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StartseiteKommentare und Themen der WochePutin analysiert kühl die Lage18.02.2017

Russlands Blick auf die USAPutin analysiert kühl die Lage

Donald Trump mache nicht den Eindruck, als könne er es im Feld des strategischen Denkens mit dem russischen Präsidenten aufnehmen, kommentierte Thielko Grieß im Deutschlandfunk. Putin analysiere die Lage kühl; euphorisch sei er ohnehin nie gewesen. Deshalb sei die Abkehr der russischen Medien von Trump auch nicht als Strategiewechsel zu interpretieren.

Von Thielko Grieß

Zwei Matroschka-Figuren, die Wladimir Putin und Donald Trump darstellen sollen (TASS / dpa)
Zwei Matroschka-Figuren, die Wladimir Putin und Donald Trump darstellen sollen (TASS / dpa)
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Genügend Gründe für russische Medien zu berichten, hätte es Ende dieser Woche ja gegeben. Nachdem US-Präsident Donald Trump in Washington eine Bilanz der ersten vier Wochen seiner Amtszeit gezogen hatte, auch über Russland gesprochen hatte, war davon am nächsten Morgen im staatlich gelenkten Kanal "Rossija 24" jedoch nichts zu sehen. Stattdessen Bilder über die Energieknappheit im Osten der Ukraine.

Was für eine Kehrtwende des russischen Fernsehens. Bis Mitte dieser Woche galt: Donald Trump ist freundlich zu behandeln. Beinahe täglich war er Thema. Beinahe täglich war der Tenor: Der Neue im Weißen Haus ist ein Macher, kein Ideologe. Zur Erinnerung: Noch im Wahlkampf hatte Trump erklärt, er wolle sich anschauen, ob er die Krim als russisch anerkennen werde. Und was Syrien betreffe, wolle er sich mit Russland arrangieren, um Terroristen des selbst ernannten Islamischen Staates gemeinsam zu bekämpfen.

Nun sind wir in einer Phase des Beschweigens und des Nichtbeachtens angekommen. Trump ist kein Thema mehr. Aber diese neue Fernsehrealität als Beweis dafür heranzuziehen, dass sich die Strategie des Kremls drehe, ist irrig. Der russische Präsident Wladimir Putin mag sich in der Vergangenheit freundlich geäußert haben – euphorisch ist er jedoch zu keinem Zeitpunkt gewesen.

Putin analysiert kühl die Lage

Putin und sein Machtapparat haben in den vergangenen Jahren in der Ukraine, in Syrien mehrfach bewiesen, wie kühl sie die Lage analysieren und stets Möglichkeiten dort nutzen, wo sie sich auftun. Als überlegte Strategen, die über lange Zeit auf eine günstige Gelegenheit warten können, werden sie nach dem Wahlsieg Trumps kaum einer Sektlaune erlegen sein, sondern haben weiter genau hingeschaut und hingehört.

Was sie in Washington gesehen haben und noch immer sehen, ist dies: Trump hat vom Ukraine-Konflikt kaum Ahnung und kann in Syrien die widerstreitenden Interessen nicht auseinanderhalten. Darauf hat der Kreml mit berechnender Vorsicht geantwortet.

Das Fernsehen sendete zwar wochenlang lobende Worte, aber das war es dann auch schon. Niemand in Moskau hat in den vergangenen Wochen konkrete, ausgearbeitete Vorschläge öffentlich gemacht, wie die neue, bessere, augenhohe Zusammenarbeit aussehen soll.

Die Strategen des Kremls können seit Trumps Amtsantritt davon ausgehen, dass es so schnell keinen Frühling zwischen Moskau und Washington geben wird: Die neue US-Botschafterin im UNO-Sicherheitsrat hat das russische Vorgehen in der Ostukraine verurteilt, der Russland wohlgesonnene Sicherheitsberater, kaum im Amt, ist zurückgetreten. Und von einem Ende der Sanktionen spricht zurzeit kaum einer.

Seit Langem sind Konfliktthemen erkennbar

All dies hat auch das russische Staatsfernsehen berichtet und behalf sich zunächst mit einer Hilfskonstruktion, um die offensichtlichen Widersprüche zur Rhetorik des Neuanfangs zu überdecken: Donald Trump selbst würde ja anders handeln, wenn er denn könnte und nicht ständig das renitente Washingtoner Establishment und vaterlandslose Journalisten am Hals hätte. Als dann aber Mitte der Woche der Sprecher Trumps die Rückgabe der Krim forderte, trug die Konstruktion nicht mehr. Der Kreml drehte kurzerhand den Hahn zu, aus dem bislang die Komplimente geströmt waren.

Seit Langem ist eine weitere Konfliktlinie erkennbar, die in den Nahen Osten führt: Als Trump wetterte, das Atom-Abkommen mit dem Iran gehöre aufgekündigt, erklärte Moskau umgehend, das komme nicht infrage. Iran und Russland arbeiten zum Schutz des Assad-Regimes zusammen.

Auch der Kreml wird kaum wissen, wie Trumps politische Haltungen genau aussehen, wenn sie denn einmal geronnen sein werden. Aber er nutzt die Zeit, baut vor und seine Einflussgebiete aus: Die selbst ernannten Volksrepubliken in der Ostukraine sind längst von Moskau abhängig. Und über Syriens Zukunft mit Assad lässt Putin im ihm ergebenen Kasachstan verhandeln. Der Kreml muss sich nicht sorgen.

Donald Trump macht nicht den Eindruck, als könne er es im Feld des strategischen Denkens mit dem russischen Präsidenten aufnehmen.

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