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StartseiteSprechstundeSchiff ahoi!01.06.2010

Schiff ahoi!

3. Kongress zur Reisemedizin findet in Hamburg statt

Rund eine Million Deutsche gehen pro Jahr an Bord eines Kreuzfahrtsschiffes - Tendenz steigend. Beim 3. Nordeuropäischen Kongress zur Reisemedizin in Hamburg haben sich die Mediziner mit dieser Art des Reisens beschäftigt.

Von Marion Förster

Mit der richtigen Vorbereitungen sind Kreuzfahrten mit Erkrankungen kein Problem. (Andreas Stopp)
Mit der richtigen Vorbereitungen sind Kreuzfahrten mit Erkrankungen kein Problem. (Andreas Stopp)

Mit dem Fünf-Sterne-Expeditionsschiff in die Antarktis, auf beliebten Routen entlang der norwegischen Fjorde oder auf dem großen Clubschiff durchs Mittelmeer: Kreuzfahrten sind beliebt. An Bord genießen die Passagiere den Komfort eines Luxushotels und können verschiedene Ziele anlaufen, ohne die Unterkunft wechseln zu müssen. Nicht nur eine bequeme Art des Reisens, sondern auch eine sichere, sagt Dr. Clara Schlaich, Leiterin des Zentrums für Schifffahrtsmedizin in Hamburg.

."Grundsätzlich muss man sagen, dass Kreuzfahrten eine sehr sichere Art zu reisen sind und durchaus auch geeignet sind für ältere Menschen, Familien mit Kleinkindern, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen – einfach deshalb, weil es Schiffsärzte an Bord gibt, je nach Reederei auch sehr gut qualifizierte Schiffsärzte mit guter Ausrüstung."

Einige Anbieter haben sich sogar auf chronisch Kranke spezialisiert, zum Beispiel Dialysepatienten. Allerdings sollten Kreuzfahrer mit gesundheitlichen Problemen wie Herzpatienten oder Krebskranke vor Antritt der Reise mit der Reederei klären, ob der Schiffsarzt auf die Behandlung im Notfall vorbereitet ist, empfiehlt Schlaich.

"Die werden relativ klar sagen können, ob sie solche Erkrankungen versorgen können. Das empfiehlt sich auch deshalb, weil es zu Haftungsfragen kommen kann, wenn man mit einer sehr schweren Erkrankung an Bord geht, das nicht mitteilt und das dann dazu führt, dass eine Evakuierung stattfinden muss oder das Schiff seinen Kurs ändern muss, weil das zu erheblichen Kosten fühlt, die man gegebenenfalls übernehmen muss, zumindest droht das."

An Bord selbst zählen Sonnenbrand und Seekrankheit zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen – darauf sollte jeder vorbereitet sein. Probleme mit der Hygiene auf dem Schiff gibt es dagegen selten. Die Reedereien bangen um ihren guten Ruf und achten penibel darauf, dass etwa bei der Warmwasserversorgung oder am Buffet keine Krankheitskeime lauern, weiß Schlaich. Gefährlicher sind die Ausflüge: Auch wenn der Passagier die meiste Zeit an Bord verbringt, sollten sich Fernreisende dennoch mit den Gesundheitsgefahren an Land auseinandersetzen, rät der Leiter der klinischen Forschung am Hamburger Bernhard-Noch-Institut für Tropenmedizin, Gerd Burchard.

"Wenn ich eine Kreuzfahrt mache und in Kenia anlege, in Mombasa oder Westafrika, dann muss ich mir natürlich Gedanken machen über Malaria-Prophylaxe, und man würde es empfehlen. Auch für einen kurzen Aufenthalt an Land bzw. wenn das Schiff im Hafen liegt, sollte man für Hochrisikogebiete eine Malaria-Prophylaxe empfehlen. Das gleiche gilt auch, wenn Landausflüge geplant sind, auch für einige Impfungen. Hepatitis-A-Impfung ist das typische Beispiel, hohes Übertragungsrisiko, dann auch impfen, wenn man nur kurze Zeit im Land ist. "

Eine persönliche reisemedizinische Beratung, wie sie zum Beispiel die Tropeninstitute in Hamburg und München sowie spezialisierte Ärzte anbieten, hilft dabei, zwischen Nutzen und Risiken der Impfungen abzuschätzen, gerade, wenn Vorerkrankungen bestehen. Gegen eine weitere unangenehme Krankheit, die Touristen in fernen Ländern häufig erwischt, kann man sich hoffentlich bald schützen, meint Tropenmediziner (Dr.) Hinrich Sudeck vom Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. Die Rede ist vom Reisedurchfall.

"Das Bernhard-Nocht-Institut erprobt im Augenblick mit anderen tropenmedizinischen Instituten zusammen ein Pflaster, das über eine längere Zeit freigesetzten Impfstoff in den Körper hineinbringt, der dann dazu führen soll, dass man gegen die toxinbildenden Kolibakterien, das sind die häufigsten Erreger des Reisedurchfalls, dass man denen gegenüber weniger anfällig ist."

Allerdings werde es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis das Pflaster marktreif ist. Und schließlich weisen die Reisemediziner noch auf eine Gesundheitsgefahr an Bord von Kreuzfahrtschiffen, die nur schwer zu kontrollieren ist: Die Mitreisenden. Ein hochansteckendes Virus wie etwa das Noro-Virus, Windpocken oder auch die Grippe finden an Bord ideale Bedingungen, um sich auszubreiten, nämlich viele Menschen auf engstem Raum. Manche Reedereien überprüfen deshalb, ob Passagiere Fieber haben, bevor sie an Bord gehen. Die Reisemediziner appellieren auch an die Vernunft der Kreuzfahrer: Niemand sollte eine Reise antreten, wenn er eine ansteckende Krankheit hat. Die Reedereien zeigten sich in der Regel auch sehr kulant, wenn aus diesem Grund umgebucht werde.

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