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StartseiteCorsoSchlag den Rechner!06.12.2012

Schlag den Rechner!

Die Konzertreihe "Elektrominibarklingelton" in Stuttgart

Unter dem Titel "Elektrominibarklingelton" befreit eine Stuttgarter Konzertreihe den Computer aus seinem Nischenleben als Abspielsklave fürs MP3. Die Musiker und Programmierer lassen den Rechner selbst als Instrument erklingen. Die neueste Ausgabe stellt Kersten Ginsberg und Matthias Schneider-Hollek vor, die Algorithmen auf ein Schlagzeug loslassen.

Von Helga Spannhake

In der Konzertreihe "Elektrominibarklingelton" treffen "echte" auf Computer-Musiker. (Stock.XCHNG / Rodolfo Clix)
In der Konzertreihe "Elektrominibarklingelton" treffen "echte" auf Computer-Musiker. (Stock.XCHNG / Rodolfo Clix)
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Elektrominibarklingelton - Konzertreihe in Stuttgart

Variation, Modulation, aufgesplittete Klänge - es ist die Suche nach noch unerforschten Klangräumen. So hört der Computermusiker Jörg Koch im Konzert zum Beispiel, was Cello und Schlagzeug spielen, und erzeugt simultan am Computer einen dritten Klang. Unter Umständen nimmt er sogar den Klang eines der anderen Instrumente mit dem Mikrofon auf und verwandelt ihn anschließend mithilfe seines Computers:

"Und das kann ich natürlich als Publikum auch beobachten und bewerten, weil ich sehe dann zum Beispiel rhythmische Figuren, die jetzt die ganze Zeit im Raum waren und live gespielt waren, die tauchen jetzt plötzlich klanglich komplett verfremdet auf."

Klassische Instrumente plus Computer das ist durchaus reizvoll für beide Seiten, so Matthias Schneider-Hollek:

"Das ist natürlich dann auch für Instrumentalisten, die akustische Instrumente spielen, wiederum extrem spannend, wenn sie dann mal mit einem Menschen zusammenspielen, der ihren Klang so rabiat und extrem auch in die Mangel nehmen kann und verformen kann. Da machen die ganz neue Erfahrungen damit und das ist einfach auch eine große klangliche Spannungsvielfalt, die da entsteht."

Zur Konzertreihe Elektrominibarklingelton werden stets Musikergäste eingeladen. Diesmal kommt Kersten Ginsberg. Der Musiker hat der deutschen Schlagzeugschule im Sinne von Can und Einstürzenden Neubauten einen eigenen Stempel aufgedrückt - mit Einflüssen aus vielerlei musikalischen Ecken. Es sind sein markantes Spiel sowie sein Gespür für neue Klänge und Strukturen, die ihn für Computermusiker Matthias Schneider-Hollek zum kongenialen Kollegen machen:

"Kersten Ginsberg spielt sehr groovig, spielt sehr tight. Also das wird schon auch öfter mal ein Viervierteltakt da vorkommen, was bei anderen Konzerten vielleicht eher selten der Fall ist. Was ich ganz fantastisch finde, dass, wenn ich einen elektronischen Impuls gebe, dass er den wirklich unglaublich schnell und zwar schneller als ganz viele Schlagzeuger, die ich sonst kenne, dass er eben das ganz schnell transformieren kann in sein grooviges Spiel."

Jörg Koch hat diese Konzertreihe mit dem extra sperrigen und inhaltsleeren Namen Elektrominibarklingelton vor sieben Jahren mitgegründet. Er arbeitet als Programmierer und die Begeisterung fürs Computermusikmachen begleitet ihn bereits viele Jahre:

"Wir haben zu Beginn festgestellt, dass der Computer eigentlich viel ein zu interessantes Instrument ist, als dass wir ihn nur dazu benutzen, um irgendwelche Produktionsschritte durchzuführen, die gar nicht so spannend sind. Und dass die Herausforderung für uns alle eigentlich ist, mit dem Computer zu improvisieren, das heißt in dem Moment, in dem die Musik erklingt, da soll sie auch in irgendeiner Art und Weise geformt werden."

Am Klang zu basteln, zu Feilen und zu Forschen mit dem Ergebnis vielschichtiger Klangcollagen, das fasziniert Jörg Koch ebenso wie seine Mitstreiter, die Musiker Mark Lorenz Kysela und Matthias Schneider-Hollek:

"Der Ansatz ist den Rechner wirklich zu etablieren oder auch gleichzustellen mit jedem anderen Musikinstrument, mit im Prinzip den gleichen Rechten, aber auch den gleichen Pflichten."

Denn Musik lediglich zu reproduzieren, ist auf Dauer langweilig. Der Mensch und Musiker am Computer will gefordert sein, so Jörg Koch:

"Die Pflicht des Musikers ist eigentlich, in jedem Moment zuzuhören, was passiert, darauf zu reagieren und einen Dialog weiterzuspinnen."

Musik und Experiment, auf diesen zwei Säulen ruht die Konzertreihe und da kann während eines Konzerts auch schon einmal über einen einzigen Sinuston analysiert werden. Überraschend und spontan, unkonventionell, mal trashig, laut oder leise - erlaubt ist, was gefällt.


Info

Das Elektrominibarklingelton-Konzert mit Kersten Ginsberg und Matthias Schneider-Hollek heute Abend um 20:00 Uhr im Stromraum Studio in Stuttgart - Bad Canstatt.

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