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StartseiteCampus & KarriereLehrer - verzweifelt gesucht11.08.2017

Sachsen-AnhaltLehrer - verzweifelt gesucht

Zum Schulanfang in Sachsen-Anhalt fehlen an allen Ecken und Enden Lehrer. Für das Bundesland ist das Problem neu, kommt aber nicht überraschend. 370 neue Stellen sind ausgeschrieben, dennoch ist Abhilfe so schnell nicht in Sicht.

Von Uli Wittstock

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Ein leeres Klassenzimmer einer Schule am Mittwoch (04.11.2009) in Leipzig. Wegen der Schweinegrippe ist am gleichen Tag die vierte Schule in Sachsen-Anhalt geschlossen worden. (dpa / Peter Endig)
Sachsen-Anhalt braucht neue Lehrer - aber werden die auch kommen? (dpa / Peter Endig)
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Magdeburg, Grundschule am Glacis. Eltern begleiten ihre Kinder bis zum Schultor. Doch schon während der Ferien sorgte die Bildungspolitik des Landes für Schlagzeilen. Stichwort Lehrermangel.

"Prinzipiell merkt man das natürlich schon aber wir sind davon Gott sei Dank nicht betroffen."

"Dass für die Kinder der Unterricht ausfällt, macht uns schon Sorgen."

"Ich seh kein Problem. Zwar ist wegen Elternzeit jetzt eine Lehrerin zu Hause, aber wir haben eine neue Klassenlehrerin."

Schulpflicht nicht vollständig erfüllt

Also eine nicht ganz klare Ausganglage zum Schuljahresbeginn. Je nach Schultyp und Standort ist die Unterrichtsversorgung sehr unterschiedlich. Grundschulen im ländlichen Raum haben größere Probleme als Gymnasien in der Stadt. Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, spricht von einem Stolperstart ins neue Schuljahr.

"Die negativen Voraussagen für das neue Schuljahr bewahrheiten sich leider. Wir starten wahrscheinlich mit einer Unterrichtsversorgung von 97 Prozent, wobei einige Schulen bei 70 Prozent sind derzeit. Das heißt, dass die Schulpflicht nicht vollständig erfüllt werden kann."

Sachsen-Anhalts Schulminister Marco Tullner (CDU) hält diesen Vorwurf für überzogen. Nach seiner Rechnung ist die Unterrichtsversorgung deutlich besser, als die der Lehrergewerkschaft GEW vorgelegten Zahlen. Allerdings hatte die schwarz-rot-grüne Landesregierung 103 Prozent versprochen. Die werden in diesem Schuljahr nicht erreicht, so der Minister.

"Wir werden über einhundert Prozent liegen und uns an die 103 herantasten. Ich habe in der Regierung wahrgenommen, dass niemand von mir erwartet, eineinhalb Jahre nach Start der Koalition den Koalitionsvertrag erfüllt zu haben. Aber auch mit 103 Prozent werden wir nicht alle Probleme lösen. Das muss ich ganz klar sagen. Die Zahl ist eine abstrakte Größe und Schulen sind ein konkreter, wo Unterricht eben stattfindet oder ausfällt."

Landesregierung hat geschlafen

Und das derzeit leider viel zu oft. Darin sind sich alle einig. Das Problem fehlender Lehrer ist für Sachsen-Anhalt relativ neu, aber es kommt nicht überraschend, als Spätfolge des demografischen Wandels. Als sich nach der Wende die Schülerzahlen halbierten, blieben trotz Vorruhestandsregelungen zu viele Lehrer im Schuldienst. Zwanzig Jahre lang gab es so gut wie keine Neueinstellungen. Jetzt aber steht eine Verrentungswelle in den Schulen an. Sachsen-Anhalt habe nicht rechtzeitig gegengesteuert so GEW-Landeschefin Eva Gerth.

"Also, ich glaube, die Landesregierung schläft, speziell der Kultusminister. Wir schreiben immerhin Beamtenstellen aus, es ist schon so, dass man deshalb gerne nach Sachsen-Anhalt kommt. Aber im Moment suchen alle Bundesländer Lehrkräfte. Und da sind andere Bundesländer möglicherweise attraktiver."

370 Stellen hatte das Ministerium im Frühjahr ausgeschrieben. Einhundert davon blieben unbesetzt. Einer von denen, die sich nicht bewarben, ist Max Haas. Der junge Mann hat in Magdeburg Abitur gemacht und dann Lehramt studiert. Sachsen-Anhalt ist aus seiner Sicht nicht attraktiv genug.

"Die ländlichen Regionen reizen mich nicht so sehr und da ist Sachsen-Anhalt doch sehr ländlich. Eine Person kenne ich, die in Halle studiert und dann wahrscheinlich auch in Sachsen-Anhalt Lehrer wird. Aber ansonsten sind viele weggegangen. So gut wie alle."

Quereinsteiger ermutigen

Und so will das Land nun verstärkt auf Quereinsteiger setzen. Der Installateur als Sachkundelehrer, der Bauingenieur im Matheunterricht. Was in den musischen Fächern schon länger üblich ist, soll nun auf andere Fächer übertragen werden. Doch Sachsen-Anhalts Kultusminister Tullner warnt vor überzogenen Hoffnungen.

"Wir werden Quereinsteiger ermutigen, im Schuldienst zu arbeiten. Aber dass wir Leute ohne Kompetenzen in das System Schule einstellen, das wird es nicht geben."

Doch egal wie die Lösung aussieht, der Lehrermangel wird dem Land erhalten bleiben. Denn in den nächsten zehn Jahren werden 7.000 Lehrer die Altersgrenze erreicht haben, das ist etwa die Hälfte des gesamten pädagogischen Personals.

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