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StartseiteWirtschaft am MittagScharia-konforme Finanzprodukte in Deutschland09.05.2012

Scharia-konforme Finanzprodukte in Deutschland

Neuer Investment Fonds in Frankfurt vorgestellt

Der malaysische Vermögensverwalter CIMB Principal hat den Vertrieb islamischer Finanzprodukte in Deutschland gestartet. Die Geldanlagen orientieren sich an der Scharia, dem Rechtssystem der Muslime. Neben einem strikten Zinsverbot gelten dabei auch für Investitionen strenge Regeln.

Von Michael Braun

Bankgeschäfte im Einklang mit der Sharia - es ist vor allem das Zinsverbot des Koran, das den Unterschied zur konventionellen Geldanlage ausmacht. (AP)
Bankgeschäfte im Einklang mit der Sharia - es ist vor allem das Zinsverbot des Koran, das den Unterschied zur konventionellen Geldanlage ausmacht. (AP)

Die muslimische Weltbevölkerung wächst, von derzeit 1,5 Milliarden auf wohl 2,5 Milliarden im Jahr 2020. Ihr Vermögen auch, schon weil viele Petrodollar in muslimische Staaten fließen. Den Menschen und dem Geld muss ein Angebot gemacht werden, wie die Vermögen investiert und angelegt werden können. Scharia-konforme Anlagen wachsen deshalb stark. Der weltweite islamische Finanzmarkt wird auf derzeit knapp 1,5 Billionen Dollar geschätzt, Tendenz: steigend. Und zwar jährlich mit Wachstumsraten von 15 bis 16 Prozent. Einer der großen Anbieter, die CIMB Principal Islamc Asset Managemt kommt aus Malaysia und warb heute auch in Deutschland um Kunden.

Die Chefin der Fondsgesellschaft, wusste, dass sie ganz unten mit der Information beginnen musste, auch um Vorurteilen zu begegnen: Der Begriff Islam in der Finanzbranche habe nicht mit Terrorismus zu tun, sondern markiere eine eigene Anlagephilosophie:

"”The word "islam” in the financial market – it is not terrorism. It is actually a financial inclusion.”"

So Datuk Noripha Kamso heute in Frankfurt. Und Professor Matthias Casper, Rechtswissenschaftler am Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster, bestätigt die Seriosität Scharia-konformer Geldanlagen.

"Sie kennzeichnen sich vor allen Dingen dadurch, dass man versucht, ein Finanzprodukt so auszugestalten, dass es den Vorgaben des islamischen Rechts, insbesondere dem Spekulationsverbot und dem Zinsverbot gerecht wird. Das sind einfach Anlageformen, die Anleger aus religiösen Motiven freiwillig wählen. Da ist kein Zwang dahinter. Da ist nichts Unanständiges dahinter, nichts Gefährliches. Also das sind im Prinzip Bankprodukte wie andere auch mit einem anderen Anstrich."

Es ist vor allem das Zinsverbot des Koran, das den Unterschied zur konventionellen Geldanlage ausmacht. Geld darf nach koranischer Vorstellung nicht mit Geld verdient werden. Spekulation ist untersagt, schon weil sie dem Glücksspiel nahekommt. Islamische Geldanlage basiere auf handelbaren Gütern, auf vermögensbasierten Transaktionen, klärte Frau Kamso auf:

"”It is fundamentally based on tangible and asset backed transactions.”"

Natürlich müssen auch islamische Banken ihre Kosten decken. Geld gibt es also auch von ihnen nicht zum Nulltarif. Oft erwirbt der Geldgeber vom Geldnehmer ein Gut und verkauft es zu einem höheren Preis weiter. Auch wenn das Gut oft nur für wenige Sekunden im Besitz des Geldgebers ist – dieser Gewinn fließt aus einem Handelsgeschäft, nicht aus einem Zins. Lügt man sich letztlich in die Tasche? Es so zu sehen, werde der kulturellen Eigenart islamsicher Bankprodukte nicht gerecht, meint Professor Casper:

"Der entscheidende Unterschied ist, dass das islamische Recht die Vorgabe macht, dass das Geld sich nicht aus sich selber heraus vermehren soll, sondern dass sie, um Gewinne zu erzielen, ein unternehmerisches Risiko übernehmen. Das hat jetzt zur Folge, dass Sie nur dann Erträge bekommen aus den islamischen Finanzprodukten – im Grundsatz -, wenn hier eben Gewinn erwirtschaftet wird."

Wie dringlich die Fragen rund um koranische Geldanlagen werden, zeigt auch dies: Die deutsche Bankenaufsicht BaFin hat für morgen zu einer Konferenz zum Thema islamische Finanzprodukte eingeladen, nach 2009 nun zum zweiten Mal. Denn einzelne islamische Bankprodukte fallen nicht unter das deutsche Kreditwesengesetz. Sie sind damit unreguliert. Professor Casper:

"Islamische Banken allerdings unterfallen, auch wenn sie hier in Deutschland tätig werden, der Bankenaufsicht. Insoweit besteht kein Problem."

Nur eins steht schon einmal fest: Der Dow Jones Islamic Market World Index hat in den vergangenen fünf Jahren besser abgeschnitten als der Dow Jones Global.

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