Sonntag, 21.01.2018
StartseiteVerbrauchertippPrivates Risiko oder Anspruch auf Schadensersatz?01.11.2017

Schäden durch WildtierePrivates Risiko oder Anspruch auf Schadensersatz?

Umgepflügte Felder, abgenagte Baumrinde und abgefressene Triebe an Sträuchern und Ästen: Wildschweine, Hirsche und andere Wildtiere können für große Schäden im Wald sorgen, sodass die Pflanzen nicht mehr ungehindert wachsen können. Doch wer haftet für diese Schäden und wer hat einen Schadensersatzanspruch?

Von Sandra Voß

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Rothirsche auf einer Waldwiese im Rauhreif, aufgenommmen im Erzgebirge (imago / Blickwinkel / S. Meyers)
Schneller als man denkt: Waldschäden durch Wildtiere (imago / Blickwinkel / S. Meyers)
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Wer jetzt im Herbst durch die Natur geht, kann sie deutlich sehen, die Schäden, die Tiere im Wald oder im eigenen Garten anrichten. Das sind beispielsweise von Wildschweinen umgepflügte Felder. Oder von Tieren abgenagte Triebe an Bäumen und Sträuchern, so genannte Verbisse. Das führt dazu, dass die Pflanzen nicht oder nur sehr schlecht wachsen.

Gerade im Winter kommt es besonders oft zu sogenannten Schälschaden, erklärt Carsten Leßner, Leiter des Referats Wald und Forstwirtschaft im Umweltministerium in Brandenburg.

Instabile und brüchige Bäume

Also Rinde von den Bäumen fressen, das machen in erster Line Rothirsche, aber auch das Damwild. Sie knabbern im Winter und im Sommer an der Rinder herum und das ist dann ein Einfallstor für Pilze. Die Bäume werden instabil und brechen dann bei so einen Sturm wie Xavier deutlich schneller zusammen als das normal der Fall wäre.

Spätestens dann können solche Wildschäden auch zu einem Problem für Wanderer und Waldspaziergänger werden. Grundsätzlich gilt: Wald ist in Deutschland frei zugänglich und darf nur in Ausnahmefällen für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Egal ob der Wald dem Staat gehört oder Privatbesitz ist.

Durch dieses freie Betretungsrecht, was abgesichert ist, liegt das Risiko, dass beim Waldspaziergang etwas passiert und Ihnen ein Ast auf den Kopf fällt, bei dem Waldspaziergänger und gerade nicht bei Waldbesitzer:

Passiert also ein Unfall, haben Naturliebhaber tatsächlich keine Chance auf eine Entschädigung. Übrigens auch nicht, wenn es zu einer Begegnung mit Wildschweinen kommt.

Privates Risiko

Wild ist herrenlos. Es gibt keinen Eigentümer dieses Wildes. Das heißt, wenn sie im Wald von einem Keiler angegriffen werden, ist das ihr privates Risiko und sie können niemanden schadensersatzpflichtig machen.

Auch wenn Wildschweine den eigenen Garten umgepflügt haben, gibt's keine Schadensersatz. Hier helfe nur: ein aus eigener Tasche bezahlter, stabiler, tiefer Zaun, erklärt Carsten Leßner.

Immerhin: Bei Schäden an land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen haben die Grundstücksbesitzer oder Pächter grundsätzlich einen Schadenersatzanspruch. Das gilt auch, wenn man beispielsweise nur ein kleines Stück Wald für die eigene Brennholzversorgung gepachtet hat. Der Betroffene muss den Schaden dafür innerhalb einer Woche beim Ordnungsamt melden. Die Entschädigung tatsächlich zu bekommen, ist allerdings kompliziert. Laut Bundesjagdgesetz muss eigentlich die Jagdgenossenschaft für die entstanden Schäden haften. Doch oft überträgt die Jagdgenossenschaft die Zahlungspflicht an den Jagdpächter. Das ist meist der örtliche Jäger, also eine Privatperson. Da die entstandenen Schäden schon bei kleinen Flächen schnell zwischen 1000-2000€ liegen, kommt es oft zu Streitigkeiten und gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Vor allem unter den Besitzern von Hühnern und Schafen sorgt die Rückkehr des Wolf nach Deutschland für Unruhe. Da der Wolf als geschützte Tierart nur in Ausnahmefällen geschossen werden darf, springen hier meist die Bundesländer ein und entschädigen die Eigentümer.

Sie bekommen einen Entschädigung, wenn sie einen Riss oder einen vermeintlichen Wolfsriss festgestellt haben, sofort unsere Hotline anrufen, erklärt Andreas Piela vom brandenburgischen Umweltministerium. Handelt es sich tatsächlich um den Riss eines Wolfes, zahlt das Land freiwillig als Ausgleich den Wert der Tiere.

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