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StartseiteDLF-MagazinLeere in der Erstaufnahme03.03.2016

SaarlandLeere in der Erstaufnahme

Im Februar kamen so wenige Flüchtlinge in die Erstaufnahme in Lebach im Saarland wie seit Juni vergangenen Jahres nicht mehr. Die Behörden rechnen nur mit einer kurzen Verschnaufpause und nutzen die Zeit, um ihr Personal noch besser zu schulen.

Von Tonia Koch

Flüchtlinge in der Landesaufnahmestelle Lebach  (picture alliance / dpa / Foto: Oliver Dietze)
Inzwischen stehen die Zelte leer: Flüchtlinge in der Landesaufnahmestelle Lebach im September 2015. (picture alliance / dpa / Foto: Oliver Dietze)

Die Straßen der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber im saarländischen Lebach sind wie leer gefegt. Noch vor wenigen Wochen wäre es wohl kaum möglich gewesen, hier einen Vogel zwitschern zu hören. 

Das Gewusel auf den Wegen, lange Schlangen vor der Essensausgabe und der Kleiderkammer,  sowie hektische Betriebsamkeit hatten den Geräuschpegel steigen lassen. Im Minuten-Takt starteten Busse, um Flüchtlinge in die Kommunen zu bringen. 

Die Bundeswehr hatte diese Aufgabe übernommen und sie macht es immer noch - aber mit wesentlich weniger Leuten. Bis Ende März sei das Amtshilfeersuchen des saarländischen Innenministeriums bei der Bundeswehr noch gültig, das werde erfüllt, allerdings unter veränderten Bedingungen, teilt das Landeskommando mit. Die Bereitschaftszeiten seien gelockert worden, die Arbeit in zwei Schichten nicht mehr nötig, statt 30 bis 40 reichten augenblicklich zehn Soldaten zur Unterstützung aus. Auch in der Kleiderkammer, die vom Roten Kreuz betreut wird, ist nicht viel los.

"Nach dem Trubel der letzten Monate ist es nicht schlimm, wenn es ein bisschen ruhiger ist." Eva Schäffler arbeitet bereits seit 25 Jahren hier in Lebach. "Das letzte Jahr war ein bisschen hart, aber es geht alles, wenn es muss."

Freiwillige stehen auf Abruf bereit

Das Rote Kreuz hat sein Team vor Ort in den vergangen Monaten verdoppelt. 20 Festangestellte, Praktikanten sowie eine Gruppe von bis zu 40 ehrenamtlich tätigen Helfern stehe zur Verfügung, sagt die DRK-Leiterin vor Ort, Rabea Pallien. Eine eingespielte Truppe, die keiner besonderen Schulung mehr bedürfe. "Die laufen einfach mit den Angestellten, den Professionellen mit, gucken was gemacht wird,  wie es läuft."

Freiwillige, die zu Hause auf Abruf bereit stünden, ein fester Pool von Leuten, der momentan nicht weiter wachse: "Es ist nicht mehr so wie im Sommer, wo minütlich das Telefon geklingelt hat, wo Leute entweder spenden wollten oder selber helfen wollten, das hat sich eingependelt."

Im Februar kamen etwas mehr als 700 Flüchtlinge in die Landesaufnahmestelle, so wenige wie seit Juni des vergangenen Jahres nicht mehr. Daraus dürfe jedoch nicht der Schluss gezogen werden, das Personal könne nun wieder reduziert werden,  sagt Rabea Pallien. "Die Landesaufnahmestelle ist also im Moment schon noch voll belegt, es sind nicht mehr diese 4.000 Personen, die Zelte sind fast komplett leer, Prognosen gehen davon aus, ab April, wenn das Wetter wieder besser wird, wird auch hier wieder mehr los sein."

"Jetzt mal ordentlich qualifizieren"

Auch in den Landkreisen und Kommunen, auf die die Flüchtlinge verteilt werden, ist augenblicklich eine Art Stillstand zu verzeichnen. Der Landkreis Saarlouis hat damit begonnen, seine Mitarbeiter, die er im vergangenen Jahr eilig für die Flüchtlingsarbeit abgestellt hat, zu qualifizieren. Landrat  Patrick Lauer: "Eigentlich nutzen wir diese kleine Verschnaufpause dazu, unser Personal, das wir sehr ins kalte Wasser geworfen haben, jetzt mal ordentlich zu schulen, denn der Markt ist mit ausgebildeten Verwaltungskräften so was von leer gefegt, dass wir sehr, sehr viele Quereinsteiger zu uns genommen haben und die müssen wir jetzt mal ordentlich qualifizieren, damit diese, wenn die nächste Bugwelle kommt, auch dann ihre Aufgaben wie vollwertige Verwaltungskräfte erfüllen können." 

Auch der Landrat hat neue Mitarbeiter finden müssen. "Die größte Not hat zunächst auf den Kreissozialämtern bestanden, wo die Menschen als erstes während ihres Verfahrens aufschlagen und wo sie die Leistungen zum Unterhalt benötigen." Damit seien die Kollegen noch immer vollauf beschäftigt, aber wenn das nicht mehr so wäre, dann könnten sie im Jobcenter sicher für Entlastung sorgen, ist Lauer überzeugt.

"Nach Abschluss des Asylverfahrens und Anerkennung wechseln unsere Leute, die jetzt zu uns kommen, vom Kreissozialamt zum Jobcenter, wo sie vermittelt werden müssen und  da werden sie uns wohl noch lange erhalten bleiben, bis sie so qualifiziert sind, dass wir sie hoffentlich in den ersten Arbeitsmarkt entlassen können."

Kinderbetreuung gehört dazu

Kinder erobern drei Mal die Woche das Landratsamt. Im Parterre stehen aufgereiht mehrere Kinderwagen. Wolfgang Kaas, der Mann an der Pforte hat ein Auge drauf. "Besser als Rollstühle, das ist schließlich unsere Zukunft."

Ein Stockwerk darunter wiederholt Kursleiter Matthias Ziegler den Stoff der vorangegangen Deutschstunde. Im Sprachkurs sind nur Frauen, aus Syrien, Afghanistan, Eritrea. Die Hälfte ist allein gekommen die andere Hälfte mit Kindern. "Ich habe zwei Kinder zu Hause mit meinem Mann. Zwei Kinder, einen Sohn eine Tochter, mein Sohn ist zu Hause, meine Tochter hier." Die Frauen wollen ihre Chance nutzen, sagt Hanaa Al Laham. "Alle Frauen brauchen den Kurs,  gehen mit den Kindern zur Schule, zum Kindergarten."
 
Der Landrat hat parallel zum Sprachkurs eine Kinderbetreuung vor Ort organisiert. Das Amt hatte einen extra Raum hergerichtet, doch der hat den Frauen nicht gefallen. Kurzerhand sind die beiden Betreuerinnen mit den Kindern und dem Spielzeug in den Flur umgezogen in unmittelbare Nähe des Klassenzimmers. Flexibilität tue eben Not in solchen Zeiten, sagt Eva-Maria Mathieu vom Jobcenter. "Die Betroffenen finden es so besser und danach habe ich mich gerichtet."

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