Hasen. Immer will einer den anderen fressen."

Davon aber hätten vor allem die Eltern seit den 1990er-Jahren genug, auch in Russland.

"Mascha und der Bär haben einen Durchbruch geschafft. Sie schlagen eine Alternative vor. Die Serie baut nicht auf Feindschaft auf, sondern auf Liebe. Da ist ein kleines Mädchen, das mit seiner Energie und seinem Übermut die Welt ringsum sprengt. Und dann kommt ein Erwachsener und ordnet alles wieder. Das kennt jeder, egal an welchem Ende der Welt. Und das ist auch der Hauptgrund, warum diese Serie so durchgestartet ist."

Politisch macht Russland derzeit international vor allem mit der Aggression gegen die Ukraine und den Luftangriffen in Syrien von sich reden. Und lange galt die Kalaschnikow als erfolgreichster russischer Exportartikel. Nun eine Zeichentrickserie statt eines Maschinengewehrs? Dem Regisseur Tscherwazowyj gefällt der Gedanke.

"Das ist gut. Vielleicht ist uns, die wir die Serie machen, das gar nicht bewusst. Aber so einen positiven Funken können wir gut brauchen."

Maria Tereschenko vom Trickfilmfestival geht noch weiter.

"Russland als Staat verhält sich sehr, ich versuche, mich korrekt auszudrücken, angespannt. Es ist bereit, gegenüber seinen Nachbarn nicht freundschaftlich zu handeln. Mich freut, dass wir zumindest in der Kultur anders auftreten, dass "Mascha und der Bär" uns als Menschen zeigt, die ein friedliches Leben lieben und Familie und Freundschaft schätzen. Hoffen wir einfach, dass die Kultur die Militärindustrie besiegt."

Weil "Mascha und der Bär" so vielen gefällt, arbeiten die Macher in Moskau bereits an der nächsten Staffel.

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