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StartseiteTag für TagWarum dürfen Meghan Markle und Prinz Harry kirchlich heiraten? 16.05.2018

Scheidung in der Anglikanischen Kirche Warum dürfen Meghan Markle und Prinz Harry kirchlich heiraten?

Die Ehe, der "Bund fürs Leben", kann scheitern. Das haben viele Mitglieder des englischen Königshauses erfahren müssen. Auch Meghan Markle, die Prinz Harry heiraten will, hat bereits eine Ehe hinter sich. Vor ein paar Jahren wäre das für die Anglikanische Kirche noch ein No-Go gewesen.

Von Ada von der Decken

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Die US-Schauspielerin Meghan Markle und ihr Verlobter, Prinz Harry (AFP/ Adrian Dennis)
Die US-Schauspielerin Meghan Markle und ihr Verlobter, Prinz Harry (AFP/ Adrian Dennis)
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Das Thema Scheidung ist so alt wie die Anglikanische Kirche selbst. Es geht auf das 16. Jahrhundert zurück: König Heinrich VIII. möchte sich scheiden lassen, weil aus seiner Ehe kein männlicher Thronfolger hervorgeht.  Scheidungen gibt es nach damaligem Recht jedoch nicht, nur Annullierungen. Dafür müsste allerdings der Papst sein Einverständnis geben:

"Heinrich erhielt vom Papst aber eine Absage. Daher kam es zur Abspaltung Englands von Rom. Die erste Ehe des Königs wurde annulliert. Das bedeutet: Es wurde so getan, als hätte die Ehe nie stattgefunden, obwohl diese mehr als zwei Jahrzehnte gedauert hatte. Gleichzeitig ernannte sich Heinrich zum Oberhaupt der Kirche. Man kann also sagen, dass die Gründung der Anglikanischen Kirche ziemlich eng mit dem Thema Scheidung verbunden ist", sagt Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch, der als Professor an der Universität Oxford lehrt.

Edward verzichtet auf den Thron, um heiraten zu dürfen

Das Thema Scheidung wird rund 400 Jahre später erneut zum Problem für die Monarchie, als König Edward VIII. seine geliebte – aber zweifach geschiedene – Wallis Simpson heiraten will. Der König entscheidet sich für die Liebe und dankt ab.

Der Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch lehrt als Professor an der Universität Oxford (Deutschlandradio / Ada von der Decken)Der Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch lehrt als Professor an der Universität Oxford (Deutschlandradio / Ada von der Decken)

MacCulloch: "Im 20. Jahrhundert hinkten die Königsfamilie und die Anglikanische Kirche immer stärker hinter der gesellschaftlichen Entwicklung her. Der Erzbischof von Canterbury machte daraus eine große Gewissensfrage. Aber das Volk stand nicht dahinter und König Edward und Frau Simpson taten vielen Menschen leid. Das Volk hatte den Eindruck, die Anglikanische Kirche sei heuchlerisch und hartherzig."

Auch Prinzessin Margaret darf nicht heiraten

In den 1950er Jahren kommt dann auch die Schwester der Königin in Schwierigkeiten: Die Kirche stellt sich quer, als Prinzessin Margaret einen Geschiedenen heiraten will. Eine erneute kirchliche Trauung zu Lebzeiten des Ex-Partners, das sieht die Anglikanische Kirche damals nicht vor.

Princess Margaret's personal message, issued from Clarence House, began with these words, "I should like it to be known that I have decided not to marry Group Captain Peter Townsend" (British Movietone News)

Die "British Movietone News" berichten damals, Prinzessin Margaret habe sich entschieden, Oberst Peter Townsend nicht zu heiraten. Sie beugt sich damit auch ihrer Schwester, die das Oberhaupt der Kirche von England ist.

Erst knapp fünfzig Jahre später, zu Beginn des neuen Jahrtausends, findet die Anglikanische Kirche eine Regelung für heiratswillige Geschiedene. Der Druck zur Veränderung kommt auch aus der Kirche selbst.

MacCulloch: "Zu dem Zeitpunkt waren ziemlich viele Geistliche selbst geschieden und strebten einen Bischofsposten an. Obwohl Scheidungen für die Kirche offiziell gar nicht möglich waren. Es wäre also irrwitzig gewesen, das Verbot aufrechtzuerhalten. Natürlich gibt es heute auch Bischöfe in der Anglikanischen Kirche, die geschieden und erneut verheiratet sind."

Für Charles und Camilla heißt es: Standesamt statt Kirche

Im Jahr 2002 schafft die Kirche endlich Klarheit: Unter bestimmten Umständen dürfen Geschiedene erneut kirchlich heiraten.

MacCulloch: "Die Regel lautet nun, dass der Geistliche das Paar darauf hinweisen muss, dass eine Heirat ein sehr ernster Schritt ist, und dass für die Kirche die Ehe noch immer ein Bund fürs Leben ist. Der Geistliche soll  das Paar genau prüfen."

Und er kann die Eheschließung verwehren, etwa wenn die neue Partnerschaft der Grund für die Scheidung war. Unter diese Ausnahme fällt im Jahr 2005 ausgerechnet der Thronfolger Prinz Charles. Auch seine Partnerin Camilla hat zu dem Zeitpunkt eine Ehe hinter sich. Das bedeutet für das royale Paar: Standesamt statt Traualtar. Und die Mutter des Bräutigams, die Queen, ist nicht anwesend, als sich die beiden das Ja-Wort geben.

MacCulloch: "Sie gingen zum Standesamt, das brachte die Anglikanische Kirche gar nicht erst in Verlegenheit. Aber die Öffentlichkeit fand das verrückt und mittlerweile hat sich auch in der Königsfamilie etwas getan."

Diesmal kommt auch die Queen zur Hochzeit

Die Royals von heute geben sich volksnah. Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle erzählen im BBC-Interview, wie Harry vor ihr auf die Knie ging. An einem normalen Abend gemütlich zu Hause sei das gewesen – es gab Ofenhähnchen.

Prinz Harry und Meghan Markle werden kirchlich getraut. Für die 36-jährige Braut ist es bereits die zweite Ehe. Ihre erste mit einem Filmproduzenten wurde nach zwei Jahren geschieden.

Bei der Trauung in der St. Georgs Kapelle des Windsor Schlosses wird diesmal auch Königin Elizabeth anwesend sein. Drei ihrer vier Kinder haben sich scheiden lassen. Während ihrer inzwischen 65 Jahre dauernden Regentschaft hat sich eben viel verändert: in der Gesellschaft, der Anglikanischen Kirche und auch in der königlichen Familie.

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