• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteDLF-MagazinMehr Arbeitslose dank guter Arbeit10.03.2016

SaarlandMehr Arbeitslose dank guter Arbeit

Die Verfahren für Flüchtlinge, die guten Chance haben, anerkannt zu werden, laufen im Saarland inzwischen so schnell, dass die Zahl der Arbeitslosen steigt. Denn bevor sie eine Arbeit aufnehmen können, müssen viele erst einmal einen Sprachkurs machen. Aber auch die Wartezeit soll im Saarland sinnvoll überbrückt werden.

Von Tonia Koch

Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU). (imago/Becker&Bredel)
Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU. Bekam Lob vom Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise. (imago/Becker&Bredel)
Mehr zum Thema

Saarland Leere in der Erstaufnahme

Asylanträge Neue Motivation für freigestellte Beamte

Sachleistungen für Flüchtlinge Das Saarland bleibt beim Taschengeld

Die Realität von Asylverfahren Zu lange Wartezeiten und zu wenig Unterkünfte

Im Jobcenter in Saarlouis geht es Schlag auf Schlag. "Das ist die Erstanlaufstelle für alle Personen, die sich beim Jobcenter arbeitslos melden müssen, hier sind jetzt insbesondere auch viele Flüchtlinge, weil viele vom Sozialamt zum Jobcenter rüber wechseln, weil sie eine Anerkennung bekommen haben", erläutert die Leiterin des Jobcenters, Margret Kuhn.

Dass so viele auf einmal bei ihr in Saarlouis ankommen, hängt daran, dass im Saarland die Behörden schnell arbeiten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und das Innenministerium haben ihre Abläufe so aufeinander abgestimmt und gestrafft, dass Flüchtlinge, die gute Aussichten haben, anerkannt zu werden, nicht lange auf einen positiven Bescheid warten müssen, sagt der saarländische Innenminister Klaus Bouillon. "Die Verfahren werden so schnell werden, dass es der ein oder andere nicht glaubt. Zurzeit liegt der Durchschnitt im Saarland bei 2,1 Monaten, in Deutschland bei 5,6 Monaten. Wir werden in aller Regel ungefähr 50 Prozent der Fälle in 48 Stunden von der Antragstellung bis zur Bescheiderteilung gelöst haben, das ist eigentlich mehr als gut."

Weise lobt saarländisches Konzept

Das findet auch der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise. Vergangene Woche hat er sich das saarländische Arbeitsmodell angesehen. "Ich komme ja bewusst dahin, wo es gut geht, und da muss ich schon sagen, da ist das, was Herr Minister Bouillon geschaffen hat, vorbildlich, und das möchte ich natürlich als Botschaft in die anderen Bundesländer mitgeben."

In naher Zukunft sollen in ganz Deutschland weitere solcher Ankunftszentren entstehen. Sie sollen den Bearbeitungsstau - Weise geht aktuell von einer Million unerledigter Flüchtlings- und Asylanträge aus - so schnell wie möglich abarbeiten. "Ja, das ist zu schaffen, wir rechnen, dass wir in diesen 20 bis 25 Ankunftszentren pro Tag 5.500 Entscheidungen treffen können, das ist nicht zu viel, das ist realistisch."

Die Erfolge auf der einen Seite führen an anderer Stelle zumindest zunächst zu einer gegenteiligen Entwicklung. Entgegen dem Bundestrend ist die Zahl der Arbeitslosen im Februar dieses Jahres im Saarland als einzigem Bundesland leicht gestiegen, um 1 Prozent. Von einer Vorreiterrolle möchte Christiane Lauer von der Bundesagentur für Arbeit jedoch nur ungern reden. "Vorreiterrolle insofern, dass sich dieser Anstieg der Arbeitslosigkeit von geflüchteten Menschen hier schon leicht bemerkbar macht, das ja, das wird sich in den nächsten Monaten noch einmal verschärfen, in Anführungszeichen. Aber wir arbeiten mit allen Mitteln daran, diese Menschen in den Arbeitsmarkt und in Maßnahmen zu integrieren."

Für Jobs ist es meist noch zu früh

Dabei können die Jobcenter momentan nur in wenigen Fällen in reguläre Beschäftigung vermitteln, dafür sei es vielfach zu früh, sagt die Leiterin des Jobcenters Margret Kuhn. "Wir haben den Anspruch, dass wir jedem sofort ein Angebot machen. Das heißt, die Menschen sollen nicht weiter in der Warteschleife sitzen, sondern sie sollen eine Arbeitsgelegenheit, ein kleine Maßnahme erhalten, dass sie einfach schon einmal eine Beschäftigungsstruktur haben."

Kommunale Bauhöfe, Sozialkaufhäuser oder Werkstätten beschäftigen Flüchtlinge meist im Rahmen sogenannter Arbeitsgelegenheiten, die Ein-Euro-Jobs vergleichbar sind. "Weil die Wartezeiten bis zum Sprachkurs doch noch relativ lang sind. Hätten wir sofort in der Folgewoche ein Sprachkursangebot, wäre es gut, aber die Zeiten sind doch noch ein halbes bis ein dreiviertel Jahr bis zum Beginn eines Sprachkurses, und insofern, da wollten wir die Zeit vernünftig überbrücken."

In die Arbeitslosenstatistik fließen die Betroffenen nicht ein, auch diejenigen, die im Sprachkurs sind, werden statistisch nicht als arbeitslos, sondern sie gelten als unterbeschäftigt. Im Wartesaal des Jobcenters sitzen viele Flüchtlinge mit ganz unterschiedlichen Erwartungen. Die Schwestern Amal und Hatil Faisal aus Syrien zum Beispiel, ein Job kommt für sie noch nicht in Frage.

"No, not yet… Ich bin noch im Sprachkurs. Ich hab Englisch studiert, vielleicht kann ich als Übersetzerin arbeiten. Ich habe englische Literatur studiert und auch Erfahrungen im Modemarkt und hoffe, entweder mit meinen Englischkenntnissen oder in der Modebranche einen Job zu finden, aber erst muss ich den Sprachkurs beenden."

"Deutschkurs, dann Mini-Job, dann Arbeit"

Auch Mahmoud Shawki weiß, was er in nächster Zeit zu tun hat. "Später gehe ich in einen Deutschkurs, dann Mini-Job, dann Arbeit." Nicht für alle erfüllen sich Träume. Mohamad Abdul Rahman hat sein Jurastudium in Syrien abgebrochen, er wird sich umorientieren müssen. "Mein Hobby ist Koch, vielleicht finde ich eine Arbeit in einem Restaurant."

Ein Stockwerk höher arbeitet das sogenannte Migra-Team des Jobcenters, Fallmanager, die sich ausschließlich um Flüchtlinge kümmern. Panaiotis Vlaikos hat einen Termin mit einer Familie aus Aleppo, Vater, Mutter, zwei Töchter. Für den Vater wird es auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht einfach werden. Hassan Koro zeigt auf seinen Rücken und schaut zum Übersetzer. "Er ist Mechaniker und im Moment ist er in der Rente, er ist krank geworden und konnte nicht weiter arbeiten."

Der Fallmanager klärt auf. "In diesem Fall müssen wir seine Erwerbsfähigkeit klären, das machen wir, indem wir einen Auftrag an das Gesundheitsamt geben, und dort wird seine Erwerbsfähigkeit festgestellt." In erster Linie aber ging es heute um einen guten Start. "Dass wir jetzt zusammen eine Eingliederungsvereinbarung abschließen, und für den Kunden eine Eingliederungsmaßnahme finden." Nur dann kann Integration gelingen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk