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StartseiteFirmenporträtUnterwegs mit einem Tankschiff im Hamburger Hafen26.02.2016

SchiffahrtUnterwegs mit einem Tankschiff im Hamburger Hafen

Reihe: "Geschäfte rund um die hohe See"

In den Häfen ist Platz am Kai kostbar. Tankfahrzeuge, die zum Befüllen der Schiffe hin- und herfahren müssten, würden da nur stören. Getankt oder gebunkert, wie es in der Seemannssprache heißt, wird also vom Wasser aus. Unser Autor hat eine schwimmende Tankstelle im Hafen besucht.

Von Godehard Weyerer

kleines Tankschiff schmiegt sich an ein großes Schiff und betankt es mit Kraftstoff (Imago/Chromorange)
Tankschiff in Aktion beim sogenannten Bunkern (Imago/Chromorange)
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Die Bunkerbarge TMS 4 läuft ein Binnenschiff an. 8.000 Liter Kraftstoff hat es geordert. In der Seemannssprache spricht man vom Bunkern.

"Allgemein sagt man in Hamburg zu den kleineren Bunkerschiffen Bunkerbargen."

Erklärt Frank Böhm. Er ist der Geschäftsführer der Hamburg Bunker Service GmbH. 1993 ist er in den Betrieb seines Onkels eingestiegen. Damals hatten sie ein Schiff, heute sind es fünf Bargen, berichtet er:

"Die Aufgabe besteht darin, dass die Schiffe mit Dieselkraftstoff oder Gasöl zu den Binnen- und Hafenschiffen fahren, um sie mit Kraftstoff zu versorgen. Kann man sich vorstellen wie ein Tankwagen an Land, nur eben auf dem Wasser. Wir beliefern die Schifffahrt mit Kraftstoff und Schmierölen."

Transportiert ein Tanklastwagen maximal 20 Kubikmeter, schafft das größte der fünf Bunkerschiffe in der Firmenflotte die 120-fache Menge. Bei den kleineren wie der 37 Meter langen TMS 4 ist es immerhin noch das Achtfache eines LKW.

1.600 Container löscht und lädt eine Acht-Stunden-Schicht

Hafenschipper Christian Auen zieht auf Deck die Ladeleitung, einen schwarz ummantelten Schlauch, über die Holzplanken. Und beschreibt den Tankvorgang:

"Hier beim Binnenschiff gebe ich meinen kleinen Schlauch rüber, der hält den Rüssel rein und fertig. Beim Seeschiff musst du noch meist den Flansch anbauen, schauen was das für Maße sind, sind das englische sind, ist das mit den Bolzen wieder anders wie bei uns. Manchmal kommt auch nur ein Tau runter, dann machen die das selber."

Auf der Brücke steht Schiffsführer Matthias Sander. Gebunkert wird vom Wasser aus. Bei großen Seeschiffen ohnehin. Anders sei es in Hamburg gar nicht erlaubt, sagt Sander:

"Das geht nur auf dem Wasserweg. Autos und alles andere stört nur an den Kaimauern. Wenn hier Betrieb ist mit Container laden und löschen, dann ist hier kein Platz für so was."

1.600 Container löscht und lädt eine Acht-Stunden-Schicht, erzählt Sander. Sein Sohn arbeitet auf einem der riesigen Containerbrücken. Hochstelzige Hubwagen verteilen in Windeseile die Container auf die asphaltierte Terminalfläche. Tankwagen, die die Fahrwege kreuzen, würden da nur stören.

In der Nähe der Landungsbrücken dümpelt im Hafenwasser die Bunkerstation in den Wellen der vorbeifahrenden Schiffe seicht hin und her. Im Keller der Bunkerstation liegen in Regalen Tauwerke, Ölfilter, Farben, auch Arbeitshandschuhe und Putzmittel für die Reinigung der Maschinenräume und des Decks. Hafenschipper Auen und seine Kollegen liefern die bestellte Ware ab, putzen an Bord muss die Besatzung dann selbst. Kerngeschäft bleibt der Verkauf von Kraftstoffen und Schmierölen, sagt Frank Böhm, der Geschäftsführer der Hamburg-Bunker-Service GmbH. Das Auf und Ab der Preise wird in der Regel an den Kunden weitergereicht, erklärt Böhm:

Preisschwankungen am Markt werden an Kunden weitergereicht

"Es gibt welche, die bei jedem Bunkervorgang drei oder vier Mitbewerber abfragen, es gibt aber auch welche, mit denen wir Kontrakte haben. Wobei das immer mit einer Preisformel verbunden ist, sodass die der Kunde die Schwankungen am Markt voll mitbekommt, steigend wie fallend. Also eine ganz faire Geschichte."

Die Reedereien spekulieren auf fallende Rohölpreise. Die Schifffahrt steckt in der Krise. Den derzeit niedrigen Ölpreis gibt Frank Böhm an die Kunden weiter. Bezahlen lässt er sich den Service, das Bunkern – mit Einschränkungen, gibt Böhm zu:

"Wir liefern kein Schweröl aus. Mit unseren kleineren Schiffen kann man das nicht machen. Dafür muss man dann größere Bunkenbargen einchartern, zum Beispiel 2.000-Tonner, die dann an die Ozeanriesen ranfahren und die mit Treibstoff versorgen."

Die Reedereien sparen

Binnenschiffe, die die Firma von Frank Böhm überwiegend beliefert, fahren mit sogenanntem Gasöl, vom Schwefelgehalt vergleichbar mit Heizöl. Seeschiffe verbrennen Schweröl, ein Abfallprodukt aus der Rohölverarbeitung. Schweröl fällt in großen Mengen auch in Hamburg an, zwei Raffinerien gibt es hier. Über Pipelines werden die Kraftstoffe in Zwischenlager gepumpt. Neben Schweröl können die Bunkerschiffe dort auch das schwefelärmere Gasöl an Bord nehmen. Die Hamburger Bunker-Service GmbH fährt für Shell. 16 Mitarbeiter beschäftigt Frank Böhm. Schiffsführer Matthias Sander ist seit elf Jahren im Betrieb. Jetzt steuert er den Getreidehafen an. Sanft legt er die Bunkerbarge längsseits an das Binnenschiff. Hafenschipper Christian Auen reicht die Schläuche über Bord. Der Matrose an Bord scheint neu zu sein. Er findet die Anschlüsse an Bord nicht. Aus Osteuropa stammt er und werde anscheinend gerade angelernt, glaubt Schiffsführer Sander. Er wundert sich:

"Was ist da nun? Geh mal hin und guck mal, was die da machen, ob die schon wieder den Anschluss nicht finden oder was."

Zweimal 4.000 Liter hat die Reederei des Binnenschiffes geordert. Das reicht gerade für die nächste Fahrt. Die Reedereien sparen – in der Binnenschifffahrt wie auf den Atlantik- und Pazifik-Linien. Überkapazitäten drücken die Frachtraten. Solange deswegen keine Schiffe stillgelegt werden, macht sich die Hamburg Bunker Service GmbH über die schwankende Konjunktur in der Schifffahrt keine großen Sorgen. Treibstoff bunkern müssen sie schließlich alle.

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