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StartseiteFirmenporträtVerborgenes Geschäft mit Krediten21.07.2017

Schattenbanker Dan ZwirnVerborgenes Geschäft mit Krediten

Die Regulierungen für die US-Finanzbranche haben dazu geführt, dass der unregulierte graue Finanzsektor boomt: Unternehmen mit schlechter Bonität bekommen Geld - zu horrenden Zinsen. Für den Chef des New Yorker Finanzunternehmens Arena Investors ist der Titel Schattenbanker trotzdem kein Schimpfwort.

Von Heike Wipperfürth

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ILLUSTRATION - Auf einer US-amerikanischen Fahne in Dresden (Sachsen) liegt am 16.10.2013 eine zerissene zehn-Dollar-Banknote. Foto: Arno Burgi/dpa | Verwendung weltweit (Arno Burgi)
Mit der Vergabe unregulierter Kredite an Firmen, die kein Geld mehr von Banken bekommen, verdient US-Geschäftsmann Dan Zwirn zweistellige Renditen. (Arno Burgi)
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"Hello Dan!" Die PR-Beraterin wartet schon, als Dan Zwirn in das Konferenzzimmer mit Blick über die Skyline von Manhattan im legendären Chrysler Building eilt. Der 45-Jährige, ein Zahlenjongleur mit schütterem Haar und wachen Augen, leitet Arena Investors, eine 1 Milliarde Dollar schwere Finanzfirma mit rund 40 Angestellten in New York. Sein Geschäftsmodell? Mit der Vergabe unregulierter Kredite an Firmen, die kein Geld mehr von Banken bekommen, zweistellige Renditen zu verdienen.

Und jede Gelegenheit zu nutzen, um den Profit zu maximieren, gibt  Dan Zwirn ohne Umschweife zu: "In Florida können US-Staatsbürger bis zu 80 Prozent des Wertes ihrer Immobilie beleihen und einen Kredit mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einem Festzins von 4 Prozent erhalten, Ausländer aber nicht. Bei uns können sie aber 55 Prozent ihrer Immobilie beleihen. Wir geben ihnen einen Kredit mit einer Laufzeit von 2 Jahren und einem Zinssatz von 12 Prozent. Das ist doch besser als gar nichts."

Keine Bankenlizenz, keine Eigenkapitalvorschriften, wenig Kontrolle - das verborgene Geschäft mit Krediten blüht, seit regulierte Banken immer risikoscheuer werden und riskante Kredite aus ihren Büchern verbannen. Dass Schattenbanken wie Arena Investors  strenger überwacht werden sollten, findet Dan Zwirn nicht. "Wir werden schon streng reguliert - wenn auch nicht von der Bankenaufsicht. Neben staatlichen Regulierern, die Zinswucher und andere Dinge kontrollieren, sind aber auch noch die Wertpapierbehörde und viele andere Kontrollorgane tätig."

Vom Harvard-Business-School-Absolvent zum Multimillionär

Der Wall-Street-Finanzier weiß, wovon er spricht. In seinen 30ern leitete er einen bis zu 12 Milliarden Dollar schweren Hedge Fonds, den er 2001 gegründet hatte. Dieser vergab teure Kredite an rund 1.000 Firmen, darunter ein Krankenhaus in Italien, das seine Zulieferer nicht mehr bezahlen konnte. 

Schnell wurde der Harvard-Business-School-Absolvent zum Multimillionär. Doch nach dem rasanten Aufstieg kam der tiefe Fall: Sein Hedge Fonds geriet wegen eines Buchhaltungsvergehens beim Kauf eines Flugzeugs in das Visier der Aufsichtsbehörde SEC - und musste schließen. 

Fünf Jahre brauchte Zwirn, um seine Unschuld zu beweisen - und fing noch mal von vorne an: Mit 15 Millionen Dollar aus der eigenen Tasche  gründete der Vater zweier Kinder 2013  Arena Investors. Und feiert inzwischen sein Comeback. Vor zwei Jahren vereinbarte er  mit der kanadischen Beteiligungsgesellschaft Westaim Corporation eine weitreichende Partnerschaft.

Und gerade hat ihm Fairfax Financial Holdings, ein anderes kanadisches Finanzinstitut, 500 Millionen Dollar gegeben, um sie zu investieren - aus gutem Grund, sagt Dan Zwirn: "Die Entschädigung für unsere Darlehen liegt im Schnitt bei 18 Prozent. Wir machen also etwas richtig und werden für unseren Einsatz angemessen entschädigt."

Geeignete Kreditnehmer zu finden - das ist eine der größten Herausforderungen für Dan Zwirn. Fracking-Unternehmen zum Beispiel, denen die Banken seit dem Absturz des Ölpreises keine Darlehen mehr geben wollen. Oder andere Schattenbanken wie Pearl Capital. Die Firma  schießt klammen Pizzeria- und Blumenladenbesitzern schnelles Bargeld vor - und verlangt dafür Zugriff auf zukünftige Geschäftseinnahmen.

Voriges Jahr hat Dan Zwirn Pearl Capital ein Darlehen von 20 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Er erläutert: "Es ist ein aufstrebendes Kreditinstitut, das aktiv wurde, als die Banken keine Kredite mehr an Kleinunternehmen vergeben wollten."

30 Millionen Euro jährlich für Rettung des AC Mailand

Während in den USA inzwischen fast jeder zweite Kredit aus einer Schattenbank kommt, formt sich eine breite Gegenbewegung: 20 US-Bundesstaaten, darunter Kalifornien und New Jersey, erwägen die Eröffnung sogenannter öffentlicher Banken. Sie sollen mit Steuergeldern finanziert werden und Darlehen zum Niedrigzins in ihrer Umgebung vergeben, sagt der Rechtsanwalt Earl Staelin, ein starker Verfechter dieses Konzeptes. "Hätten Sie lieber eine Bank, die sich zum Dienst an der Gemeinschaft verpflichtet? Oder eine, die ihre Gewinne maximieren will, was oft auf die Kosten der Gemeinschaft geht?"

Dan Zwirn macht unverdrossen weiter - und weitet sein Geschäftsfeld nach Europa aus. Denn Arena Investors ist einer der Finanzinvestoren, die im April ein Darlehen von 300 Millionen Euro an chinesische Investoren vergaben, um die Übernahme des hoch verschuldeten Fußballklubs AC Milan von dem Ex-Premier Silvio Berlusconi zu retten - und dafür laut Presseberichten Zinszahlungen von insgesamt 30 Millionen Euro pro Jahr erhalten.

Dan Zwirn will sich zu den Details des Deals nicht äußern, sagt aber: "Wenn man einen sehr komplizierten, großen Deal schnell abwickelt, dann muss es auch eine angemessene Entschädigung geben. Ich glaube, wir haben sie bekommen."

Fußball-Begeisterung? Die hat Dan Zwirn nicht entwickelt. Er bewahrt einen kühlen Kopf und interessiert sich nur für das, was unter dem Strich übrig bleibt. "Wir empfinden keine Leidenschaft, wenn wir Kredite vergeben. Fußball ist für uns nichts anders als Geräte oder eine Bank oder Immobilien. Wir schauen nur auf die angemessene Vergütung für das Risiko, das wir eingehen." 

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