• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteEuropa heuteIS-Flagge zur Begrüßung08.02.2016

Salafistendorf Gornja Maoca in BosnienIS-Flagge zur Begrüßung

Gornja Maoca ist ein kleines Dorf in den bosnischen Bergen. Etwa 200 Menschen leben hier. Hier wehten IS-Fahnen, von hier aus zogen Kämpfer nach Syrien. Auch der Mann, der auf die US-Botschaft in Sarajevo schoss, lebte hier. Die bosnischen Behörden sehen darin mittlerweile ein Sicherheitsproblem - aber die Dorfbewohner zeigen sich selbstbewusst und hoffen auf den EU-Beitritt.

Von Stephan Ozsváth

Eine IS-Flagge hängt an der Moschee in Mossul (12.9.2014) (dpa / picture-alliance / Str)
IS-Flagge: Die Behörden sehen die Rolle einiger muslimischen Dorfgemeinschaften mittlerweile kritisch. (dpa / picture-alliance / Str)
Mehr zum Thema

20 Jahre Dayton-Abkommen Tiefes Misstrauen in Bosnien-Herzegowina

Bosnien-Herzegowina Vor 20 Jahren begannen die Friedensverhandlungen

Bergdorf unter Verdacht IS-Terrorcamp in Bosnien?

Gornja Maoca, ein kleines Dorf in den Bergen im Nord-Osten Bosniens. Schafe stehen auf der Weide in der winterlichen Hügellandschaft. Und ein Schaf wollen die Bewohner auch – der Preis für ein Interview mit der ARD. Bosnische Sicherheitsbehörden vermuten in dem Dorf Terrorwerber. Von hier sind viele in den Dschihad gezogen. Sprecher der 200-köpfigen Dorfgemeinschaft ist Edis Bosnic. Der 35-Jährige gibt sich friedlich, ist aber auch fasziniert von der Idee des Islamischen Staates, ein weltweites Kalifat zu errichten:

"Ob das unser Wunsch ist? Aber klar", sagt er. "Natürlich wollen wir, dass alle Muslime in einem Staat leben, wo wir keine Probleme mehr haben. Wo alle Muslime ein und denselben Reisepass besitzen. Wo drauf steht, dass ich an Allah glaube. Und an unseren Propheten Mohammed."

Anhänger radikaler Salafisten und der Al-Nusra-Front

Bosnic trägt einen langen Bart und eine Gebetsmütze. Auf Twitter folgt er radikalen Salafisten, so dem IS-Rekrutierer Abu Muthanna, aber auch der islamistischen Al-Nusra-Front, die in Syrien kämpft. Im Dorf haben Journalisten schon IS-Flaggen wehen sehen. Die Polizei war hier mehrfach zu Razzien. Ein Dorfbewohner hatte vor vier Jahren die US-Botschaft in Sarajevo beschossen. Es folgen Verhaftungen. Auch Bosnic kommt kurzzeitig ins Gefängnis. Gornja Maoca – eine Parallelwelt.

"Wir erkennen die Gesetze nicht an, respektieren sie nicht", sagt Bosnic. "Im Herzen sowieso nicht." - "Warum?" - "Weil es Unrecht war, uns ins Gefängnis zu werfen."

Gut 200 Bosnier sind in den Krieg nach Syrien oder den Irak gezogen. Auch aus Gornja Maoca. Spuren aus dem Bergdorf führen auch in die Salafisten-Szene von Wien, etwa zu dem radikalen Prediger Ebu Tejma, dem gerade in Graz der Prozess gemacht wird. Mijo Kresic, stellvertretender Minister für Innere Sicherheit gibt zu.

"Offensichtlich haben wir einigen Dingen nicht genügend Beachtung geschenkt", sagt er. "Denn inzwischen hat sich die Zahl derjenigen multipliziert, die verfassungsfeindlich sind. Die statt Demokratie ein Leben ausschließlich unter der Scharia wollen."

Dorfbewohner hoffen auf EU-Beitritt

Salafisten aus Deutschland loben die fromme Gesinnung der Bewohner von Gornja Maoca und rufen zu Spenden auf. Dass Bosnien jetzt einen Antrag auf EU-Beitritt stellen will, davon ist Dorfsprecher Edis Bosnic begeistert. Er träumt schon von einer islamischen Mission ohne Grenzen.

"Wenn Bosnien eines Tages der EU beitritt, dann würde uns das viele Türen öffnen", sagt er. "Dann könnten wir auch woanders aktiv werden. Das wäre viel leichter bei offenen Grenzen. Wir könnten unseren wunderschönen Islam dann auch an die Deutschen weitergeben."

In Bosnien selbst ist bereits eine schleichende Islamisierung zu beobachten, selbst in der Hauptstadt Sarajevo. Möglich machen es saudische Petro-Dollars. Nicht nur die größte Moschee haben Saudis gebaut, sondern auch zwei riesige Shoppingmalls. Dort gibt es einen Gebetsraum – ungewöhnlich für Bosnien. Und im Supermarkt wird kein Alkohol verkauft.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk