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StartseiteSport am WochenendeEin schräger Typ06.02.2016

SchachEin schräger Typ

Die Schach-WM findet dieses Jahr in den USA statt, in den nächsten Tagen soll der Austragungsort festgelegt werden. Bis dahin muss der Schachweltverband FIDE noch ein Problem klären. Es geht um keinen geringeren als den Präsidenten.

Der Präsident des Weltschachverbandes, Kirsan Iljumschinow (picture-alliance / dpa / Ramil Sitdikov)
Der Präsident des Weltschachverbandes, Kirsan Iljumschinow (picture-alliance / dpa / Ramil Sitdikov)
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Kirsan Iljumschinow ist eine schillernde Persönlichkeit: Er war Politiker, von 1993 bis 2005 Präsident der russischen Teilrepublik Kalmückien am Kaspischen Meer; er ist ein international tätiger Geschäftsmann mit Anteilen an diversen Großunternehmen; er ist seit 1995 Präsident des Weltschachverbandes; und er hat schon mal Außerirdische gesehen. "Die sind gelb, ansonsten sehen sie aber ganz normal aus, wie wir."

Er sei sogar mit dem UFO geflogen, so Iljumschinow in einem Fernsehinterview. "Von abends um elf bis zum nächsten Mittag um zwölf. Dann habe ich mich wieder materialisiert. Ich habe überlegt, ob ich darüber reden soll. Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt Präsident Kalmückiens. Und Präsident der FIDE mit Millionen Schachspielern. Die könnten mich für verrückt erklären. Aber dann habe ich beschlossen, dass irgendjemand sagen muss, dass wir nicht allein auf der Welt sind."

Geschäfte mit Assad?

Seiner Karriere hat es nicht geschadet. Zuletzt wurde Iljumschinow 2014 als Präsident des Weltschachverbandes bestätigt. Er setzte sich mit großer Mehrheit gegen Ex-Weltmeister Garry Kasparow durch. Der, und nicht nur er, wirft Iljumschinow vor, die FIDE intransparent zu führen und dem Schach Schaden zuzufügen. Um Iljumschinow gab es immer wieder Skandale, unter anderem, weil er sich mit Diktatoren wie Gaddafi in Libyen traf. Und er soll Geschäfte mit dem syrischen Diktator Assad gemacht haben. Konkret wirft die US-Regierung ihm vor, er habe als Mittelsmann Öleinkäufe Assads beim sogenannten Islamischen Staat abgewickelt. Die US-Regierung hat den Russen deshalb Ende November auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Iljumschinow selbst streitet Geschäfte mit Assad ab. Dem russischen Fernsehen sagte er: Ich war vor zwei Jahren in Syrien, offiziell, bei einem Schachturnier für Kinder. Da habe ich die Staatsspitze getroffen. Aber es gab keine Geschäftsbeziehungen.

Als Konsequenz der Strafmaßnahmen legte Iljumschinow Ende letzten Jahres bereits einen Teil seiner Vollmachten als FIDE-Präsident nieder. Doch nun werden weitere Schritte nötig. Denn die Schach-WM soll in diesem Jahr in den USA stattfinden. Aufgrund der Sanktionen darf Iljumschinow nicht ins Land. Eine Weltmeisterschaft ohne den Verbandspräsidenten wäre aber zumindest merkwürdig. Gut möglich deshalb, dass Iljumschinow sein Amt nach mehr als zwanzig Jahren vollständig niederlegt. Medienberichten zufolge hat er bereits einen neuen Posten im Visier. Es heißt, er wolle in einigen Jahren Präsident des Fußballweltverbandes FIFA werden.

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