Freitag, 15.12.2017
StartseiteVerbrauchertippDie Auszeit sollte gut geplant sein21.09.2017

SabbaticalDie Auszeit sollte gut geplant sein

Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern ein sogenanntes Sabbatical an: einen Ausstieg auf Zeit mit Rückkehrgarantie. Bevor Arbeitnehmer in die Auszeit starten, sollten einige rechtliche Fragen geklärt werden.

Von Karin Lamsfuß

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Ein Wanderer spaziert mit seinem Hund in den Bergen. (Imago / Westend61)
Ein Jahr Zeit zum Durchatmen - viele Menschen träumen davon (Imago / Westend61)
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Wie kann ein Sabbatical gelingen? Auszeit von der Arbeit

Unternehmensberaterin Ulrike Bechter ist vor ein paar Jahren für vier Monate aus ihrem Job ausgestiegen. "Ich kann Ihnen nicht mehr sagen, ob ich an einem Morgen wach geworden bin und gesagt habe: 'So, das ist es jetzt. Ich brauche einfach die Pause!' oder ob es ein langsamer Prozess war." Bevor es losging, hatte sie einen Beurlaubungsvertrag unterschrieben, der ihr den Wiedereinstieg nach der Rückkehr garantierte. "Im Vorfeld habe ich auch Gespräche mit Kollegen geführt, die das gemacht haben, um auch zu sehen, welche Risiken birgt das?"

Keine böse Überraschung bei Rückkehr

Denn eine solche Auszeit oder Sabbatical birgt durchaus Risiken, sagt Prof. Björn Gaul, Fachanwalt für Arbeitsrecht: "Mitarbeiter geben ihren konkreten Arbeitsplatz auf und wollen wissen, wenn sie zurückkommen: Welche Arbeit müssen sie dann machen? Welche Möglichkeit hat der Arbeitgeber, sie auf anderen Arbeitsplätzen einzusetzen? Was passiert mit ihrer Altersversorgung?"

Vor dem Ausstieg sollte sich der Mitarbeiter deshalb über einige Punkte klar werden. Erstens: Jobsicherheit. Auch wenn der Wiedereinstieg im Beurlaubungsvertrag garantiert ist - die konkrete Tätigkeit kann danach durchaus eine andere sein, erklärt der Arbeitsrechtler. Verantwortlich dafür: die sogenannte "Direktionsklausel" im Arbeitsvertrag: "Das ist eine Klausel, die festlegt, was der Arbeitnehmer konkret zu tun hat. Dann hält sich der Arbeitgeber üblicherweise auch vor, dem Arbeitnehmer auch andere, nach Kenntnissen und Fähigkeiten zumutbare Arbeiten zuzuweisen."

Tipp: Arbeitsverhältnis ruhen lassen

Punkt zwei: die Sozialversicherung. Ulrike Bechter hatte mit ihrem Arbeitgeber vereinbart, dass er zwar kein Gehalt zahlt, aber Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge. Das ist die Ausnahme. Viel häufiger nehmen Mitarbeiter während ihrer Auszeit unbezahlten Urlaub. In diesem Fall müssen sie sich ab dem zweiten Monat selbst krankenversichern - für 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens.

Immerhin: Von der Renten- und Arbeitslosenversicherung kann man sich auf Wunsch für die Dauer des Sabbaticals freistellen lassen. Und was ist mit betrieblichen Leistungen? "Am sichersten, und das ist auch die übliche Handhabe, ist es ein ruhendes Arbeitsverhältnis zu vereinbaren, dann lebt der Kündigungsschutz fort, Jubiläumsgelder werden beispielsweise erworben, es wird betriebliche Altersversorgung erworben, und Ähnliches, das sind die Dinge, die für Mitarbeiter auch sehr wichtig sind", so Björn Gaul.

Arbeitszeitkonten sind die Ausnahme

Punkt drei: das Gehalt. Beim unbezahlten Urlaub müssen die Arbeitnehmer ihre Auszeit aus eigener Tasche finanzieren. Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Arbeitszeitkonten an: Etwa sechs Jahre lang für 85 Prozent des Gehalts arbeiten und das siebte Jahr aussteigen und dann ebenfalls 85 Prozent ausgezahlt bekommen. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es aber nicht. Im Zweifelsfall müssen all diese Punkte individuell zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgehandelt und in einem Beurlaubungsvertrag festgehalten werden.

Ulrike Bechter hat während der vier Monate ihre Memoiren geschrieben und ist einen Marathon gelaufen. Für sie war die Rückkehr nach der Auszeit wie ein Sprung ins kalte Wasser. "Ich habe mich jeden Morgen gefragt: 'Warum tust du dir das an?' Was ich aber positiv bemerken muss, - und ich muss sagen, das hält auch vor, wenn ich so drüber nachdenke - ist, dass ich sehr viel Distanz zu dem gewonnen habe, was ich mache und wer ich selber bin."

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