Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteKultur heutePostsowjetische Gewaltorgie 03.08.2017

Salzburger FestspielePostsowjetische Gewaltorgie

Dirigent Mariss Jansons brachte alle Leidenschaft und Brutalität in Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" zum Klingen. Regisseur Andreas Kriegenburg inszenierte opulent, aber zahnlos. Manches blieb unentschieden.

Von Christoph Schmitz

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Salzburger Festspiele: "Lady Macbeth von Mzensk"
 Oper in vier Akten von Dmitri Schostakowitsch (Urfassung 1930-1932) Libretto von Alexander Preis und Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Novelle (1865) von Nikolai Leskow Premiere: 2.8.2017, Musikalische Leitung: Mariss Jansons, Regie: Andreas Kriegenburg, Bühne: Harald B. Thor, Kostüme: Tanja Hofmann, Licht: Stefan Bolliger, Dramaturgie: Christian Arseni, Mitte: Nina Stemme (Katerina Lwowna Ismailowa). (Salzburger Festspiele / Thomas Aurin)
Stimmvolumen: die Sopranistin Nina Stemme als Katharina Lwowna (Salzburger Festspiele / Thomas Aurin)
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Das Betonlabyrinth einer postsowjetischen Großstadt samt schäbigem Hinterhof ragt auf der Bühne grau in grau auf. Der Chef des Familienclans in feinem Anzug, Boris Ismailow, hat Sohn, Schwiegertochter Katarina und seine Angestellten fest im Griff. Der russische Bassist Dmitry Ulyanov singt und spielt den Tyrannen aufs Beste.

Seine erotisch unterversorgte Schwiegertochter wehrt sich und bringt nicht nur den Oligarchen, sondern auch dessen Sohn, ihren Ehemann Sinowi, um, und am Ende sich selbst. Die schwedische Sopranistin Nina Stemme verfügt zwar über das Stimmvolumen und die vielfachen Schattierungen der Katarina-Stimme, aber zu wenig über die jugendliche Aura und Vitalität der Figur. Brillant singt und spielt der amerikanische Tenor Brandon Jovanovich Katarinas Geliebten Sergej.

Jahrmarkts-Horror mit Pennäler-Witzchen

Regisseur Andreas Kriegenburg inszeniert einen Hyperrealismus, will mit Tristesse, Ekel und Gewalt dauernd schockieren, aber was bleibt ist Jahrmarkts-Horror und Pappkulissen-Hölle. Außerdem kann Kriegenburg sich nicht zwischen Drama und schwarzer Komödie entscheiden. Und seine Komik kommt über Pennäler-Witzchen nicht hinaus.

Bei den Salzburger Festspielen ist im Musikbereich mit der Premiere von Schostakowitschs "Lady Macbeth" nach vielen großartigen Opern und Konzerten zum ersten Mal etwas nicht ganz so rund gelaufen. Vielversprechendes steht aber noch aus.

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