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StartseiteUmwelt und VerbraucherHundenase gegen gefährliche Sporen24.01.2014

SchimmelspürhundHundenase gegen gefährliche Sporen

Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen und wird schon seit Jahrtausenden als Haustier gehalten. Dank seiner guten Nase ist er bei Polizei und Zoll als Spürhund für Drogen im Einsatz. Aber auch gefährliche Schimmelpilzsporen kann ein Hund erschnüffeln.

Von Lena Stadler

Schimmelflecken an einer Wand (Stock.XCHNG / T. Al Nakib)
Hunde können versteckte Schimmelpilzsporen in der Wand erschnüffeln. (Stock.XCHNG / T. Al Nakib)
Weiterführende Information

Stiftung Warentest | Schimmel erfolgreich bekämpfen (Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 13.01.2014)

Schimmelpilz im Tierfutter (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 19.03.2013)

Naila war erfolgreich. Die schwarz-weiße Bordercollie-Hündin sitzt vor einer Holzwand im Keller und kläfft eine Steckdose an. Hinter der Wand hat sich ein Schimmelpilz versteckt, dessen Geruch von Nailas feiner Nase entdeckt wurde. Das Einfamilienhaus ist alt. Mieter Jens Kreft vermutet feuchte schimmlige Stellen, versteckt im Boden oder der Wand und für den Menschen nicht wahrnehmbar. Deshalb ist Naila heute hier:

"Sicher ist sicher, man sollte so was einfach mal kontrollieren. Vor allem wenn die Bausubstanz schon alt ist. Von dem Schimmel habe ich schon viel Schlechtes gehört und man will ja gesund bleiben."

Ein Schimmelsachverständiger nimmt überall dort, wo Naila Schimmel riecht, eine Probe. Diese wird dann im Labor untersucht. Schimmelspürhunde können besser als ein modernes Messgerät erkennen, wo genau sich giftige Schimmelpilze festgesetzt haben. Das Umweltbundesamt schlägt in seinem so genannten"Schimmelpilz-Leitfaden" deshalb vor, Hunde bei der Schimmel-Suche einzusetzen.

Für ihren Fund bekommt Naila erst mal eine Belohnung, Nassfutter aus einer roten Plastiktube. Durch das Schlecken beruhigt sie sich, um  gleich wieder konzentriert weiterzusuchen kann, wie ihre Besitzerin und Hundeführerin Petra Acker erklärt:

"Der Hund dreht ziemlich hoch beim Arbeiten. Das ist das was ihm Spaß macht, was er gelernt hat, das es belohnt wird. Und dann holt man ihn nach der Anzeige wieder runter in die Ausgangsposition. Das Schlecken ist einfach ein Mechanismus wie das Nuckeln an einer Flasche, dadurch beruhigt er sich und man kann schön weiterarbeiten."

Und schon geht’s weiter. Naila saust wie ein schwarz-weißer Blitz im nächsten Raum die Wand entlang. Während die Hündin arbeitet, ist auch Petra Acker voll konzentriert und achtet auf jede Bewegung, die Naila macht. Als Hundeführer muss man den Hund nämlich"lesen" können, sagt Petra Acker:

"Ich muss ja auch sehen, ob sie es in der Nase hat. Also bei den erwachsenen Hunden kann man das sehr gut sehen. Die machen irgendeine Bewegung oder bleiben kurz stehen. Die Border-Collies arbeiten sehr schnell, die muss man absolut im Blick haben."

Bis zu drei Jahre kann es dauern, bis die Teamarbeit so perfekt klappt wie bei den beiden. Die mittlerweile siebenjährige Naila ist als Welpe von einem Polizeihundeführer ausgebildet worden, Frauchen Petra parallel zur Hundeführerin.

Seit einigen Jahren bildet sie selber Schimmelspürhunde und ihre Hundeführer aus. Ihre Kunden sind etwa Architekten oder Stuckateure, die die Hunde bei der Arbeit einsetzen.

Die Arbeit mit dem Schimmel ist für die Gesundheit der Hunde nicht weiter gefährlich. Sie kommen immer nur kurz mit den Sporen in Kontakt, stecken ihre Schnauze nicht direkt in den Schimmelpilz. Außerdem haben sie eine große Nasenschleimhaut, die sich nach jedem Einsatz gut reinigt. Die Hunde lernen mit positiver Verstärkung,

auf Schimmel zu reagieren. Wenn sie einen Geruch  angezeigt haben, gibt es einen Klick…

…und ein Leckerli. Die Hunderasse spielt übrigens keine Rolle. Nur kurznasige Hunde wie etwa Bulldoggen kommen als Schimmelspürhunde nicht in Frage. Sie nehmen Gerüche weniger gut wahr als Hunde mit langen Nasen.

Für Naila ist die Schimmelsuche in dem Haus in Neulußheim jetzt beendet. Petra Acker führt sie ins Auto - und holt Nailas Enkelin Buffy ins Haus -  Schimmelspürhündin in Ausbildung. Sie darf hier jetzt ein bisschen üben.

Die sechs Monate alte Hündin fegt wie vorhin ihre Oma wild durch die Zimmer.

Auch sie nimmt den Schimmelgeruch wahr, der durch die Steckdosenöffnung in der Holzwand im Keller strömt. Doch anders als Aktiv-Hund Naila bellt sie nicht, um ihren Fund anzuzeigen. Als so genannter Passiv-Hund erstarrt sie, um ihren Fund anzuzeigen. Sie wird stocksteif, bis der Klick sie erlöst:

"…und ganz viel Leckerlies. Super, hast du gut gemacht."

In zwei Jahren wird Buffy Nailas Platz einnehmen. Bis dahin wird noch fleißig geübt, die Teamarbeit zwischen Hund und Hundeführerin perfektioniert. Petra Acker genießt die Arbeit mit den Hunden. Nicht nur, weil sie so  zuverlässige Kollegen sind:

"Auf jeden Fall lieben sie mich mehr als jeder andere Kollege, das kann man schon sagen."

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