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StartseiteEuropa heuteStudie zu IS-Kämpfern im Nordkaukasus erschienen23.03.2016

RusslandStudie zu IS-Kämpfern im Nordkaukasus erschienen

In Syrien und dem Irak kämpfen Islamisten aus vielen Ländern. Ein nicht unerheblicher Teil stammt aus Russland. Die russische Führung hat wiederholt auf die Bedrohung hingewiesen, die von IS-Kämpfern ausgeht, die nach Russland zurückkehren. Nun ist ein Bericht zu nordkaukasischen Kämpfern in Syrien erschienen.

Von Gesine Dornblüth

Vermutlich eine Gruppe von IS-Kämpfern im Nahen Osten (imago)
Auch aus Russland zieht es Kämpfer zum IS nach Syrien (imago)
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Der russische Geheimdienst geht von rund 2.900 russischen Staatsbürgern in den Reihen der Islamisten in Syrien und im Irak aus. Diese Zahl kursierte Ende letzten Jahres in den Medien. Jekaterina Sokirjanskaja meint, es seien mehr, rund 5.000, vornehmlich aus dem russischen Nordkaukasus und dort vor allem aus Tschetschenien.

"Die Tschetschenen haben einen Ruf als furchtlose Kämpfer. Der Name 'Schischani', ‚'Tschetschene', ist eine moderne Marke, nicht nur im sogenannten IS, sondern auch in den anderen islamistischen Gruppen. Einige von ihnen nehmen sehr hohe Posten in den Terrorgruppen ein, zum Beispiel Umar Schischani, der ranghöchste Nordkaukasier in den Reihen des IS, von dem es heißt, er sei getötet worden."

Jekaterina Sokirjanskaja forscht seit Jahren im russischen Nordkaukasus. Sie arbeitet für die International Crisis Group, derzeit von Ankara aus. Vor wenigen Tagen hat die ICG einen Bericht veröffentlicht. Darin heißt es, Russland habe den Zustrom von Islamisten aus dem Nordkaukasus nach Syrien bis zum Jahr 2014 befördert. 

"Der damalige Anführer des nordkaukasischen Untergrunds, Doku Umarow, hatte gedroht, die Olympischen Spiele in Sotschi zu sprengen. Russland musste sehr schnell handeln. Damals haben sie sehr viele Anführer und einfache Kämpfer im Nordkaukasus getötet und ihre Aktionen gelähmt. Gleichzeitig haben sie die Abreise derer, die nach Syrien wollten, nicht verhindert." Sokirjanskaja sagt, ein russischer Behördenvertreter habe ihr dies bestätigt.

Die Strategie der Behörden, wenn es eine war, ging auf. Seit 2014 ist die Zahl der Opfer terroristischer Anschläge in Russland auf ein Fünftel gesunken. Der IS bekannte sich allerdings zu dem Anschlag auf das russische Flugzeug, das Ende Oktober über dem Sinai abgeschossen wurde. 224 Insassen starben.

Russland hat mittlerweile hohe Strafen für Russen eingeführt, die sich im Ausland Terrorgruppen anschließen. Und Russlands Sicherheitsbehörden würden kampfwillige Islamisten nunmehr an der Ausreise hindern, sagt Sokirjanskaja.

"Aber sie sind nicht in der Lage, den Strom zu stoppen. Allein aus Tschetschenien sind zwischen August und November 2015 hundert Leute nach Syrien gegangen. Wir bekommen fast jeden Tag Nachrichten, dass junge Leute aufgebrochen sind, aus Dagestan, aus Tschetschenien, aus Inguschetien."

Auch Angehörige gemäßigter, nicht gewaltbereiter Salafisten stünden im Nordkaukasus unter ständiger Überwachung der Behörden, so Sokirjanskaja. Sie hätten keine Chance, für ihren Lebensunterhalt oder den ihrer Familie zu sorgen. Auch deshalb fänden sie den sogenannten Islamischen Staat attraktiv. Es zöge aber auch eine erhebliche Anzahl von Tschetschenen aus dem Exil in Westeuropa in den Dschihad.

Russische Behördenvertreter weisen die Schuld für die Ausweitung des internationalen Terrors in der Regel den USA zu. Wladimir Andrejew, der stellvertretende Direktor der Abteilung des russischen Außenministeriums für neue Bedrohungen: 

"Der Hauptgrund für den Anstieg des Terrorismus und der ausländischen Kämpfer ist, dass westliche Staaten mit den USA an der Spitze Terroristen in bestimmten Situationen als akzeptables Instrument betrachten, um sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen, sie zu destabilisieren und Regime zu stürzen."

Als Russlands Präsident Wladimir Putin letzte Woche den Teilabzug des russischen Militärs aus Syrien anordnete, referierte Verteidigungsminister Sergej Schojgu die Erfolge der russischen Luftangriffe. 2000 russische "Banditen" seien vernichtet worden. Experten halten diese Zahl für übertrieben. Ekaterina Sokirjanskaja von der International Crisis Group meint, auch wenn der IS derzeit vor allem in Westeuropa Anschläge verübe, bestehe kein Anlass, für Russland Entwarnung zu geben.

"Im sogenannten IS kämpfen unsere Bürger, sie führen ihren nicht beendeten Krieg mit Russland, und sie vergessen ihre Heimat nicht. Sie werden dafür sorgen, dass Russland eine Zielscheibe bleibt."

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